Montag, 1. Juni 2020

Coronavirus und die Folgen US-Notenbank befürchtet weitere Corona-Wellen

Fed-Chef Jerome Powell
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Fed-Chef Jerome Powell

  • In Deutschland verzeichnet das Robert Koch Institut 797 Neuinfektionen.
  • Weltärztepräsident fordert eine allgemeine Impfpflicht zum Schutz gegen das neuartige Coronavirus.
  • Die Bundesregierung

21.00 Uhr - Die US-Notenbank Fed befürchtet den Protokollen der jüngsten Sitzung von Ende April zufolge weitere Wellen der Coronavirus-Epidemie. Eine Reihe von Teilnehmern sehe "kurz- oder mittelfristig eine substanzielle Wahrscheinlichkeit von zusätzlichen Wellen des Ausbruchs", heißt es in den am Mittwoch veröffentlichten Mitschriften. Die Fed hatte angekündigt gegen die von der Krise ausgelöste Rezession alles in die Waagschale zu werfen. Die Währungshüter hatten Ende April zwar den Leitzins in der Spanne von null bis 0,25 Prozent belassen. Sie gelobten zugleich, die gesamte Bandbreite der Instrumente zur Stützung der Wirtschaft zu nutzen. Die Notenbank werde sie "kraftvoll, vorausschauend und aggressiv" einsetzen, hatte Fed-Chef Jerome Powell damals in einer Videokonferenz nach dem Beschluss gesagt.

20.30 Uhr - Athen wird in den nächsten Monaten Unternehmen sowie Arbeitnehmern mit 24 Milliarden Euro unter die Arme greifen und seinen Tourismus neu starten. Dies teilte am Mittwoch der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis im Staatsfernsehen mit. Das Motto sei: "Arbeitsplätze erhalten, Senkung der Steuern, Stärkung der unternehmerischen Tätigkeit", sagte Mitsotakis.

Der wichtigste Wirtschaftsbereich des Tourismus werde am 1. Juli wieder in vollem Umfang neu starten. Die ersten Hotels sollen bereits am 15. Juni aufmachen. Griechenland wird in den nächsten Tagen die Länder bekanntgeben, deren Bürger nicht unter Quarantäne gestellt werden brauchen. Deutschland, die baltischen Staaten, Israel, Zypern und einige Balkanstaaten werden unter diesen Staaten sein, teilte der griechische Tourismusminister Charis Theocharis mit. Zunächst werden diese quarantänefreien Flüge nur nach Athen ab dem 15. Juni möglich sein. Ab dem 1. Juli werde es dann auch Flüge aus dem Ausland zu den griechischen Inseln und anderen Ferienregionen Griechenlands geben, hieß es.

19.00 Uhr - Die britische Notenbank nimmt in der Corona-Krise keine geldpolitische Option vom Tisch. Auch negative Leitzinsen werden prinzipiell nicht ausgeschlossen, wie Zentralbankchef Andrew Bailey am Mittwoch im britischen Parlament während einer Anhörung sagte. Man schließe bestimmte Schritte nicht grundsätzlich aus, weil das unklug wäre, sagte Bailey. Das bedeute andererseits aber auch nicht, dass bestimmte Schritte verstärkt in Erwägung gezogen würden.

Seit einigen Wochen herrscht an den Finanzmärkten eine Debatte vor, ob einige große Zentralbanken ihren Leitzins in der Corona-Krise unter die Nullgrenze senken könnten. Neben der Bank of England betrifft die Diskussion die US-Notenbank Fed. Während diese einen solchen Schritt bisher recht eindeutig ausschließt, gibt sich die britische Notenbank flexibler.

Ausgedient: Ein A380 von Air France.

18.40 Uhr - Die angeschlagene Fluggesellschaft Air France-KLM stellt wegen der Corona-Krise den Betrieb seiner A380-Flotte ein. Die Flotte sei derzeit am Boden und werde nicht wieder fliegen, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Mittwoch. Die Ausmusterung des größten Passagierjets der Welt war ursprünglich für 2022 vorgesehen. Air France-KLM hat insgesamt neun A380-Jets in seiner Flotte, einige davon sind im Besitz der Airline, andere geleast, hieß es in einer Mitteilung. Airbus hatte bereits Anfang 2019 das Ende der Produktion des A380 mangels Nachfrage verkündet.

Die Jumbojets sollen durch Flugzeuge der neuen Generation ersetzt werden - darunter der Airbus-Jet vom Typ A350 und der Boeing -Langstreckenjet 787. Die entsprechenden Auslieferungen dauerten noch an, hieß es. Die Ausmusterung diene dazu, die Flotte mit moderneren, leistungsfähigeren Flugzeugen mit deutlich verringerter Umweltbelastung wettbewerbsfähiger zu machen.

18.00 Uhr - Die Aktien von Lufthansa haben nachbörslich mit deutlichen Kursgewinnen auf den Bericht des SPIEGEL zur Rettung der Fluggesellschaft (siehe unten) reagiert. Sie sprangen auf der Handelsplattform Tradegate zuletzt um 4,5 Prozent auf 8,29 Euro hoch. Aus dem Xetra-Börsenhandel waren sie zuvor mit einem Verlust von 1,3 Prozent gegangen.

17.45 Uhr - Das wochenlange Ringen um einen Einstieg des Staates bei Lufthansa Börsen-Chart zeigen hat angeblich ein Ende. Einem Bericht des SPIEGEL zufolge hat es eine politische Einigung auf höchster Ebene gegeben, bei der die umstrittenen Modalitäten der Staatsbeteiligung geregelt worden sind. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) haben den Kompromiss heute erzielt, so der Bericht.

Die Einigung soll vorsehen, dass der Bund sich mit 25 Prozent plus einer Aktie an der wirtschaftlich schwer angeschlagenen Airline beteiligt und ihr darüber hinaus weiteres Kapital bereitstellt. Zwei Aufsichtsräte sollen demnach von der Bundesregierung besetzt werden. Insgesamt dürfte sich die Beteiligung auf neun Milliarden Euro addieren, so der SPIEGEL. Ein Vertreter im Rang eines Staatssekretärs solle das Kompromissergebnis nun kurzfristig dem Lufthansa-Management vorstellen.

Für die US-Ratingagentur S&P sind Anleihen der Fluggesellschaften Lufthansa indes nur noch "Ramsch". Das Institut stufte am Mittwoch in einer Sektorbetrachtung die Bewertung des Unternehmens wie auch des Wettbewerbers IAG um eine Stufe auf 'BBB-'. Trotzdem will die Agentur die Fluggesellschaften auf weitere Abstufungen prüfen. Auch die Bewertung von Easyjet und Ryanair wurde um eine Stufe gesenkt. Anleihen im "Ramsch"-Bereich sind nur noch für spekulativ eingestellte Investoren interessant.

17.30 Uhr - In einem Logistikzentrum des Online-Händlers Amazon im niedersächsischen Winsen an der Luhe sind 53 Corona-Infektionen festgestellt worden. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung in Hannover auf eine Anfrage der Grünen hervor. Die Angaben beziehen sich auf den Zeitraum vom 16. März bis 29. April. Amazon zufolge sind im Mai keine weiteren Fälle hinzugekommen. Insgesamt sind an dem Standort rund 1800 Menschen beschäftigt.

Ein Amazon-Sprecher teilte am Mittwoch auf Anfrage mit, das Unternehmen tue alles, um die Mitarbeiter "so weit wie möglich zu schützen". Im Zuge der Corona-Krise seien mehr als 150 Prozesse in der Logistik angepasst worden: "Nichts ist uns wichtiger als die Gesundheit und das Wohlergehen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter." manager magazin hatte bereits im April über Amazons Corona-Problem am Standort Winsen berichtet.

17.00 Uhr - Die Corona-Krise hat Heidelberger Druckmaschinen im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust eingebrockt. Wie der SDax-Konzern am Mittwoch auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte, beeinträchtigte die Zurückhaltung bei Investitionen vor allem in Europa das Geschäft.

Der Verlust lag im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/2020 (bis 31. März) unter dem Strich bei 343 Millionen Euro. Vor einem Jahr stand an dieser Stelle noch ein Plus von 21 Millionen Euro. Der Umsatz sank um rund 6 Prozent auf 2,35 Milliarden Euro. Der Umsatz habe im vierten Quartal wegen der Pandemie signifikant unter dem des Vorjahreszeitraums gelegen, hieß es. Aber auch Kosten für die Neuausrichtung des Konzerns wirkten sich negativ auf das Ergebnis aus.

16.30 Uhr - Sommerurlaub trotz Corona-Krise - die Bundesregierung macht Hoffnung, dass das klappen könnte. Er sehe "gute Chancen, dass die Menschen im Sommer in ihre liebsten europäischen Urlaubsregionen reisen können", sagte der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, am Mittwoch am Rande einer Videokonferenz der zuständigen EU-Minister. Zugleich stellte der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium klar, dass der Urlaub in diesem Jahr anders werden wird als sonst. "Wir werden mit Einschränkungen leben müssen." Abstands- und Hygieneregeln müssten konsequent eingehalten werden.

Stahlarbeiter bei der Salzgitter AG: Der Konzern ächzt ebenfalls unter der Corona-Belastung.

15.30 Uhr - Der Stahlkonzern Salzgitter will wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie in diesem Jahr erstmals seit dem Börsengang 1998 keine Dividende ausschütten. Die wirtschaftlichen Aktivitäten des Konzerns seien angesichts der Krise erheblich eingeschränkt, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Salzgitter mit. Deshalb sei der ursprüngliche Vorschlag inzwischen nicht mehr angemessen. Aktionäre sollten ursprünglich noch 20 Cent je Aktie erhalten, deutlich weniger als die 55 Cent ein Jahr zuvor.

Zudem verschiebt Salzgitter seine für den 28. Mai geplante Hauptversammlung auf den 8. Juli. Die Veranstaltung wird wegen der aktuellen Einschränkungen nur online stattfinden.

15.00 Uhr - Spekulationen über mögliche Standortschließungen beim Autohersteller Renault sorgen in Frankreich für Unruhe. "Das ist undenkbar", sagte der mächtige Chef der Gewerkschaft CGT, Philippe Martinez, am Mittwoch im Sender RTL. Er forderte eine veränderte Strategie für den Traditionshersteller, an dem der französische Staat zu 15 Prozent beteiligt ist.

Wie das Enthüllungsblatt "Le Canard Enchaîné" in seiner neuen Ausgabe berichtete, sind vier Standorte der Herstellers im Heimatland gefährdet, dazu gehöre auf längere Sicht auch die große Fabrik Flins im Pariser Großraum. Der Konzern nahm auf Anfrage zu dem Bericht keine Stellung.

14.30 Uhr - Investieren, investieren, investieren: Die EU-Staaten sollen in der Corona-Krise massiv Geld in ihre Gesundheitssysteme und den Erhalt von Jobs stecken, selbst wenn das tiefe Löcher in die Staatshaushalte reißt. Dies geht aus den am Mittwoch veröffentlichten wirtschaftspolitischen Empfehlungen der EU-Kommission hervor. Auch für Deutschland gilt demnach: Investitionen vorziehen und erst mittelfristig wieder auf solide Staatsfinanzen achten.

Die Kommission veröffentlicht regelmäßig gezielte Empfehlungen an alle EU-Staaten, um die Wirtschafts- und Finanzpolitik zu koordinieren und die Einhaltung von EU-Regeln zu überwachen. Diesmal stehen die Empfehlungen ganz im Zeichen der Corona-Krise. Sie sollen auch eine Rolle bei dem geplanten milliardenschweren Programm zur wirtschaftlichen Erholung spielen, das die Kommission nächste Woche präsentieren will.

13.30 Uhr - Wer wegen der Corona-Krise eine Pauschalreise nicht antreten kann, kann sein Geld zurückverlangen. Eine zuerst von der Bundesregierung geplante Gutschein-Lösung soll es nur noch als freiwillige Möglichkeit für Verbraucher geben. Das hat das Bundeskabinett am Mittwoch in Berlin beschlossen.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) appellierte gleichwohl an Betroffene, einen Gutschein zu akzeptieren: "Wer sich für einen Gutschein entscheidet, leistet auch einen wichtigen Beitrag dazu, die Vielfalt der Angebote und Dienstleistungen im Reisesektor zu erhalten."

10.30 Uhr - In den Läden gibt es wieder Toilettenpapier, Nudeln und passierte Tomaten: Diese Alltagsbeobachtung hat am Mittwoch das Statistische Bundesamt mit aktuellen Absatzzahlen zu einzelnen Produkten untermauert. Danach hat sich das Käuferverhalten in der 20. Kalenderwoche (11.-17. Mai) wieder weitgehend auf dem Vorkrisenniveau eingependelt. Die Zeit der Hamsterkäufe in der Corona-Pandemie scheint vorbei zu sein.

Der Auswertung zufolge waren die typischen Hamsterwaren Klopapier (minus 28 Prozent), Nudeln (minus 30 Prozent) und passierte Tomaten (minus 16 Prozent) deutlich weniger gefragt als im Durchschnitt der Monate August 2019 bis einschließlich Januar 2020. Die Statistiker gegen davon aus, dass die Nachfrage nach diesen Produkten zunächst gesättigt ist.

Weiterhin überdurchschnittlich gut verkaufen sich hingegen Seife (plus 38 Prozent) und Desinfektionsmittel (plus 152 Prozent), die zur Einhaltung der Hygienevorschriften benötigt werden. Zu den Corona-Gewinnern zählt auch weiterhin tiefgekühltes Obst, das in der beobachteten Kalenderwoche 49 Prozent über dem langmonatigen Schnitt lag. Weniger gefragt waren nach den ersten Lockerungen hingegen Wein (minus 21 Prozent) und Kondome (minus 13 Prozent).

10.00 Uhr - Die europäische Finanzmarktaufsicht ESMA befürchtet offenbar, dass Unternehmen bei ihrer Berichterstattung die Effekte der Corona-Krise zu oberflächlich abhandeln. In ihren Halbjahresberichten müssten die Konzerne relevante und verlässliche Informationen zu den Auswirkungen der Krise und den möglichen Folgen liefern, betont die Behörde. Insbesondere müssten sie darlegen, wenn die Krise existenzbedrohend sei. Die ESMA und die nationalen Aufseher würden genau beobachten, ob die Unternehmen den Empfehlungen Folge leisten und diese gegebenenfalls durchsetzen. In Deutschland legen die meisten Konzerne ihre Halbjahresberichte zwischen Mitte Juli und Mitte August vor.

09.00 Uhr - Die spanische Regierung schreibt das Tragen von Mund-Nasen-Schutzmasken in der Öffentlichkeit vor. Die Regelung gelte in dem schwer von der Corona-Krise getroffenen Land für alle Menschen mit einem Alter von über sechs Jahren. In geschlossenen öffentlichen Räumen müssen Masken getragen werden, im Freien gilt die Pflicht dann, wenn ein Mindestabstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann.

- Das Deutsche Kinderhilfswerk ruft Bund, Länder und Kommunen auf, Schulen und Kitas wieder vollständig zu öffnen. "Die bisherigen eingeschränkten Lockerungen führen dazu, dass nach wie vor sehr viele Kinder nicht in die Kita und nur sehr eingeschränkt in die Schule können", sagt Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes. Dies sei ein "schwerer Eingriff in ihre Lebenswelt, in ihre Grundrechte und ihre psycho-soziale Entwicklung". Eine Öffnung von Kitas und Schulen unter angemessenen Schutzvorgaben sei nun "der logische nächste Schritt". Vier medizinische Fachgesellschaften - die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene, die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin, die Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin und der Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte - hatten am Vortag ebenfalls eine Öffnung von Schulen und Kitas gefordert.

08.30 Uhr - Die Schließungen wegen der Corona-Pandemie haben drastische Umsatzeinbußen für das Gastgewerbe in Deutschland nach sich gezogen. Um fast die Hälfte brachen die Erlöse von Hoteliers und Gastwirten im März ein - sowohl im Vergleich zum Februar 2020 als auch zum Vorjahresmonat. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes gab es in allen Zweigen des Gastgewerbes die größten Umsatzeinbußen seit Beginn der Zeitreihen im Jahr 1994. Im Vergleich zum März 2019 brachen die Erlöse nach Angaben der Wiesbadener Behörde vom Mittwoch real um 45,4 Prozent ein, im Vergleich zum Februar 2020 fiel der Umsatz preisbereinigt um 44,6 Prozent.

797 Neuinfektionen in Deutschland
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797 Neuinfektionen in Deutschland

08.00 Uhr - Das Robert-Koch-Institut meldet 797 Neuinfektionen und damit den elften Tag in Folge weniger als 1000 neue Fälle. Damit steigt die Gesamtzahl der nachgewiesenen Ansteckungen in Deutschland auf 176.007, wie das RKI mitteilt. Die Zahl der Todesfälle legt binnen 24 Stunden um 83 auf 8090 zu. Die Zahl der nachweislich Genesenen liegt dem RKI zufolge bei etwa 156.900, rund 1200 mehr als am Vortag. Die in der US-Stadt Baltimore ansässige Johns-Hopkins-Universität (JHU) meldete 177.778 Infizierte und 8081 Tote. Die Zahl der Genesenen betrug etwa 156.900.

07.30 Uhr - Nach Irritationen über den künftigen Corona-Impfstoff und eine mögliche Bevorzugung der USA hat Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron zwei Spitzenvertreter des Pharmakonzerns Sanofi empfangen. Bei dem rund 45-minütigen Treffen waren Generaldirektor Paul Hudson, Präsident Serge Weinberg und auch Frankreich-Chef Olivier Bogillot dabei, wie Kreise des Élyséepalastes am Dienstag in Paris bestätigten. In dem Gespräch sei es primär um den Entwicklungsstand eines Impfstoffes gegangen, hieß es.

Die Sanofi-Chefs teilten demnach die Forderung Macrons, dass das Impfmittel ein globales öffentliches Gut sein müsse. Auch in der Ansicht, dass Europa eine stärkere Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich brauche, stimme man überein. Macron hatte diese erst am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gefordert. Die Sanofi-Gruppe fühle sich ihrer Präsenz in Frankreich verpflichtet, erklärten die Élyséekreise.

Topmanager Hudson hatte in der vergangenen Woche in Frankreich eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Anlass war ein Interview mit der US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg gewesen - dabei machte Hudson nach Agenturangaben deutlich, die USA hätten wegen früher Unterstützung der Forschung bei dem Impfstoff Vorrang.

07.00 Uhr - Die französischen Gesundheitsbehörden haben die Zahl der Toten in Folge einer Infektion mit dem Coronavirus leicht nach unten korrigiert. 28.022 Infizierte seien bisher gestorben, teilte die Gesundheitsagentur am Dienstagabend auf ihrer Webseite mit. Am Sonntag hatte das Gesundheitsministerium 28.108 Tote vermeldet. Der Unterschied basiere auf Anpassungen bei übermittelten Daten aus Alten- und sozialen Pflegeheimen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Die Zahlen waren bereits zuvor manchmal nachträglich angepasst worden, vor allem nach einem Wochenende.

06.30 Uhr - In der EU stimmen sich am Mittwoch die für Tourismus zuständigen Minister in einer Video-Konferenz zu Plänen ab, trotz Corona-Pandemie Urlaubsreisen im Sommer zu ermöglichen (14.00 Uhr). Grundlage sind Vorschläge der EU-Kommission, die eine "stufenweise" Öffnung der Grenzen vorsehen und Empfehlungen für Sicherheits- und Hygienemaßnahmen enthalten. Brüssel hatte zudem darauf gepocht, dass Urlauber bei stornierten Reisen die Wahl zwischen der Rückerstattung des Kaufpreises und einem Gutschein haben müssen. Mehrere EU-Urlaubsländer haben inzwischen bereits Grenzöffnungen angekündigt.

- Der durch seine Spenden-Sammelaktion für das britische Gesundheitspersonal zum Corona-Helden aufgestiegene Weltkriegsveteran Tom Moore soll in den Ritterstand erhoben werden. Premierminister Boris Johnson nominierte den 100-jährigen "Captain Tom" für den Ehrentitel, wie die Regierung in London am Dienstag mitteilte. Mit seiner Spendenaktion habe Moore "das ganze Land inspiriert", erklärte Johnson. Der Veteran sei ein "Leuchtfeuer im Nebel des Coronavirus". Formell wird die Ritterwürde von Königin Elizabeth verliehen, der Premierminister hat jedoch ein Vorschlagsrecht.

Der allgemein in Großbritannien als "Captain Tom" bezeichnete frühere Hauptmann hatte sich nach einer Hüft-OP vorgenommen, bis zu seinem 100. Geburtstag 100 Mal mit seinem Rollator seinen 25 Meter langen Garten abzuschreiten und sich dafür sponsern zu lassen. Er hoffte, auf diese Art 1000 Pfund zusammenzubekommen - doch die Aktion fand derart viel Zuspruch, dass Moore einen Millionenbetrag für den nationalen Gesundheitsdienst NHS zusammen bekam.

06.00 Uhr - Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hat eine allgemeine Impfpflicht zum Schutz gegen das neuartige Coronavirus gefordert. Wenn künftig ein Serum gegen das Virus zur Verfügung stehe und sich manche Bürger dann der Impfung verweigerten, stellten sie ein hohes Risiko für ihre Mitbürger dar, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden könnten, warnte Montgomery in den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwochsausgaben).

"Wir müssen deshalb möglichst viele Menschen impfen", sagte der Präsident des Weltärztebundes. Auch im Fall der Masern hatte sich Montgomery für die Impfpflicht eingesetzt, die seit März gilt. Die Bundesregierung strebt allerdings keine Impfpflicht im Kampf gegen das Coronavirus an.

05.00 Uhr - Nach dem Finanzierungsvorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron für ein Corona-Wiederaufbauprogramm warnt die CSU davor, die Ausweitung des EU-Haushalts als regelmäßige Finanzierungsquelle zu etablieren. "Es darf kein Präzedenzfall geschaffen werden", sagte der europapolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Florian Hahn (CSU) dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND, Mittwochsausgaben). "Das kann nur eine einmalige Lösung sein." Es müssten noch rechtliche Fragen geklärt werden, sagte Hahn.

- US-Präsident Donald Trump hat die Einnahme des Malaria-Medikaments Hydroxychloroquin zur Corona-Prophylaxe verteidigt. "Ich denke, es gibt einem ein zusätzliches Maß an Sicherheit", sagte Trump am Dienstag im US-Kongress vor Journalisten. "Das ist eine individuelle Entscheidung." Hydroxychloroquin sei ein erprobtes Medikament und schade nicht.

Trump hatte am Montag erklärt, er nehme seit etwa eineinhalb Wochen das Malaria-Präparat ein - obwohl es keine belastbaren wissenschaftlichen Belege für eine Wirksamkeit des Medikaments im Zusammenhang mit dem Coronavirus gibt. Das Mittel erhöht nach Angaben der US-Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) aber das Risiko lebensgefährlicher Herzrhythmus-Störungen. Eine Studie hatte bei Einnahme des Medikaments in Kombination mit einem Antibiotikum eine höhere Sterblichkeit bei Corona-Patienten festgestellt. Hier geht es zum Video, in dem Trump erklärt, das Mittel einzunehmen.

03.30 Uhr - China meldet nach Angaben der nationalen Gesundheitskommission fünf neue Coronavirus-Fälle binnen 24 Stunden, nach sechs einen Tag zuvor. Vier der neuen Fälle seien auf lokale Übertragungen zurückzuführen, einer stamme von einem sogenannten "importierten Fall", an dem ein Reisender aus Übersee beteiligt sei, so die Kommission in einer Erklärung. Die Gesamtzahl der Covid-19-Infektionen in China steigt nach offiziellen Angaben auf 82.965, die Zahl der Todesopfer bleibt unverändert bei 4634.

02.00 Uhr - Kolumbiens Präsident Ivan Duque verlängert zum vierten Mal die landesweite Ausgangssperre. Die Beschränkung gelte nun eine weitere Woche bis zum 31. Mai, erklärt Duque. Das Andenland hat nach offiziellen Angaben fast 17.000 bestätigte Coronavirus-Fälle und verzeichnet mehr als 600 Todesfälle. Der Gesundheitsnotstand des Landes, der am 31. Mai enden sollte, werde zudem bis Ende August verlängert, fügt Duque hinzu.

01.00 Uhr - US-Präsident Donald Trump ordnet an, dass die Regulierung der Wirtschaft zurückgefahren wird. Er habe die Behörden angewiesen, "unnötige Vorschriften zu beseitigen, die die wirtschaftliche Erholung behindern", sagt Trump. Das Dekret soll seiner Ansicht nach der Wirtschaft helfen, sich von den Auswirkungen der Coronaviruskrise zu erholen.

00.45 Uhr - Brasilien verzeichnet nach offiziellen Angaben einen neuen Negativrekord von 1179 Todesfällen binnen 24 Stunden. Die Zahl der Todesopfer vom Dienstag ist das erste Mal, dass Brasilien mehr als 1000 Tote an einem Tag registriert. Insgesamt sind laut Gesundheitsministerium 17.971 Menschen an den Folgen von Covid-19 gestorben. Die Zahl der bestätigten Fälle steigt um 17.408 auf 271.628.

00.30 Uhr - Die USA verlängern die Reisebeschränkungen nach Mexiko und Kanada um weitere 30 Tage. "Nicht-wesentliche Reisen werden erst dann erlaubt sein, wenn die Regierung davon überzeugt ist, dass es sicher ist", teilt das US-Heimatschutzministerium mit. "Wir stehen mit unseren kanadischen und mexikanischen Kollegen in Kontakt und sind uns einig, dass die Verlängerung dieser Beschränkungen zu diesem Zeitpunkt das Richtige ist." Die Reisebeschränkungen sollten ursprünglich am Mittwoch aufgehoben werden, sie gelten nun bis zum 22. Juni.

mit Agenturen

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