Samstag, 28. März 2020

Ökonomischer 10-Punkte-Plan zu Flüchtlingsstrom Eine ehrliche Rechnung zu den Flüchtlingen

Ankunft in Deutschland: Eine Familie aus Syrien begibt sich am Bahnhof in Rosenheim auf den Weg zur Registrierungsstelle

2. Teil: Wir argumentieren derzeit ökonomisch faktenfrei

Wir müssen in der Diskussion um Migration sehr deutlich zwischen Flüchtlingen - eigentlich Vertriebenen -, die aus Angst um ihr Leben und vor gewaltsamer Unterdrückung fliehen, und jenen unterscheiden, die aus rein wirtschaftlichen Gründen kommen, einfach weil ihr Leben im Heimatland wenig an Perspektiven bietet.

In letztere Kategorie fällt sicherlich die Mehrheit der Zuwanderer aus den Balkanstaaten, in die erste Kategorie fallen die Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien, dem Irak oder aus Eritrea und Afghanistan. Krieg ist ein grundsätzlich anderes Bedrohungsszenario als die längerfristigen Probleme der Armut oder Perspektivlosigkeit - unabhängig davon, dass wir alles für die Verbesserung der Lebensverhältnisse tun müssen, letztlich auch, um dadurch Kriege zu verhindern.

Aus ökonomischer Sicht ist in der Migrationsfrage eine andere Unterscheidung von Bedeutung: Wie hoch ist der Anteil der Zuwanderer, die in Zukunft einen Beitrag zur Sicherung unseres Wohlstandes leisten, und wie viele der Zuwanderer werden auf Dauer von Sozialleistungen und Unterstützung leben müssen, also jener Teil, den der Publizist Henrik M. Broder in einem Kommentar kürzlich als zukünftiges "Lumpenproletariat" charakterisierte? Für diesen Teil der Zuwanderer wird sich die Hoffnung auf ein besseres Leben in Deutschland nicht erfüllen, weil sie in unserer Gesellschaft nicht ankommen und von vorn herein an den Rand gedrängt werden.

Gefunden in
"Beyond the obvious"


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Verlässliche Zahlen zu dieser Verteilung sind nicht zu bekommen. Diese Unklarheit muss beseitigt werden, sonst entsteht in den breiteren Gesellschaftsschichten eine zunehmende Unzufriedenheit beim Thema Zuwanderung. Denn wo verlässliche Information fehlt, können leicht Behauptungen aufgestellt werden. Da sehen die Optimisten einen höheren Akademikeranteil als in der Breite der deutschen Gesellschaft, die Pessimisten betonen hingegen den hohen Anteil an Ungebildeten und Analphabeten. Schnell entsteht der Eindruck, dass niemand mit Fakten arbeitet, sondern versucht wird, der Diskussion einen "Spin" zu geben, der in das politisch Gewünschte passt.

Vermutlich stimmt beides - ich schreibe vermutlich, weil ich es auch nicht besser weiß als andere. Es dürfte eine gut gebildete Elite kommen, die sich sehr gut in den Arbeitsmarkt einer Industriegesellschaft integrieren lässt und fähig und bereit ist, einen Beitrag zur Sicherung unseres Wohlstands zu leisten. Es dürfte aber auch eine große Zahl jener kommen, die dies eben nicht können. Was aber ist, wenn die Mitte fehlt? Jene, die in Deutschland als Facharbeiter die wahre Stütze der Wirtschaft sind.

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