Sonntag, 15. Dezember 2019

Ökonomischer 10-Punkte-Plan zu Flüchtlingsstrom Eine ehrliche Rechnung zu den Flüchtlingen

Ankunft in Deutschland: Eine Familie aus Syrien begibt sich am Bahnhof in Rosenheim auf den Weg zur Registrierungsstelle

3. Teil: Wann sich Flüchtlinge ökonomisch rechnen - und wann nicht

Machen wir ein Gedankenexperiment. Nehmen wir an, von einer Million Zuwanderern sind 500.000 zukünftige Leistungsträger, die vollständig für sich allein sorgen können und Beiträge für unser Steuer- und Sozialsystem leisten. Die anderen 500.000 werden hingegen aufgrund verschiedener Gründe wie Bildung, Motivation und Integrationsbereitschaft auf Dauer von Transferleistungen abhängig bleiben.

Die 500.000 Leistungsträger würden, wenn wir ein Facharbeitergehalt von (sehr großzügigen) 80.000 Euro pro Kopf ansetzen, 40 Milliarden Euro zusätzliches Bruttoinlandsprodukt (BIP) erwirtschaften und davon rund 16 Milliarden an Steuern und Sozialabgaben leisten. Die 500.000 Transferempfänger würden angenommene 25.000 Euro pro Kopf kosten, was in Summe 12,5 Milliarden Euro ausmacht. Bei dieser Mischung wäre der Effekt der Migration trotz der zusätzlichen Kosten positiv.

Bei einem Verhältnis von 70:30 sähe die Rechnung deutlich besser aus: Zusätzlichen Einnahmen von rund 20 Milliarden Euro stünden nur noch Kosten von rund 7,5 Milliarden gegenüber. Allerdings gilt dies auch umgekehrt: Sind nur 30 Prozent Leistungsträger dabei, sinken die Einnahmen auf rund 10 Milliarden Euro und die Ausgaben stiegen auf 17,5 Milliarden.

Entscheidend ist für uns also, den Anteil der Produktiven hoch und den Anteil der Unproduktiven gering zu halten. Ich fürchte, dass ein Verhältnis von 50:50 viel zu optimistisch ist.

Nun kann man gegen diese Rechnung einwenden, dass die Zahlen immer noch so gering sind, dass sie in einem reichen Land wie Deutschland keine Rolle spielen. Das stimmt. Setzt sich die Migration jedoch in derzeitigem Tempo fort, werden die Dimensionen deutlich größer. Bei angenommenen 5 Millionen Migranten und einem Verhältnis von 30 zu 70 beliefen sich die jährlichen Nettokosten für unsere Volkswirtschaft auf 38 Milliarden Euro pro Jahr. Auf einen Zeithorizont von dreißig Jahren gerechnet, liegen wir bei über einer Billion Euro. Also fast dem Betrag, den uns die Wiedervereinigung zwischen 1990 und 2010 gekostet hat.

Dabei sind unsere Taschen nicht unendlich tief. Zum einen die bereits erwähnten Kosten für die alternde Gesellschaft, für die keine Rückstellungen gebildet wurden, in Höhe von mindestens 400 Prozent des BIP. Zum anderen die Kosten der Energiewende, die ebenfalls auf bis zu eine Billion Euro geschätzt werden und die finanziellen Folgen der Solidarität im Euroraum, die ebenfalls bei mindestens einer Billion Euro liegen dürften. Zählen wir noch den Rückstau an Investitionen in die öffentliche Infrastruktur hinzu, können wir getrost eine weitere Billion zu den Lasten addieren.

Spätestens jetzt dürfte klar sein, dass auch Deutschland mit den finanziellen Mitteln intelligent umgehen muss. Auch mit Blick auf die Flüchtlingswelle.

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