Mehr als 1000 Neuinfektionen pro Tag "Eine zweite Corona-Welle unbedingt verhindern"

Erstmals seit Mai zählt das Robert-Koch-Institut wieder mehr als 1000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland. Die Wirtschaft fürchtet eine "zweite Welle" - viele Firmen würden diese nicht mehr überstehen. Derweil gilt jetzt eine Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten.
Auf zum Pflicht-Test: Wer in Risikogebiete reist, bekommt vom Steuerzahler einen Test spendiert

Auf zum Pflicht-Test: Wer in Risikogebiete reist, bekommt vom Steuerzahler einen Test spendiert

Foto: WOLFGANG RATTAY/ REUTERS

Die deutsche Wirtschaft fürchtet angesichts wieder steigender Neuinfektionen eine zweite Corona-Welle. "Die steigenden Infektionszahlen machen uns große Sorgen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth (56), am Donnerstag. "Eine zweite Welle muss unbedingt verhindert werden."

Das Robert-Koch-Institut hatte zuvor erstmals seit Mai wieder mehr als 1000 Neuinfektionen an einem Tag gemeldet. Schon der bisherige Verlauf der Pandemie habe viele Nicht-Lebensmittelhändler an den Rand der Insolvenz gebracht. "Eine zweite Welle würden viele dieser Händler wirtschaftlich nicht überstehen, eventuell zuvor vorhandene Finanzreserven sind aufgebraucht", warnte Genth. "Erneut sinkende Kunden- und Umsatzzahlen sind nicht verkraftbar." Wenn es wieder zu einem Lockdown mit Ladenschließungen käme, würden das viele Unternehmen nicht mehr stemmen können.

Die Bundesregierung verschärft unterdessen die Schutz- und Hygienemaßnahmen im Kampf gegen das Virus. Einreisende aus internationalen Corona-Risikogebieten müssen sich von diesem Samstag an bei der Rückkehr nach Deutschland auf das Virus testen lassen. Das ordnete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) an, wie er am Donnerstag in Berlin mitteilte. Der Test ist für die Betroffenen kostenlos und wird vom Steuerzahler finanziert - während Bürger, die nicht in Risikogebiete reisen und sich testen lassen wollen, dafür selbst zahlen müssen.

Hotelbranche drängt weiterhin auf "konsequente Schutzmaßnahmen"

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sieht ebenfalls große Risiken im Fall einer zweiten Welle. "Wir sind alle gut beraten, die Dinge jetzt nicht zu dramatisieren und eine zweite Welle herbeizureden. Aber wir müssen das sehr ernst nehmen", sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges (61) zu Reuters. "Corona ist nicht besiegt. Solange müssen wir die Schutzmaßnahmen weiter konsequent umsetzen." Nur so könne die seit Mitte Mai gewonnene Freiheit des Ausgehens und des Reisens erfolgreich verteidigt werden. Auch der Handel appelliert an alle Kunden, die Corona-Regeln zu beachten. "Maske tragen, Abstand wahren und die Hygienemaßnahmen einhalten - das muss jetzt erste Bürgerpflicht sein", sagte Hauptgeschäftsführer Genth.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) betonte, dass die Unternehmen noch immer mit den wirtschaftlichen Folgen des letzten Lockdowns kämpften. "Alle Indikatoren deuten darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft die Corona-Krise noch nicht überwunden hat", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Die Unternehmen versuchten, der Krise zu trotzen und ihren Betrieb mit vielfältigen Maßnahmen aufrechtzuerhalten. "Sie setzen allerdings auch darauf, dass die wirtschaftliche Erholung durch künftige, unter Umständen notwendige Maßnahmen nicht wieder ausgebremst wird", sagte Wansleben. 

la/dpa/reuters
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