So verteidigen wir doch noch den WM-Titel! Der geheime Masterplan des Löw-Assistenten

Stets die Hand vor dem Mund: Assistenztrainer Thomas Schneider und sein Headcoach Joachim Löw im Luschnikstadion

Stets die Hand vor dem Mund: Assistenztrainer Thomas Schneider und sein Headcoach Joachim Löw im Luschnikstadion

Foto: DPA

Sie sitzen nun schon dreieinhalb Jahre als Koalitionspartner Seit an Seit, tuscheln vertraut hinter vorgehaltener Hand, haben gemeinsam allen Stürmen des Fußballlehrerdaseins getrotzt, wie zum Beispiel dem Unterhosengate. Und nun das: Ein geheimer Masterplan des Co-Bundestrainers Thomas Schneider erschüttert den DFB, dagegen ist die Sommermärchenaffäre von 2006 ein - Vogeldreck.

Schneider ist ja so eine Art Innenminister des Trainerstabs, arbeitet nach eigener Jobbeschreibung an der "Schnittstelle" zu nachrückenden Talenten (Steilpassgenies und Stoßstürmer wie Markus Söder). Er begann seine Fußballlehrer-Laufbahn beim FC Dingolfing, der Ort liegt nur einen langen Torwartabschlag entfernt vom Wahlkreis eines gewissen Seehofers.

Allesamt beste Voraussetzungen fürs Quertreiben, obwohl der Mann eigentlich die leisen Töne bevorzugt. 63 Punkte sollen Schneiders Papier enthalten, das er nach der Mexiko-Pleite verfasst hat. Manager Magazin ist es gelungen, an der Wachpersonalfirma Bierhoff & Delling vorbei, im WM-Quartier Einblick zu nehmen.

Die zentralen Punkte aus Schneiders Geheimpapier

-Schneider hält eine Schutzzone im Mittelfeld für unumgänglich. Dort sollen asyl- und aufnahmewillige Bälle erst einmal unterkommen (Stichwort: "Ankerzentrum Kroos"), um dann möglichst schnell, ohne große Verarbeitung, weitergeschoben zu werden.

-Der deutsche Strafraum wird abgeschottet. Entsprechende Verträge mit Türkei-Sympathisanten in der Mannschaft sollen rasch unterzeichnet werden, gegen eine stattliche Aufstockung des Gehalts, es handelt sich schließlich um einen Deal. Die Vertragspartner sollen die Rückwärtsbewegung garantieren (Stichwort: "Özil-Abkommen").

- Die Regelungen seien notwendig, um in der deutschen Mannschaft "Recht und Ordnung wiederherzustellen - aus Verantwortung für die Verteidigung des Weltmeistertitels".

- Seit Jahren strebe man europäische Lösungen an, "bisher haben wir keine bekommen". Schneider will deshalb eine bilaterale Verständigung mit Österreich. Das habe schließlich schon 1982, bei der WM in Spanien gut geklappt, als das sichere Herkunftsland Algerien durch eine konzertierte und kraftsparende Aktion an der Weiterreise in die Zwischenrunde gehindert wurde, damals - von Linkspopulisten und Fußballethikern - respektloserweise als "Schande von Gijon" verunglimpft. Den Einwand von Schneider-Vertrauten, Österreich sei diesmal bei der WM gar nicht dabei, lässt er nicht gelten. Man könne derlei nun mal "nicht auf den St.-Nimmerleinstag verschieben".

- Bei Standardsituationen muss die Mauer gegen Effets oder Vollspänne (mit Migrationshintergrund) stabilisiert werden, so dass auch wirklich kein Ball durchrutscht oder sich womöglich Spieler mit gefälschtem Pass vorbeimogeln. Da helfe die Rückbesinnung auf traditionelle deutsche Gewerketugenden: "Beton anrühren!"

- Um die Welle unbegleiteter Flügelstürmer einzudämmen ist eine Obergrenze für gegnerische Angriffe zwingend geboten. Sobald die Zahl erreicht ist - vom Videobeweis zu dokumentieren -, gilt bei jedem weiteren Vorstoß die sofortige Ausreisepflicht in die eigene Hälfte.

- Auf Härtefälle muss stärker Rücksicht genommen werden. Man sollte so souverän sein, übereilte negative Asylbescheide zu revidieren. So müsse über die Zurückweisung von Leroy Sané noch einmal nachgedacht werden. Schneider: "Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit." Oder war's andersherum? Schneider will zur Sicherheit noch mal beim Bamf nachfragen.

Zwar sind viele Punkte unumstritten zwischen Schneider und Löw, etwa: schnelles Umschalten möglichst ohne hinzufallen, Pressing, Gegenpressing und Gegengegenpressing. Aber Schneider macht klar. Es handelt sich bei seinem Masterplan nicht etwa um ein x-beliebiges Konzeptpapier, sondern um ein Ultimatum: sofort umzusetzen, sozusagen unverzüglich.

Löw bedingt sich mehr Zeit aus, wenigstens bis zum Ende der Vorrunde, solange könne man ja wohl noch abwarten. Die harmonische Union aus Bundes- und Assistenztrainer, merkt er an, sei doch der "Stabilitätsanker" des deutschen Nachkriegsgekickes. Er erinnere da nur an Erfolgsduos wie Vogts und Bonhof, Ribbeck und Stielike.

Sollte es zu keinem Kompromiss kommen, bliebe ihm allerdings nichts anderes übrig, als von seiner Seitenlinienkompetenz Gebrauch zu machen. Vorsorglich hat Löw eine Wutrede bei Giovanni Trapattoni in Auftrag gegeben ("Was erlauben... Schneider?").

Falls gar nichts mehr hilft, soll der EU-Transferbeauftragte Andi Möller ("Mailand oder Madrid - Hauptsache Italien") vermitteln. Das ist allerdings mit Löw nicht zu machen: "Matthäus oder nix!"