Scharfe Kritik So reagiert die Wirtschaft auf die neuen Regeln für die E-Auto-Kaufprämie

Nach langem Hin und Her hat sich die Ampel-Koalition auf neue Regeln für die E-Auto-Kaufprämie geeinigt: Die Förderung reiner Elektroautos sinkt, für Plug-In-Hybride soll sie 2023 ganz wegfallen. Nicht nur VDA-Präsidentin Hildegard Müller kritisiert das.
"Prämie wird zum Glücksspiel": Die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, kritisiert die neu gestaltete Regelung für den Umweltbonus beim Kauf eines Elektroautos

"Prämie wird zum Glücksspiel": Die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, kritisiert die neu gestaltete Regelung für den Umweltbonus beim Kauf eines Elektroautos

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Der Hochlauf der Elektromobilität hat in den vergangenen Jahren deutlich an Tempo gewonnen. Die Anzahl von Autos mit Batterieantrieb steigt stetig an: Voraussichtlich wird die Zwei-Millionen-Marke 2023 erreicht. "Die Elektromobilität hat den Übergang in den Massenmarkt geschafft", sagt unlägnst Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck.

Nun richtet die Bundesregierung die Förderung von Elektrofahrzeugen neu aus. Ab 2023 sollen nur noch jene Elektroautos einen Umweltbonus erhalten, die nachweislich einen positiven Klimaschutzeffekt haben - also batterie- und brennstoffzellenbetrieben sind, heißt es in einer Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums .

Beim Kauf eines reinen Elektroautos erhalten die Verbraucher ab Januar 2023 je nach Kaufpreis, 3000 bis 4500 Euro. Ab September 2023 wird der Kreis der Antragsberechtigten zudem auf Privatpersonen begrenzt. Für E-Autos über 45.000 Euro entfällt der Umweltbonus ab 2024 vollständig. Die Förderung für Plugin-Hybride läuft Ende 2022 aus.

Finanzminister Christian Lindner (FDP) hatte zuvor vorgeschlagen, die Kaufprämien ("Umweltbonus") auch für reine E-Autos ganz abzuschaffen - um Geld einzusparen. Der Finanzminister pocht darauf, dass der Bund die in der Corona-Pandemie ausgesetzte Schuldenbremse 2023 wieder einhält. Im Koalitionsvertrag hatten sich SPD, FDP und Grüne auf eine Reform der Förderung von E-Autos ab 2023 geeinigt.

"Heftiger Dämpfer"

Die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, kritisierte nun gegenüber den Funke-Medien die Kürzung der Förderung. Die Entscheidung sei "ein heftiger Dämpfer für den Anreiz, sich ein E-Auto anzuschaffen". Auch die Unklarheit bezüglich des Zeitpunkts der Beantragung kritisierte Müller scharf. "Durch die zusätzliche Deckelung der Förderung und des unklaren Vergabezeitpunktes droht die Prämie zu einem Glücksspiel für die Verbraucherinnen und Verbraucher zu werden." Die Autohersteller seien bereit, die Auszahlung an das Kaufdatum des Elektroautos zu koppeln.

"Das halten wir für einen Fehler"

Und auch Thomas Peckruhn, Vizepräsident Zentralverband Deutsches Kraftfahrtzeuggewerbe (ZDK), kritisiert die Neuregelung : "Das im Koalitionsvertrag formulierte Ziel von 15 Millionen Elektro-Pkw bis 2030 ist ohne die Förderung nicht zu erreichen." Die fehlende Förderung von Plug-in-Hybridfahrzeugen als Einstiegstechnologie für E-Mobilität werde den Markt massiv beeinträchtigen.

Viele Kunden könnten laut Peckruhn abgeschreckt sein, jetzt noch ein E-Fahrzeug zu bestellen. Denn bei den derzeitgen Lieferzeiten von bis zu einem oder länger wisse der Kunde oft nicht, wie hoch sein Prämienanspruch ist und ob er überhaupt noch eine bekommt. Der Kunde müsse voraus planen können.

Darüber hinaus kann Peckruhn nicht nachvollziehen, dass gerade die gewerblichen Kunden keine Förderung mehr erhalten sollen. Damit ließe die Regierung den für die Wirtschaft so wichtigen Mittelstand, ausgerechnet bei den eigenen Fuhrparks außen vor. "Das halten wir für einen Fehler."

sio mit DPA
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