Dienstag, 21. Mai 2019

Dauerbaustelle Deutsche Bahn Pofallas Engpass-Management - da müssen wir jetzt durch

Ronald Pofalla: Einst Krisenmanager für Angela Merkel, jetzt in gleicher Funktion bei der Bahn (Bild Archiv)

Einst Krisenmanager im Kanzleramt, führt Ronald Pofalla seit 2017 das wichtige Vorstandsressort Infrastruktur bei der Deutschen Bahn. An Krisenherden fehlt es dem Staatsunternehmen bekanntlich nicht. Hier kann sich der bei der Bahn mit großer Machtfülle ausgestattete Pofalla beweisen.

Doch hat sich unter Pofalla, der insgeheim schon als Nachfolger für den blassen und angezählten Bahn-Chef Richard Lutz gehandelt wird, substantiell etwas verbessert? Viele Bahnkunden dürften das verneinen. Tatsächlich ist die Verspätungsquote auf historischem Höchststand: Jeder vierte Fernzug (25,1 Prozent) der Bahn war im vergangenen Jahr verspätet.

Krisenmanager Pofalla glaubt nun die zentrale Ursache dafür gefunden zu haben. Nicht etwa garstige Lokführer oder ausfallende Züge, sondern vielmehr das völlig überlastete und sanierungsbedürftige Schienennetz der Bahn sei vor allem dafür verantwortlich.

Eine Auslastung von 140 Prozent gebe es auf einzelnen Abschnitten, zitieren "FAZ" und "WAZ" Pofalla aus einer Pressekonferenz - der nicht nur Herrscher über Netz, Bahnhöfe und Bahnbau ist, sondern auch über die 10.000 Menschen starke Servicetochter.

140 Prozent? Schwer vorzustellen ist das, wo doch schon die durchschnittliche Auslastung der Schiene von 90 Prozent die Bahn zu überfordern scheint und schließlich eine Pünktlichkeitsquote von erbärmlichen 74,1 Prozent dabei herauskommt.

Es gibt aber Abschnitte im Netz, da ist sprichwörtlich der Zug-Teufel los. Staut es sich, strahlte das auf weite Teile des Netzes aus - und immer mehr Bahnkunden erreichten dann ihren Anschluss-Zug nicht.

Aha, so also muss man sich das mit der Pünktlichkeitsquote vorstellen.

Der quer durch das Ruhrgebiet laufende Streckenabschnitt Dortmund-Köln sei zum Beispiel so eine 140-Prozent-Passsage. Dort wolle die Bahn nun ein so genanntes "Engpass-Management" erproben. So sollen verspätete Züge pünktliche Züge nicht mehr blockieren und den Fahrplan noch stärker aus den Fugen bringen.

Wie das geht? Die unpünktlichen Züge fahren einfach schneller, kündigt Pofalla an.

Gute Idee.

Oder langsamer, sagt Pofalla.

Wie, noch langsamer?

Oder sie werden umgeleitet, schlägt Pofalla vor.

Klar, dann ist ja eh alles zu spät. Besser noch, Pofalla lässt die Wagen einfach abkoppeln und aufs nebenliegende Abstellgleis stellen. Warum dann nicht gleich mit dem Taxi Bonuspunkte bei der Bahn sammeln?

Die Erprobung des neuen "Engpass"-Managements will sich Pofalla jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag kosten lassen - ein Taubenklecks auf die Schiene im Vergleich zu dem, was die bis zu 800 gleichzeitigen (sic!) Baustellen der Bahn in diesem Jahr verschlingen sollen. Nämlich fast 11 Milliarden Euro. So viel Geld hat die Bahn selbstverständlich nicht übrig. Aber der Pofalla versteht sich aufs Geldbeschaffen und hat ja immer noch einen guten Draht ins Kanzleramt.

Dem leidenschaftlichen Bahnfahrer und Steuerzahler mag da schon wieder der Puls hochgehen. Doch da ziehen wir jetzt mal die Notbremse: Es ist nur zu unserem Besten. Da müssen wir jetzt durch - durch die 800 Baustellen.

Am Jahresende dürfte sich dann die Pünktlichkeitsquote wohl nochmal halbiert haben. Aber soooo wichtig ist das nun ja auch wieder nicht. Jedenfalls nicht den mittlerweile reichhaltig vertretenen Abgeordneten des staatlichen Eigentümers im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn. Dass das einst formulierte aber nie erreichte Ziel von 85 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr erst 2030 erreicht werden soll, stört sie ganz offensichtlich nicht.

Engpass-Management hin oder her. Das zeugt von großer Gelassenheit. Die werden Bahn-Kunden in diesem Jahr ganz sicher brauchen.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung