Freitag, 28. Februar 2020

ADAC fordert nach Test Hardware-Nachrüstung Dreckige Diesel lassen sich mit Erfolg alltagstauglich nachrüsten

Drohende Fahrverbote für Diesel lassen sich mit Hardware-Nachrüstungen vermeiden, ist der ADAC überzeugt

2. Teil: Was die Nachrüstung kostet - "Problem lässt sich schnell aus der Welt schaffen"

Die Kosten für so System liegen je nach Fahrzeugtyp und Anbieter inklusive des Einbaus zwischen 1400 und 3300 Euro. Im Schnitt rechnet Kolke mit 2500 Euro. "Der Einbau ist kein Kinderspiel", räumte der Ingenieur ein. Der Test habe aber klar gezeigt: "Es geht, es lassen sich sehr gute Ergebnisse erzielen, auch wenn wir bei niedrigen Temperaturen noch Optimierungsbedarf sehen."

Die deutschen Autobauer lehnen eine Hardware-Nachrüstung rundweg ab, setzen dagegen schon fast gebetsmühlenhaft auf Software-Updates - zuletzt Audi-Chef Rupert Stadler im "Handelsblatt"-Interview, der erklärte, Hardeware-Updates seien "nicht viel effizienter" (kostenpflichtig) dafür aber zeitraubender und komplexer. Dabei hatten das Bundesumweltamt und der US-Forscherverbund ICCT, der den VW-Abgasskandal in den USA aufdeckte, unlängst gezeigt, dass ein Software-Update selbst bei Euro-6-Dieseln nicht ausreicht, um die Grenzwerte im Alltagsbetrieb einzuhalten.


Kommentar: Darum sind die Diesel-Fahrverbote ein Skandal


Die Kosten für die Nachrüstung könnten sich laut früheren Schätzungen bundesweit auf 10 Milliarden Euro und mehr belaufen. Volkswagen, Daimler, BMW und Co wollen diese Kosten selbstverständlich nicht tragen. Kenner der Branche interpretieren die starre Haltung der Branche aber als Milchmädchenrechnung.

Denn Diesel verkaufen sich immer schlechter, weil Kunden Fahrverbote fürchten. Weniger moderne Selbstzünder sind teils nur mit erheblichen Preisnachlässen oder gar nicht an den Mann zu bringen. "Jeden Tag, den ein Diesel länger auf dem Hof steht und keinen Käufer findet, kostet den Händler Geld. Spätestens nach drei Monaten haben sich die Kosten für eine Nachrüstung amortisiert", sagt ein Insider im Gespräch mit manager-magazin.de.

Dass die Hersteller jetzt die massenhafte Nachrüstung scheuen, hat auch mit der fehlenden Rechtsgrundlage zu tun. Politik und Gesetzgeber müssen schnellstens eine Zulassungs- und Nachrüstungsrichtline auf den Weg bringen, die realitätsnahe Tests, Mindestreduktionsziele und auch Garantiefragen klärt, forderte ADAC-Mann Kolke. "Sind die Rahmenbedingungen klar, lässt sich das Problem auch schnell aus der Welt schaffen", zeigte sich der Experte überzeugt.

Dabei könnte das Bundesveraltungsgericht in Leipzig an diesem Donnerstagden Prozess mit seinem Urteil erheblich beschleunigen. Denn Fahrverbote wollen alle Beteiligten vermeiden.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung