Mittwoch, 8. April 2020

Mangel an Laborkapazität und Personal Ärzte halten Massentests wie in Korea für unmöglich

Mobiler Corona-Test in Südkorea
Jung Yeon-je / AFP
Mobiler Corona-Test in Südkorea

Flächendeckende Corona-Tests wie in Südkorea seien in Deutschland undurchführbar, sagt Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, dem Nachrichtenportal t-online. "Dafür haben wir zu wenig Laborkapazität und zu wenig Personal." Das sei in den vergangenen Jahren auch noch zusammengespart worden - die Zahl der Amtsärzte um rund ein Drittel in den vergangenen 18 Jahren. In Berlin sei zudem jede vierte Amtsarztstelle unbesetzt, wird Teichert weiter zitiert. Die Politik habe weggesehen.

Große Teile der Bevölkerung auf das Coronavirus zu testen, gilt als Voraussetzung, um die Ausbreitung zu kontrollieren und den wirtschaftlichen Lockdown aufzuheben.

Bund und Länder streben einem Bericht der "Bild"-Zeitung vom Freitag zufolge eine Ausweitung der Testkapazitäten für Infektionen mit dem Virus an. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Donnerstag gesagt, die Kapazität liege mit 300.000 bis 500.000 Tests pro Woche auch im internationalen Vergleich sehr hoch. Er bekräftigte, dass Deutschland wegen sehr vieler Tests früh mit Vorbereitungen im Medizinbereich beginnen konnte.

Laut einem SPIEGEL-Bericht ist eine große Antikörper-Studie geplant, um herauszufinden, wie viele Menschen in Deutschland nach einer durchgemachten Infektion bereits gegen das neuartige Coronavirus immun geworden sind.

Die Studie sei in Vorbereitung und solle koordiniert werden von dem Epidemiologen Gerard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Beteiligt seien unter anderem das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Institut für Virologie der Berliner Charité. Noch sei das Projekt zwar nicht endgültig bewilligt, doch die Forscher hofften, ab April das Blut von über 100.000 Probanden auf Antikörper gegen den Covid-19-Erreger untersuchen zu können. Erste Ergebnisse könnten Ende April vorliegen und eine Entscheidung über eine Lockerung der Beschränkungen des öffentlichen Lebens erleichtern.

Südkorea als eines der ersten von der Pandemie stark betroffenen Länder hatte schon im Februar mehr als 100.000 Corona-Tests durchgeführt, mehr als im Rest der Welt zusammen - und die Virus-Kurve flach gehalten, sodass sogar flächendeckende Sperren vermieden werden konnten.

Südkorea setzte auch auf mehr als 50 Drive-in-Testzentren, die nun beispielsweise in Baden-Württemberg imitiert werden.

Die norditalienische Kleinstadt Vo' Euganea, die frühzeitig abgeriegelt wurde, testete im März zweimal die gesamte Bevölkerung und konnte die Infizierten so isolieren. Weltweit gibt es inzwischen einen Run auf Corona-Tests.

Um den Mangel zu lindern, werden in Nordrhein-Westfalen werden vom kommenden Montag an auch die chemischen und Veterinäruntersuchungsämter Tupferproben von potenziell Corona-Infizierten untersuchen und damit die Untersuchungslabore in dem Bundesland unterstützen. "Wir kommen dieser Bitte des Gesundheitsministeriums sehr gern nach - im Kampf gegen das neuartige Coronavirus müssen wir alle Ressourcen nutzen und bündeln", erklärte die Düsseldorfer Umwelt- und Verbraucherschutzministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) am Freitag.

Die chemischen und Veterinäruntersuchungsämter im bevölkerungsreichsten Bundesland werden demnach kurzfristig nacheinander in die Untersuchung der Tupferproben einsteigen und an ihren jeweiligen Standorten in Arnsberg, Detmold, Krefeld und Münster zunächst insgesamt 1500 Proben pro Tag untersuchen können. Laut Ministerium nutzen die Ämter für die Diagnostik von bestimmten Tierkrankheiten dieselbe Methodik wie für die Corona-Diagnostik. Auch die Sicherheitsvorkehrungen in den Laboren sind demnach auf dem gleichen Niveau.

ak/Reuters/AFP/dpa-afx

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