Freitag, 6. Dezember 2019

Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland vor dem Abschwung

Wird das Model 3 von Tesla zum Symbol für den Niedergang der deutschen Schlüsselbranche?

2. Teil: Autoindustrie vor der Krise

Dachte ich bisher, es wäre nur Unwissenheit der Regierenden, weshalb sie die auf Dauer schädliche Politik betreiben, so komme ich mittlerweile zu dem Schluss, dass sie es wissentlich tun, weil der kurzfristige Erfolg an der Wahlurne mehr zählt, als das, was richtig ist für die langfristige Entwicklung des Landes. (Ich weiß, das klingt naiv.)

Angela Merkel weiß nämlich sehr wohl um die Risiken, wie der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe berichtet ("Merkel sieht schwarz für die deutsche Autoindustrie"). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) räumt der deutschen Automobilindustrie offenbar keine guten Überlebenschancen ein. Beim Europäischen Rat Ende Juni malte sie die Zukunftsaussichten von Deutschlands wichtigstem Industriezweig mit rund einer Million Beschäftigten in düsteren Farben. Jeder wisse, dass die Autoindustrie in ihrer heutigen Form nicht überleben werde.

Da fragt man sich natürlich, ob die richtige Antwort nicht ein beherztes Eingreifen wäre. Glaubt man wirklich an den technologischen Wandel, so muss man die traditionellen Anbieter nicht schützen, sondern stattdessen geplant so unter Druck setzen, dass sie kein Spiel auf Zeit mehr wagen. Jedes Signal, dass es doch noch länger gut geht mit Diesel und Benzin, führt nur dazu, dass die notwendigen Anpassungen verschleppt werden. Noch ist die Marktstellung der deutschen Anbieter stark genug, um eine Anpassung zu vollziehen. In schon wenigen Jahren dürfte das anders aussehen.

Überlegungen der CSU, den Absatz von Dieselfahrzeugen steuerlich zu fördern, erinnern fatal an die Verschwendung von Milliarden für den Steinkohlebergbau. Besser wäre es, wie bei den Banken vorexerziert, alte Geschäftsteile in separate Gesellschaften auszugliedern und dort geordnet abzuwickeln, damit man sich mit voller Kraft auf die neuen Technologien fokussieren kann.

Die Bedrohung ist real

Gerne wird - gerade in Deutschland - darauf hingewiesen, dass es noch lange zu keinem Umstieg auf die Elektromobilität kommen kann. Zu gering wäre die Reichweite, zu dünn das Netz der Ladestationen, zu hoch der Preis. Abschließend wage ich das nicht zu beurteilen - und habe mir auf meinem Blog auch einige Kritik eingefangen -, doch stimmt mich die Erfahrung skeptisch. Etablierte Anbieter unterschätzen immer Geschwindigkeit und Dramatik eines solchen Wandels. Die deutsche Autoindustrie scheint dabei keine Ausnahme zu sein.

Inhaltlich sprechen nicht wenige Gründe für einen raschen Siegeszug der Elektromobilität. So rechnen Analysten der UBS vor, dass schon im kommenden Jahr die "Cost of Ownership", also die gesamten Kosten für Anschaffung und Betrieb eines Elektroautos, auf dem gleichen Niveau wie für ein Auto mit traditionellem Antrieb liegen werden. Schon 2025 sollen über 14 Millionen Elektrofahrzeuge weltweit verkauft werden. Das wäre zwar nur ein Anteil von rund 14 Prozent der weltweiten Automobilverkäufe, doch vor allem in den Industrieländern dürfte der Anteil deutlich höher liegen.

Tony Seba von der Stanford Universität prognostiziert, dass im Jahre 2025 weltweit keine Fahrzeuge mit traditionellen Verbrennungsmotoren mehr verkauft werden. Auch das Nutzungsverhalten würde sich ändern: weg vom Besitz, hin zur Nutzung von Fahrzeugen.

Elektrofahrzeuge greifen die traditionellen Anbieter frontal an. Für einen Bruchteil des Preises hat man ein Fahrzeug, welches Fahrleistungen bietet, die sonst nur Supersportwagen erreichen. Zudem ist das Elektroauto weit weniger komplex. Der Tesla S hat 18 bewegliche Teile, traditionelle Automobile rund hundertmal so viele.

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung