Steueraffäre beim DFB Was den Fußball-Verantwortlichen blüht

Von Christian Pfeifer
Präsidium des Organisationskomitees für die Fußball-WM 2006: Horst Schmidt, Theo Zwanziger, Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach (v.l.)

Präsidium des Organisationskomitees für die Fußball-WM 2006: Horst Schmidt, Theo Zwanziger, Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach (v.l.)

Foto: DPA

Vor gut zwei Wochen wurden die ersten Enthüllungen rund um die Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Deutschland publik und schockten nicht nur die Fußballfans. Kaum jemand hätte es für möglich gehalten, dass das einstige Sommermärchen ein Fall für den Staatsanwalt wird. Was ist mit der angeblichen schwarzen Kasse in Höhe von 6,7 Millionen Euro passiert? War das Sommermärchen 2006 gekauft?

Offiziell wurde das Geld für ein "Kulturprogramm der WM 2006" geltend gemacht, und zwar steuermindernd. Laut Staatsanwaltschaft soll dem Geld aber ein anderer Zweck zugrunde gelegen haben. Wo also ist das Geld hin? Verschwunden, in Luft aufgelöst? Das kann nicht sein. Deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis die Justiz reagiert. Es steht der Verdacht der Steuerhinterziehung im Raum, in einem besonders schweren Fall.

Die Tatverdächtigen

Im Moment richten sich die Ermittlungen laut Staatsanwaltschaft gegen den DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, dessen Vorgänger Theo Zwanziger sowie Horst Schmidt, damals DFB-Generalsekretär. Ihnen wird vorgeworfen, im Rahmen ihrer damaligen Verantwortlichkeiten die Einreichung inhaltlich unrichtiger Steuererklärungen veranlasst und hierdurch Körperschafts- und Gewerbesteuern sowie Solidaritätszuschlag in erheblicher Höhe verkürzt zu haben.

Christian Pfeifer

Christian Pfeifer ist Rechtsanwalt und Seniorpartner der Frankfurter Kanzlei REISS und Spezialist auf dem Gebiet des Steuer- und Wirtschaftsstrafrechts.

Wichtig zu wissen ist aber, dass hier jeder, der intern zur Abgabe der Steuererklärung berechtigt und verpflichtet war, als Täter beziehungsweise Mittäter in Betracht kommt, sollte die steuerliche Geltendmachung falsch gewesen sein.

Im Moment steht zwar im Fokus die Steuerhinterziehung. Daneben könnten aber auch Untreuestraftaten oder Korruptionsdelikte in Betracht kommen, auch wenn diese verjährt sein dürften. Welche Erkenntnisse die Ermittlungsbehörden durch die Durchsuchungen tatsächlich gewinnen und ob sich der Kreis der Verdächtigen noch ausweitet, dürften die kommenden Wochen zeigen.

Was Niersbach, Zwanziger und Schmidt droht

Nach deutschem Strafrecht liegt der Strafrahmen für Steuerhinterziehung gemäß § 370 Abgabenordnung (AO) bei einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Bei einem besonders schweren Fall kommt eine Geldstrafe nicht mehr in Betracht, sondern eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.

Ein solcher Fall liegt vor, wenn Steuern in großem Ausmaß verkürzt werden (nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ab 50.000 Euro). Damit wäre eine Geldstrafe für die Beschuldigten ausgeschlossen und es bliebe lediglich die Frage, ob die Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Eine Bewährungsstrafe ist bei einem hinterzogenen Betrag, der jenseits der Millionengrenze liegt, nur noch dann möglich, wenn es ganz besondere Milderungsgründe gäbe. Dass man mit dem Betrag die WM "ins Land" geholt hat, dürfte vermutlich als Grund nicht ausreichen.

Was der DFB zu befürchten hat

Strafrechtlich steht für den DFB nichts auf dem Spiel, da gegen ihn als juristische Person kein Strafverfahren eröffnet werden kann. Dafür käme durchaus eine zivilrechtliche Haftung in Betracht, wenn es durch das Verhalten der Funktionäre finanziell geschädigte Personen gibt. Diese hätten dann unter Umständen Schadensersatzansprüche.

Nach § 31 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) ist ein Verein für einen Schaden verantwortlich, den der Vorstand, oder ein Mitglied des Vorstands Dritten zufügt. Möglich wäre auch, dass ein Bußgeld bis zu 10 Millionen Euro nach § 30 des Ordnungswidrigkeitengesetzes (OWiG) erhoben wird.

Das wäre dann möglich, wenn der Vorstand oder ein Mitglied des Vorstands eine Straftat begeht und dadurch die Pflichten des DFB verletzt oder den DFB bereichert hat.

Kaiser Franz kann sich nicht sicher sein

Der Franz wird's schon richten, hieß es früher nonchalant. Mittlerweile ist man sich dessen nicht mehr so sicher. Allem Anschein nach ist Franz Beckenbauer, einstiger Chef des Organisationskomitees der WM 2006, eine Schlüsselfigur bei der skandalumwitterten Vergabe des Turniers.

War er der Nutznießer der 6,7 Millionen Euro?

Beckenbauer soll dafür gesorgt haben, dass der inzwischen verstorbene frühere Adidas-Chef Robert-Louis Dreyfus aus seinem Privatvermögen 6,7 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat. Dieses Geld soll dann an die FIFA geflossen sein. Viel sagt der "Kaiser" selbst nicht dazu und hofft offenbar stattdessen, dass das Schicksal ihm weiter wohlgesonnen bleibt.

Die Staatsanwaltschaft räumt ein, dass im Hinblick auf die Steuerhinterziehung nicht gegen Beckenbauer ermittelt wird. Ob dieser allerdings nicht doch weiß oder wissen könnte, was mit den besagten 6,7 Millionen Euro passiert ist und endlich Licht in die Sache bringen könnte: Schaun mer mal.

Personelle Konsequenzen

Wie kann es sein, dass sich ein Märchen, das ein Land förmlich in Ekstase versetzte, als ganz großer Schwindel entpuppt? Das Image des Fußballverbands ist angekratzt, das Vertrauen hat einen Knacks bekommen. Zieht man Schlüsse aus dem FIFA-Korruptionsskandal, ist es nicht unwahrscheinlich, dass nun auch beim DFB einige Köpfe rollen werden. Feststeht, dass jetzt Handeln angesagt ist. Wenn Fairplay nicht nur auf dem Rasen eine Rolle spielen soll, ist für einige Protagonisten die Zeit zum Abpfiff gekommen.