Sonntag, 25. August 2019

Trotz vergreisender Gesellschaft Deutsche wollen nicht später in Rente

Ruhestand: So sportlich lässt sich der Ruhestand aushalten. Ein Modell, dass Begehrlichkeiten weckt - die Deutschen wollen nicht länger arbeiten.

Während Politiker gern einer Erhöhung der Lebensarbeitszeit das Wort reden, stellen sich die Bundesbürger stur - und würden am liebsten bereits vor dem aktuellen Renteneintrittsalter in den Ruhestand gehen.

Berlin - Angesichts des drohenden Fachkräftemangels hat Handwerkspräsident Otto Kentzler einen Renteneintritt erst ab 70 ins Gespräch gebracht. "Wer kann, soll bis 70 arbeiten", sagte Kentzler laut Vorabbericht vom Samstag dem Nachrichtenmagazin "Focus". Viele Ältere seien fit. "Selbst wenn sie nur halbe Tage arbeiten, ihre Erfahrung kann uns helfen", sagte Kentzler mit Blick auf den auch wegen der Alterung der Bevölkerung befürchteten Fachkräftemangel.

Einzelne Betriebe müssten heute schon Aufträge ablehnen, weil ihnen die Fachkräfte fehlten, sagte Kentzler dem "Focus". Die Handwerksbetriebe müssten sich deshalb noch stärker als moderne und technologiegetriebene Arbeitgeber präsentieren, um für Schulabgänger attraktiv zu sein. Für den Nachwuchs sieht der Handwerkspräsident goldene Zeiten aufziehen: "Wer nicht auf den Kopf gefallen ist, bekommt auf alle Fälle eine Anstellung. Die nächste Generation kann im Prinzip von Vollbeschäftigung ausgehen".

Trotz der nüchternen Überlegungen - allein die Rente mit 67 stößt einer Umfrage zufolge bei den deutschen Arbeitnehmern weiterhin auf wenig Gegenliebe. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfK im Auftrag der "Welt am Sonntag" hervor. So würden etwa 87 Prozent der Bundesbürger am liebsten aufhören zu arbeiten, bevor sie 65 Jahre alt sind. Lediglich knapp 7 Prozent können sich hingegen vorstellen, bis zur künftig vorgesehenen Altersgrenze von 67 Jahren erwerbstätig zu bleiben.

Mehr als die Hälfte würde gern vor dem 60. Geburtstag aufhören

Gut 53 Prozent der Deutschen würden demnach gern vor dem 60. Geburtstag aufhören zu arbeiten - vorausgesetzt, dass damit keine finanziellen Auswirkungen verbunden sind. Auffällig ist der Umfrage zufolge allerdings auch: Selbst wenn Geld überhaupt keine Rolle spielte, würden nur knapp 10 Prozent der Befragten noch vor dem 49. Lebensjahr in Rente gehen wollen.

"Der Spaß an der Arbeit ist bei den Deutschen also durchaus ausgeprägt", sagte der für die Umfrage verantwortliche GfK-Mitarbeiter Klaus Hilbinger. Das Wunschrentenalter liegt für die meisten demnach zwischen 55 und 64 Jahren.

Regional ist dies unterschiedlich ausgeprägt: So gaben 38 Prozent der befragten Süddeutschen ihr Wunschrentenalter mit 60 bis 64 Jahren an. Die Mehrzahl der Norddeutschen sieht das optimale Renteneintrittsalter hingegen eher bei 55 bis 59 Jahren.

Die Rente mit 67 soll bis 2030 schrittweise eingeführt werden. Vergangenes Jahr lag das durchschnittliche Renteneintrittsalter der Männer bei 61,2 Jahren, Frauen gingen im Schnitt mit 61 Jahren in Rente. Das waren die höchsten Werte seit mehr als 20 Jahren. Für die repräsentative Erhebung wurden den Angaben zufolge rund 1000 Frauen und Männer ab 14 Jahren zwischen dem 19. und 26. Juli befragt.

got/dpa/afp

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