Sieben-Tage-Inzidenz über 300 Ampel plant Testpflicht für Ungeimpfte in Bus und Bahn

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland steigt erstmals über 300. Jetzt erwägen SPD, FDP und Grüne die Regeln zu verschärfen - so sollen Ungeimpfte ohne negativen Corona-Test keine Busse und Bahnen mehr benutzen dürfen.
Bus- und Bahnfahren für Ungeimpfte könnte künftig mit viel mehr Mühe verbunden sein. So werden sie womöglich ohne negativen Corona-Test keinen Zutritt mehr zu öffentlichen Verkehrsmitteln bekommen, heißt es.

Bus- und Bahnfahren für Ungeimpfte könnte künftig mit viel mehr Mühe verbunden sein. So werden sie womöglich ohne negativen Corona-Test keinen Zutritt mehr zu öffentlichen Verkehrsmitteln bekommen, heißt es.

Foto: Ralph Peters / imago images/Ralph Peters

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland ist den achten Tag infolge gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) bezifferte am Montagmorgen den Wert der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz mit 303,0. Am Sonntag hatte die Inzidenz bei 289,0 gelegen. Der Wert, der die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche angibt, erreichte damit den achten Tag in Folge einen weiteren Höchststand.

Vergangenen Montag hatte der Wert die Schwelle von 200 überschritten, die bis dahin die Höchstmarke seit Beginn der Pandemie gewesen war. Seitdem wurden täglich neue Höchstwerte registriert. Laut RKI wurden binnen 24 Stunden 23.607 Coronavirus-Neuinfektionen sowie 43 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus verzeichnet.

Während hierzulande über mögliche weitere Kontaktbeschränkungen diskutiert wird, schafft Österreich Fakten. Mit einem Lockdown für Ungeimpfte stemmt sich das Alpenland seit Montag (00.00 Uhr) gegen die vierte Welle der Corona-Pandemie. Wer nicht geimpft oder genesen ist, darf nur noch aus zwingenden Gründen sein Zuhause verlassen. Dazu gehören Einkäufe für den täglichen Bedarf, Arztbesuche oder auch ein als nötig erachteter Spaziergang. Die Ausgangsbeschränkungen sind zunächst auf zehn Tage befristet. Die Polizei kontrolliert. Bei Verstößen drohen Strafen bis zu 1450 Euro. Betroffen sind nach Schätzungen zwei Millionen Menschen, die keine Impfung haben.

Neue Regelung für Busse und Bahnen geplant

Die vermutliche neue Bundesregierung aus SPD, FDP und Grünen bleibt bei ihrem Vorhaben, die epidemische Lage nationaler Tragweite auslaufen zu lassen. Dieser Rechtsstatus hatte weitgehende Kontaktbeschränkungen und andere harte Corona-Vorgaben möglich gemacht. Eine mögliche Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes soll aber Kontaktbeschränkungen auch nach dem 25. November ermöglichen, wie aus einer Vereinbarung von Vertretern der drei Fraktionen hervorgeht, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Dabei geht es um Ungeimpfte, wie Grünen-Chef Robert Habeck zuvor bereits in der ARD angedeutet hatte. So sollen Ungeimpfte ohne negativen Test keine Busse und Bahnen mehr benutzen dürfen – unabhängig von der weiter geltenden Maskenpflicht. Wie das kontrolliert werden könnte, ist allerdings unklar.

Ärzte üben scharfe Kritik

Scharfe Kritik üben Ärzteverbände an der Corona-Politik der Bundesregierung. Politiker hätten "in Worten und Handeln an vielen Stellen versagt", sagte der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Zu spät, zu halbherzig, zu unterschiedlich seien die Maßnahmen gegen das tödliche Virus gewesen. "Wer apodiktisch sagt "Keine Impfpflicht und nie wieder Lockdown", der hat die Epidemiologie des Virus nicht verstanden und spielt ihm in die Hände", so Montgomery weiter.

Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, resümierte in der "Rheinischen Post": "Wir hätten viel besser vorbereitet sein können. Es hat ja an Warnungen aus der Wissenschaft nicht gefehlt." Bereits Mitte Juli habe eine Wissenschaftlergruppe der Technischen Universität Berlin ein exponentielles Wachstum der Infektionen im Herbst vorhergesagt, dies sei aber ebenso weitgehend ignoriert worden. Stattdessen gab es Diskussionen darüber, ob nicht bald ein "Freedom Day" ausgerufen werden könne", kritisierte Johna. Auf Freiheitsrechte gepocht hatte besonders die FDP, es waren aber auch einige Unions- und selbst Grünen-Politiker - sowie etwa Kassenärzte-Chef Andreas Gassen.

rei/DPA
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.