Mittwoch, 8. April 2020

Coronavirus und die Folgen Banken sollen laut EZB keine Dividenden zahlen

Skyline der Bankenmetropole Frankfurt: Die EZB fordert die Institute zur Zurückhaltung bei Gewinnausschüttungen auf.
Thomas Lohnes / Getty Images
Skyline der Bankenmetropole Frankfurt: Die EZB fordert die Institute zur Zurückhaltung bei Gewinnausschüttungen auf.

Laut IWF und OECD befindet sich die Weltwirtschaft schon in einer Rezession. Die USA melden mehr Coronavirus-Infektionen als in China und Italien. Der britische Premierminister hat sich mit dem Coronavirus angesteckt. Lesen Sie die wichtigsten Entwicklungen zur Corona-Krise im Newsblog.

  • Die Zahl der Infektionen in Deutschland ist auf mehr als 48.000 gestiegen.
  • Der Modekonzern Esprit flüchtet mit mehreren Töchtern unter den Schutzschirm des Insolvenzrechts.
  • Der britische Premierminister Boris Johnson hat sich mit dem Coronavirus infiziert.

21.30 Uhr - Die Zahlen steigen weiter rasant: In Deutschland sind bis Freitagnachmittag mehr als 48.300 Infektionen mit dem neuen Coronavirus registriert worden. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die gemeldeten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. Besonders hohe Zahlen haben Nordrhein-Westfalen mit mehr als 12.000 nachgewiesenen Fällen und 88 Toten sowie Bayern mit mindestens 10.180 Fällen und 60 Toten sowie Baden-Württemberg mit mehr als 9729 Fällen und 101 Toten. Gerechnet auf 100.000 Einwohner verzeichnet Hamburg mit einem Wert von 95,5 die meisten Infektionen. Mehr als 315 mit Sars-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben. Zwei weitere Deutsche starben nach Auskunft des Robert Koch-Instituts während einer Reise in Ägypten.

21.00 Uhr - Der Tourismuskonzern Tui bekommt einen Kredit von der staatlichen Förderbank KfW über 1,8 Milliarden Euro. "Die Tui AG hat heute die Zusage der deutschen Bundesregierung für eine Kreditlinie der KfW in Höhe von 1,8 Milliarden Euro erhalten, um die die bestehende 1,75 Milliarden Euro Kreditvereinbarung der Tui aufgestockt werden soll", teilte das Unternehmen am Freitag mit. Damit hätte Tui zum gegenwärtigen Zeitpunkt Finanzmittel und Kreditfazilitäten in Höhe von 3,1 Milliarden Euro zur Verfügung. Tui habe sich zur Beantragung des KfW-Kredits entschlossen, "um die beispiellosen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie abzufedern, bis der normale Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werden kann".

20.30 Uhr - Die EZB-Bankenaufsicht fordert die Geldhäuser im Euro-Raum angesichts Virus-Pandemie zum Verzicht auf Gewinnausschüttungen auf. Banken sollten mindestens bis zum 1. Oktober dieses Jahres keine Dividenden für die Finanzjahre 2019 und 2020 ausschütten, teilte die Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag in Frankfurt mit. Sie sollten zudem keine Aktien zurückkaufen. Die Institute sollten das Geld nutzen, um in den Zeiten der Virus-Krise Haushalte und Unternehmen mit Krediten zu unterstützen.

In die gleiche Richtung geht auch der Europäische Bankenverband (EBF), der seine Mitglieder wegen der Corona-Krise ebenfalls zum Verzicht auf Gewinnausschüttungen für 2020 aufruft. Bei Entscheidungen zur Dividende für 2019 mahnte der Verband in einem Brief an die EZB-Bankenaufsicht dagegen zur Vorsicht, um keine Spekulationen über die Krisenfestigkeit der Institute ins Kraut schießen zu lassen.

Die EZB ist seit Herbst 2014 für die Kontrolle der großen Geldhäuser im Euro-Raum zuständig. Aktuell überwacht sie 117 Institute, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank. Die Aufsicht über die kleineren Geldhäuser teilt sie sich mit den nationalen Behörden der Euro-Länder.

Esprit-Filiale in Düsseldorf: Der Modekonzern hofft auf eine Rettung per Insolvenzverfahren.

19.30 Uhr - Der Modekonzern Esprit flüchtet angesichts der Corona-Krise mit mehreren seiner deutschen Gesellschaften in ein Schutzschirmverfahren nach deutschem Insolvenzrecht. Das geht aus einem Schreiben hervor, das Esprit-Chef Anders Kristiansen an Partner des Unternehmens gesandt hat, und das manager magazin vorliegt. Das Schutzschirmverfahren sei geschaffen, um Unternehmen vor Liquiditätsanforderungen zu bewahren, wie sie in nächster Zeit auf Esprit und andere zukommen, so Kristiansen. "Ich bin mir sehr sicher, dass dies der richtige Schritt für Esprit ist." Mit der Maßnahme solle das Überleben der Marke gesichert werden.

19.00 Uhr - US-Präsident Donald Trump hat den Autobauer General Motors (GM) wegen angeblich unzureichender Hilfe bei der Produktion von Beatmungsgeräten zur Bewältigung der Corona-Krise attackiert. "Wie üblich mit "diesem" General Motors, scheinen die Dinge einfach nie zu funktionieren", twitterte Trump am Freitag. Der Konzern halte sein Versprechen nicht ein, "sehr schnell" 40.000 Beatmungsgeräte zu liefern, behauptete er. Trump deutete an, nun das für Kriegszeiten vorgesehene Gesetz "Defense Production Act" einzusetzen, um stärker in die Privatwirtschaft eingreifen zu können.

Der US-Präsident steht wegen seines Krisenmanagements und relativierenden Äußerungen zur Corona-Pandemie selbst heftig in der Kritik. Noch am Vorabend hatte er im Sender Fox News Zweifel an einem von US-Bundesstaaten beklagten Versorgungsmangel angebracht. "Ich glaube nicht, dass man 40.000 oder 30.000 Beatmungsgeräte braucht", sagte er in einer Talkshow. Ob der Einsatz des Kriegsgesetzes etwas an der Lage ändern würde, scheint indes unklar. Die Herstellung der benötigten Geräte gilt als sehr komplex und die Unternehmen beteuern, bereits auf Hochtouren an Lösungen zu arbeiten.

18.30 Uhr - Noch eine Meldung von der Hauptversammlungsfront: Der Pharmakonzern Bayer will angesichts der Corona-Krise sein Aktionärstreffen in diesem Jahr komplett online durchführen. "Wir begrüßen es, dass der Gesetzgeber in dieser außergewöhnlichen Lage den Weg für Online-Hauptversammlungen freigemacht hat", sagte der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann am Freitag laut einer Mitteilung. Üblicherweise schreibt das Aktiengesetz vor, dass Vorstand, Aufsichtsrat und Eigentümer der Unternehmen physisch zusammenkommen.

Bei Bayer sollen die Aktionäre auf der digitalen Hauptversammlung am 28. April unter anderem der vorgeschlagenen Dividende von 2,80 Euro zustimmen. Sowohl Fragen als auch Abstimmungen können vorab - etwa per Briefwahl - eingereicht werden. Die Abstimmung ist auch am Tag selbst online noch möglich.

- Die Weltwirtschaft befindet sich nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) wegen der Coronavirus-Pandemie schon in einer Rezession. Die Wirtschaft in den USA und weiteren reichen Ländern schrumpfe bereits, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa am Freitag. Die Weltwirtschaft werde wegen des Virus in diesem Jahr eine "schwere" Rezession erleben, warnte Georgiewa. Auch die Industriestaaten-Organisation OECD erwartet wegen der Corona-Krise eine Rezession in vielen Volkswirtschaften.

Jeder Monat mit Ausgangsbeschränkungen werde das jährliche Wirtschaftswachstum um zwei Prozentpunkte drücken, warnte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Er nannte als eine besonders betroffene Branche den Tourismus. Ökonomen sprechen von einer Rezession, wenn die Wirtschaft in mindestens zwei Quartalen hintereinander schrumpft.

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