Trotz des Ukraine-Krieges Deutsche Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs

Die deutsche Wirtschaft bleibt trotz des Krieges in der Ukraine im Wachstumsmodus. Der Einkaufsmanager-Index für die Privatwirtschaft signalisiert weiterhin Wachstum. Ökonomen hatten einen deutlichen Rückgang erwartet. Der weitere Verlauf hängt nun von der Energieversorgung ab.
Wenig Schwung verloren: Wirtschaft bleibt trotz Ukraine-Krieg stabil

Wenig Schwung verloren: Wirtschaft bleibt trotz Ukraine-Krieg stabil

Foto: FOCKE STRANGMANN / EPA

Die deutsche Wirtschaft hat nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine überraschend wenig Schwung verloren. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft – Industrie und Dienstleister zusammen – fiel im März um 1,0 auf 54,6 Punkte. Das viel beachtete Konjunkturbarometer hielt sich aber klar über der Marke von 50, ab der es Wachstum signalisiert, wie S&P Global zu der am Donnerstag veröffentlichten monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte. Ökonomen hatten einen stärkeren Rückgang auf 53,7 Zähler erwartet.

Entwarnung geben Fachleute trotz der überraschend guten Lage vier Wochen nach Kriegsbeginn aber nicht. "Ob das so bleibt, hängt davon ab, ob russisches Öl und Gas weiter fließen oder es zu einer Energiekrise kommt, die die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen würde", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer (55). Zudem hat sich das Problem mit den Lieferketten bereits verschärft, was den Aufschwung bremsen dürfte. "Schon jetzt merken insbesondere Industrieunternehmen, dass Produktionsteile fehlen", sagte Konjunkturanalyst Christoph Swonke von der DZ Bank.

Auch die Wirtschaft der Euro-Zone hat nicht so stark an Fahrt verloren wie erwartet: Hier sank der Einkaufsmanagerindex um 1,0 auf 54,5 Punkte. Ökonomen hatten einen stärkeren Rückgang auf 53,9 Zähler erwartet. "Wären die Lockerungen der Corona-Eindämmungsmaßnahmen nicht so stark ausgefallen wie nie seit Beginn der Pandemie, hätte sich das Wirtschaftswachstum im März noch deutlich stärker abgekühlt", sagte S&P-Global-Experte Chris Williamson. "Die Unternehmen selbst stellen sich auf ein schwächeres Wirtschaftswachstum ein, wobei die Geschäftsaussichten regelrecht eingebrochen sind."

Mit Spannung erwartet wird der Ausgang der Umfrage des Ifo-Instituts unter 9000 Managern, die am Freitag veröffentlicht wird: Der wichtigste Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft dürfte um 4,7 auf 94,2 Zähler einbrechen, sagen von Reuters befragte Ökonomen voraus.

Führende Institute haben nach Ausbruch des Krieges am 24. Februar ihre Konjunkturprognosen für Deutschland stark gesenkt. "Wir erwarten in diesem Jahr nur noch zwischen 2,2 und 3,1 Prozent Wachstum", sagte etwa Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser (50). Zuvor hatten die Münchner Ökonomen noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,7 Prozent gerechnet. "Die russische Attacke dämpft die Konjunktur über deutlich gestiegene Rohstoffpreise, die Sanktionen, zunehmende Lieferengpässe bei Rohmaterialien und Vorprodukten sowie erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit", hieß es nun.

sio/reuters