Coronavirus Impftempo soll sich im März fast verzehnfachen

Bundesfinanzminister Olaf Scholz verspricht eine schnelle, radikale Wende beim Tempo der Corona-Impfungen. Zehn Millionen Spritzen pro Woche sollen die Corona-Krise beenden, und das schon ab Ende März.
Noch nicht auf Warp Speed: Impfzentrum in Köln

Noch nicht auf Warp Speed: Impfzentrum in Köln

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Bund und Länder werden die Impfkapazitäten laut Bundesfinanzminister Olaf Scholz (62) verstärken. "Es wird bis zu zehn Millionen Impfungen pro Woche geben", sagt der Vizekanzler und SPD-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl im ZDF. Dies gelte ab Ende März und für die Monate April, Mai und Juni. "Und dass das jetzt gut vorbereitet wird, dafür habe ich gesorgt."

Zum Vergleich: Laut Daten des Robert Koch-Instituts  wurden in Deutschland in der ersten Märzwoche gut 1,4 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus verabreicht, in der letzten Februarwoche 1,1 Millionen. Insgesamt wurden bisher seit Ende Dezember 7,65 Millionen Dosen der drei zugelassenen Impfstoffe gespritzt. Nach Scholz' Versprechen würde das Wochenpensum ab Ende März also die bisherige Gesamtzahl übersteigen - und fast zehnmal so hoch liegen wie noch Ende Februar. Theoretisch würde das neue Tempo ausreichen, um alle Erwachsenen im Land bis Juni zu impfen. Bislang verspricht die Bundesregierung lediglich ein "Angebot" für alle Impfwilligen bis September - und auch das galt angesichts des bisher lahmen Fortschritts als ambitioniert.

Aktuell liegt Deutschland beim Impftempo im unteren Mittelfeld der EU-Staaten, die das Serum gemeinsam beschaffen und annähernd proportional zur Bevölkerung untereinander verteilen. Um das Scholz-Ziel zu erreichen, müsste jedoch nicht nur der vorhandene Impfstoff besser genutzt werden - auch die Lieferungen der Hersteller müssten schneller wachsen als geplant.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (62) erwartet deutlich mehr Impfstoff ab nächstem Monat. "Ab April könnten sich die Mengen nach den Plänen der Hersteller nochmal verdoppeln, auch weil weitere Impfstoffe vor der Zulassung stehen", sagte sie der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" am Montag. Sie rechne EU-weit "im zweiten Quartal im Schnitt mit rund 100 Millionen Dosen pro Monat, insgesamt 300 Millionen bis Ende Juni". Den Zeitungen zufolge würde das für Deutschland etwa 20 Millionen Dosen im Monat bedeuten.

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Diese Impfstoffprojekte gegen Covid-19 sind am weitesten

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In der EU sind bisher die Impfstoffe der drei Hersteller Pfizer/Biontech, Moderna und Astrazeneca zugelassen. Alle drei mussten zwischenzeitlich ihre Lieferversprechen kürzen, besonders deutlich Astrazeneca.

Am Donnerstag (11. März) wird die europäische Arzneimittelbehörde EMA voraussichtlich auch die Zulassung des Impfstoffes des US-Herstellers Johnson & Johnson empfehlen, der in den USA bereits zugelassen ist. Dieses Serum ist zur Gabe in einer einzigen Dosis pro Person vorgesehen. Als weiteres Mittel wird seit der vergangenen Woche auch der Impfstoff Sputnik V des russischen Gamaleya-Instituts von der EMA geprüft, von dem einige EU-Staaten bereits auf eigene Faust größere Mengen bestellt haben. Die Behörde wollte bislang keinen Zeitplan für die Freigabe von Sputnik in Aussicht stellen.

ak/Reuters, dpa-afx