Montag, 17. Juni 2019

 Verkehrsministerium macht technische Vorgaben Autobauer legen sich bei Diesel-Nachrüstung weiter quer 

Bundesverkehrsministerium hat angeblich die technischen Vorschriften für die Hardware-Nachrüstung älterer Diesel-Autos festgelegt

Die deutschen Autobauer sperren sich trotz des Drängens von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gegen die Hardware-Nachrüstung älterer Diesel-Autos. Scheuers Ministerium legte am Freitag die technischen Vorschriften für die Nachrüstung fest, mit der Fahrverbote von Fahrzeugen mit "Euro-4"- und Euro-5"-Dieselmotoren vermieden werden sollen.

"Jetzt ist die Nachrüstindustrie am Zug, wirksame Systeme zu entwickeln, mit denen alle Grenzwerte und Vorschriften eingehalten werden", sagte der CSU-Politiker.

Die Autoindustrie will aber keine Gewährleistung für umgerüstete Diesel übernehmen. "Wir können keine Garantie für ein Fahrzeug übernehmen, in das nachträglich Abgasreinigungssysteme Dritter eingebaut wurden", sagte der Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, der Zeitung "Die Welt". Verbraucherschützer forderten von den Autobauern ein Ende ihrer Blockadehaltung.

Volkswagen erklärte, der Autobauer könne eine Umrüstung von Diesel-Autos der Abgasnorm Euro 5 im Sinne der Kunden "weder befürworten noch dafür haften". Nicht alle Autos ließen sich wirklich nachrüsten, und nicht alle unterschritten dann einen Stickoxid-Richtwert von 270 Milligramm pro Kilometer, um von Fahrverboten in Großstädten ausgenommen zu werden. "Alle uns bisher bekannten Konzepte weisen Nachteile für unsere Kunden auf, etwa Mehrverbrauch und damit erhöhte CO2-Emission, zum Teil auch Leistungsreduzierung", warnte Entwicklungsvorstand Frank Welsch. BMW halte Hardware-Nachrüstungen weiterhin für nicht zielführend, sagte ein Sprecher. Sie bedeuteten "generell mehr Gewicht, mehr Verbrauch und Auswirkungen auf die Leistung". Daimler teilte mit, man kenne die Vorschriften noch nicht.

Die Bundesregierung hatte zur Vermeidung von Fahrverboten in besonders belasteten Regionen Hardware-Nachrüstungen beschlossen. Die Sprecherin des Verkehrsministeriums sagte, die Haftungsfrage sei geklärt. "Wer die Nachrüstlösung anbietet, der haftet dann auch für das Nachrüst-Set." Die 30 Seiten umfassenden Richtlinien sollen Anfang Januar im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Sofern diese erfüllt seien, werde das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) schnellstmöglich Genehmigungen für Nachrüst-Systeme erteilen. Bisher lägen aber keine Anträge vor.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung