Energie günstiger Inflationsrate sinkt im Dezember auf 8,6 Prozent

Die Inflationsrate in Deutschland ist im Dezember 2022 auf 8,6 Prozent gesunken. Im November hatte die Inflationsrate noch 10 Prozent betragen. Vor allem deutlich gesunkene Öl- und Gaspreise führten zu dem Rückgang.
Preistreiber: Auch die gesunkenen Benzinpreise wirkten sich auf die Inflationsrate aus

Preistreiber: Auch die gesunkenen Benzinpreise wirkten sich auf die Inflationsrate aus

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Der Anstieg der Inflation in Deutschland hat sich im Dezember 2022 auf hohem Niveau verlangsamt. Die Verbraucherpreise legten zum Vorjahresmonat um 8,6 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag anhand vorläufiger Daten mitteilte. Für das Jahr 2022 insgesamt ist die Inflation einer ersten Schätzung zufolge mit 7,9 Prozent hierzulande auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung 1990 gestiegen. Die bislang höchste Teuerungsrate in einem Gesamtjahr war in der damaligen Bundesrepublik 1951 mit 7,6 Prozent gemessen worden.

Im November war die bundesweite Inflationsrate auf 10,0 Prozent gefallen, nachdem sie im Oktober mit 10,4 Prozent auf den höchsten Stand seit 1951 geklettert war.

Preistreiber sind seit Monaten Energie und Lebensmittel, die sich sprunghaft verteuerten. Der russische Angriff auf die Ukraine sowie Lieferengpässe haben die bereits angespannte Lage verschärft. Das treibt auch die allgemeine Teuerung. Für Energie mussten Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland im Dezember 24,4 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Nahrungsmittel verteuerten sich binnen Jahresfrist um 20,7 Prozent.

Mit Milliardenhilfen versucht der deutsche Staat, Unternehmen und Verbraucher zu entlasten. Im laufenden Jahr sollen Preisbremsen für Strom und Gas die Folgen der gestiegenen Kosten für Haushalte und Firmen abfedern. Nach Angaben Statistischer Landesämter machte sich zum Jahresende die einmalige Soforthilfe für Gas- und Fernwärmekunden bemerkbar, die den Anstieg der Verbraucherpreise dämpfte.

"Das Schlimmste bei der Inflation haben wir wohl überstanden"

Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding

"Das Schlimmste bei der Inflation haben wir wohl überstanden", kommentierte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, die Entwicklung. "Aber so richtig durchatmen können wir noch nicht." So habe sich im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen die sogenannte Kerninflation - bei der die Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet werden - sogar beschleunigt, von 4,6 auf 4,9 Prozent. Das belege, dass mehr Unternehmen außerhalb des Energiesektors ihre hohen Strom-, Heiz- und Spritkosten auf die Verbraucher überwälzen.

Energiepreise zuletzt gesunken

"Zum Jahresbeginn könnten höhere Energiekosten die Inflationsrate noch einmal etwas nach oben treiben", sagte Schmieding. "Spätestens ab März dürfte die Inflation dann aber kräftig zurückgehen, da ab dann der kriegsbedingte Anstieg der Energie- und Nahrungsmittelpreise aus dem Vorjahresvergleich herausfällt." Ende des Jahres könnte die Inflationsrate dann sogar unter die Marke von drei Prozent fallen.

Die sinkende Inflation habe weniger mit der Energiepreisbremse zu tun als viel mehr mit den deutlich gesunkenen Öl- und Benzinpreisen, sagte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. "Die Energiepreisbremse werden wir erst ab März in den Daten sehen." Der Staat hat im Dezember die Abschlagszahlungen für Erdgas übernommen. Für Privatverbraucher von Gas, Strom und Fernwärme gilt ab März zudem ein gesetzlich festgelegter Höchstpreis für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs - dieser Preisdeckel wird rückwirkend für Januar und Februar angerechnet.

Inflation könnte noch mal steigen

Entwarnung gibt auch Brzeski noch nicht. "In den kommenden Monaten könnte die Inflation durchaus auch noch mal steigen", sagte Brzeski. So bekämen viele Verbraucher die gestiegenen Gas- und Strompreise erst ab Januar präsentiert. Auch Nahrungsmittel könnten teurer werden, da in der Landwirtschaft häufig die Preise im Januar neu verhandelt würden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht seit Sommer 2022, die Inflation mit Zinserhöhungen im Euroraum einzudämmen. Denn wenn Kredite teurer werden, bremst das die Nachfrage und kann so hohen Teuerungsraten entgegenwirken. Zugleich jedoch sind höhere Zinsen eine Bürde für die ohnehin durch Kriegsfolgen geschwächte Wirtschaft. Die EZB sieht sich nach vier Zinserhöhungen in Folge im abgelaufenen Jahr und einem Leitzins von inzwischen 2,5 Prozent noch nicht am Ende ihres Einsatzes gegen die rekordhohe Inflation, wie EZB-Präsidentin Christine Lagarde (67) nach der letzten Sitzung der Notenbank im Jahr 2022 Mitte Dezember klarmachte: "Wir müssen eine längere Strecke gehen."

dri, frm/Reuters
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