Erneuerbare Energien Kostenexplosion beim Ökostrom gestoppt

Erstmals könnte die EEG-Umlage im kommenden Jahr für die Verbraucher sinken. Der Grund: 2013 haben die Betreiber von Ökostrom-Anlagen weniger Geld von den Netzbetreibern bekommen. Das EEG-System fuhr deshalb einen Milliardenüberschuss ein.
Schwaches Windjahr: Die Ökostrom-Kosten stagnieren auch, weil die Rotoren weniger Strom produzierten

Schwaches Windjahr: Die Ökostrom-Kosten stagnieren auch, weil die Rotoren weniger Strom produzierten

Foto: Stefan Sauer/ dpa

Hamburg - In den vergangenen Jahren kannten die Ausschüttungen für Ökostrombetreiber nur eine Richtung - nach oben. Im Jahr 2010 zahlten die Netzbetreiber 12,3 Milliarden Euro aus, 2011 waren es 16,1 Milliarden und 2012 belief sich die Summe schließlich auf 20,1 Milliarden Euro - für die Akzeptanz der Energiewende eine unheilvolle Entwicklung.

Nun sind die Ausgaben erstmals überraschend wieder zurückgegangen. Im Jahr 2013 haben die Netzbetreiber nur noch 19,3 Milliarden Euro an die Betreiber von Solaranlagen, Windrädern oder Biogasanlagen bezahlt. Das geht aus der aktuellen Kontenübersicht zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für 2013 hervor, die die Netzbetreiber jetzt im Internet veröffentlicht  haben. Die Zahlen haben vorläufigen Charakter.

Unterm Strich sind die Kosten für die Ökostromförderung dennoch leicht gestiegen - laut Transnet BW um 170 Millionen Euro. Denn den Auszahlungen an die Ökostromer in Höhe von 19,3 Milliarden Euro stellen die Netzbetreiber die Einnahmen entgegen, die sie mit dem Strom beim Weiterverkauf am Markt erzielen. Und diese sind im Vergleich zu 2012 deutlich gesunken - weil der Börsenpreis im Keller ist und weil vor allem Windmüller ihren Strom gar nicht mehr von den Netzbetreibern vermarkten lassen, sondern selbst am Markt verkaufen.

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Deckel drauf: Die schwarz-roten Pläne zur Energiewende

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Die Netzbetreiber machen für den Kostenstopp unter anderem das Wetter verantwortlich. "Es war kein ausgesprochen gutes Jahr für Solar- und Windenergie", sagte eine Sprecherin von Tennet manager magazin online.

Tatsächlich ist die Strommenge aus erneuerbaren Energien laut Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen 2013 nur leicht gewachsen - von 143,5 auf 147,1 Terawattstunden. Das entspreicht einem Anteil von 24,7 Prozent am deutschen Stromverbrauch. Biomasse und Solar legten demnach zu, während Windenergie etwas verlor.

Kostendämpfend wirkt laut Tennet zudem, dass Betreiber von neu gebauten Solaranlagen inzwischen deutlich weniger Geld für ihren Strom bekommen. So wird Elektrizität aus Photovoltaikparks dank der Förderkürzungen nur noch mit knapp zehn Cent vergütet.

Milliardenplus für das EEG-Konto - Umlage könnte sinken

Aus demselben Grund haben die Deutschen auch weniger Anlagen installiert als in den Vorjahren. "Der Zubau der Photovoltaik wirkt sich auf die Kosten kaum noch aus", sagt Markus Haller vom Berliner Öko-Institut.

Während die Kosten im EEG-System 2013 moderat blieben, sprudelten die Einnahmen. Satte 19,3 Milliarden Euro flossen durch die auf 5,3 Cent pro Kilowattstunde gestiegene EEG-Umlage in die Kasse. Unterm Strich bliebt dem System ein Überschuss von 2,5 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte es ein Defizit von 2,7 Milliarden Euro gegeben. Auch deshalb war die Umlage drastisch erhöht worden.

In diesem Jahr stehen die Zeichen um so mehr auf Entspannung. "Es sammelt sich ein Guthaben auf dem EEG-Konto an", sagt Öko-Institut-Mann Haller. Der Trend wird dadurch verstärkt, dass die Umlage in diesem Jahr auf 6,2 Cent pro Kilowattstunde gestiegen ist und noch mehr Geld in die Kasse sprudeln dürfte.

Gute Nachrichten für Sigmar Gabriel

Angesichts des sich abzeichnenden Geldberges steigen damit die Chancen, dass die EEG-Umlage 2015 erstmals zurückgeht. Darüber befinden die Netzbetreiber im Herbst. Entscheidend sind der Stand des EEG-Kontos zum 30. September und die Prognose über die Ökostromerzeugung für 2015.

"Ich halte es für wahrscheinlich, dass die Umlage stabil bleibt oder leicht sinkt", sagt EEG-Experte Haller. Er erwartet einen Wert zwischen 6 und 6,3 Cent. Die Übertragungsnetzbetreiber rechnen offiziell mit einer Spanne zwischen 5,85 und 6,86 Cent.

Die Entwicklung dürfte Gegnern des Erneuerbare-Energien-Gesetzes etwas Wind aus den Segeln nehmen. Zeigt sich doch, dass auch kleine Reformen und Förderkürzungen durchaus entlastend auf die Stromkunden wirken können. Eine Abschaffung des Gesetzes aus Kostengründen wird zunehmend unwahrscheinlich, zumal Gegenentwürfe wie das von Sachverständigenrat und Monopolkommission geforderte Quotenmodell bestenfalls geringe Kostenvorteile versprechen.

Gleichzeitig hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) nun etwas Luft bei seinen Bemühungen, das EEG zu reformieren und effizienter zu gestalten. Schon mit kleineren Änderungen kann er die positive Tendenz verstärken und sich als Retter der Energiewende feiern lassen.

Ganz ohne Reformen könnten die Ökostrom-Kosten in den kommenden Jahren allerdings durchaus wieder schneller steigen. Als größte Risiken gelten dabei der Zubau teurer Offshore-Windparks und zusätzliche Industrie-Rabatte.

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