Sonntag, 21. April 2019

Infrastruktur für E-Autos fehlt - Klimaschutzziele so nicht erreichbar E-Auto-Ladesäulen - Städte sehen Regierung in der Pflicht

Hier auftanken: In Deutschland noch keine Selbstverständlichkeit

Wenn der Verkehr seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten soll, braucht es nicht nur mehr Elektroautos, sondern vor allem auch mehr Ladesäulen. Gerade bei den Stromtankstellen hapert es gewaltig. Doch Städte und Verbände sehen hier den Bund in der Pflicht.

Lange Strecken mit einem Elektroauto durch Deutschland zu fahren, ist eine Herausforderung. Denn eine flächendeckende Infrastruktur mit Ladesäulen fehlt. Sie ist jedoch Voraussetzung für den Durchbruch des Elektroautos und auch die politisch gewollte Verkehrswende mit weniger Schadstoffausstoß. Vertreter von Städten und Verbänden fordern die Bundesregierung jetzt dazu auf, ihre Anstrengungen zum Ausbau einer Ladeinfrastruktur in Deutschland zu verstärken.

Der Präsident des Städtetags, Markus Lewe, sagte: "Emissionsfreie Mobilität in den Städten zu fördern ist dringend notwendig, damit Deutschland seinen Klimazielen im Verkehr 2030 näherkommt." Die Städte seien mit dem bisherigen Aufbau von öffentlich zugänglichen Ladesäulen bereits in Vorleistung gegangen. Um mit dem erwarteten Anstieg beim Verkauf von Elektrofahrzeugen Schritt zu halten, müssten weitere Lademöglichkeiten installiert werden.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte am Wochenende eine Milliarde Euro zusätzlich für die Förderung privater Ladestationen im Bundeshaushalt gefordert. Damit räumte der Minister indirekt ein, dass es viel zu wenig Stromtankstellen und Ladepunkte in Deutschland gibt, um die selbst gesteckten Ziel zu erreichen.

Bei E-Tankstellen ist Deutschland weit von gesteckten Zielen entfernt

Nach den Zahlen des Bundesverbands Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gab es Ende vergangenen Jahres rund 16.000 öffentlich Ladepunkte, an denen Elektroautos "auftanken" können. Das mag viel erscheinen, angesichts der Tatsache, dass auf Deutschlands Straßen laut statistischem Bundesamt derzeit gerade Mal rund 83.000 E-Autos unterwegs sind.

Das ursprünglich ausgegebene Ziel von 1 Million Elektroautos bis 2020 hat die Bundesregierung ohnehin schon stillschweigend kassiert - dafür hätte es mindestens 30.000 Ladepunkte gebraucht. Damit der Verkehr seinen veranschlagten Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele abliefert, wären laut Scheuer bis 2030 gut 10 Millionen E-Autos nötig und damit rechnerisch rund 300.000 Ladepunkte. Das ist ferne Zukunftsmusik: Doch selbst die von der Bundesregierung angestrebten 100.000 zusätzlichen Ladepunkte im kommenden Jahr scheinen beim gegenwärtigen Tempo des Ausbaus kaum zu erreichen sein.

Lewe fordert daher, neben privaten Ladestationen sollten auch Ladeeinrichtungen für den ÖPNV, neue E-Busse und städtische Flotten gefördert werden. "Denn mit dem ÖPNV können bedeutend mehr Personen von der elektrischen Fahrleistung profitieren als bei der Fahrt im eigenen PKW." Nicht nur den Eigenheim- und Garagenbesitzern sollte das Laden von eigenen Elektrofahrzeugen ermöglicht werden, sondern auch großen Teilen der städtischen Bevölkerung in Mietwohnungen. Auch sollte die Förderung allen Städten zugänglich sein, nicht nur denen mit hohen Stickoxid-Werten, sagte Lewe weiter. "Bei der Ladeinfrastruktur für private Elektrofahrzeuge darf das Laden am Wohnort und in der Arbeitsstätte nicht zu kurz kommen." Dazu müssten schnell rechtliche Hindernisse beseitigt und Private zum Aufbau jenseits der öffentlichen Ladesäulen ermutigt werden.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) hatte angekündigt, Eigentümern und Mietern die Errichtung von Ladestationen für Elektroautos zu erleichtern. "Der Einbau von Ladesäulen darf nicht an komplizierten Regelungen im Eigentumsrecht scheitern", hatte die SPD-Politikerin am Montag gesagt.

Der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland sieht bei der geplanten stärkeren Förderung von Ladesäulen noch große Herausforderungen - rechtlich und auch technisch. Für die Installation einer Ladesäule müssten in einer Wohnungseigentümergemeinschaft bisher häufig alle Eigentümer zustimmen. "Diese Schwelle muss gesenkt werden", so Wagner.

"Es muss klargestellt werden, dass der Einbau von Ladesäulen eine Modernisierung ist, die mit doppelt qualifizierter Mehrheit möglich ist: drei Viertel der Eigentümer müssen zustimmen, welche mehr als die Hälfte der Miteigentumsanteile repräsentieren. Das würde den Aufbau von Ladestationen erleichtern."

Es gebe außerdem weitere offene Fragen und praktische Probleme. "Beim Aufbau einer Ladestation ist zum Beispiel ein Eingriff in die Elektroversorgung notwendig oder der Einbau von Starkstromsteckern. Das kostet viel Geld."

"Zuständige Netzbetreiber in Kommunen früh einbeziehen"

Die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Katherina Reiche, sagte, entscheidend sei, dass die örtlichen Stromnetze ausgebaut und mit intelligenter Steuerung versehen werden. Der zuständige Netzbetreiber müsse frühzeitig mit einbezogen werden. "Essentiell für die Akzeptanz von E-Autos ist, dass sie jederzeit und überall aufgetankt werden können." Neben öffentlichen und privaten Ladepunkten müssten auch Ladepunkte an Orten, in denen Fahrzeuge ohnehin abgestellt werden, wie in Parkhäusern oder vor Supermärkten in das Konzept mit eingebunden werden.

rei mit Nachrichtenagenturen

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung