Biontech-Gründer Uğur Şahin "Im nächsten Winter wird wieder ein normales Leben möglich sein"

Ab dem 27. Dezember soll auch in Deutschland mit den ersten Impfungen gegen das Coronavirus begonnen werden. Zum Start der Impfkampagne statte Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Biontech-Powerpaar Uğur Şahin und Özlem Türeci einen Besuch ab - virtuell, versteht sich.
Unermüdlicher Kämpfer gegen das Coronavirus: Biontech-Chef Uğur Şahin

Unermüdlicher Kämpfer gegen das Coronavirus: Biontech-Chef Uğur Şahin

Foto: German Chancellery / Anadolu Agency / Getty Images

Die Gründer der Mainzer Firma Biontech haben Anstrengungen auch über die Feiertage angekündigt, damit der Covid-19-Impfstoff möglichst vor Jahresende ausgeliefert werden kann. "Unsere Mitarbeiter werden über Weihnachten arbeiten, dass das wirklich möglich ist, dass in jedem Land der Impfstoff ankommt (...)", sagte Vorstandschef Uğur Şahin (55) am Donnerstag in einer gemeinsamen Videokonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (66, CDU).

Für den Impfstoff von Biontech und seinem US-Partner Pfizer will die Europäische Arzneimittelagentur EMA am kommenden Montag (21. Dezember) wohl grünes Licht geben. Zwei Tage später wird dann voraussichtlich die EU-Kommission zustimmen. Die Bundesländer stellen sich auf einen Beginn von Impfungen am 27. Dezember ein.

Şahin betonte, man sei zuversichtlich, dass im nächsten Winter wieder ein "normales Leben" möglich sei und nicht mehr die Notwendigkeit für einen Shutdown bestehe. Er betonte, unter anderem jahrzehntelange Arbeit zum Botenmolekül mRNA sei Grundlage für den Impfstoff gewesen. Die Biontech-Mitgründerin und medizinische Geschäftsführerin Özlem Türeci (53) sagte, in Großbritannien seien bereits mehr als 140.000 Menschen geimpft. Die Daten zur Verträglichkeit deckten sich mit den Erkenntnissen aus der klinischen Studie. "Das Etappenziel ist nun bald erreicht", sagte Türeci mit Blick auf den erwarteten Einsatz des Vakzins in Deutschland. Der Marathon sei aber noch nicht vorüber.

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Bundeskanzlerin Merkel hob die Entwicklung des ersten Impfstoffes für den weltweiten Kampf gegen die Pandemie hervor. "Wenn wir sehen, wie viele Menschen im Augenblick an Corona sterben, dann weiß man, wie viel Leben das retten kann", sagte sie. Die Bundesregierung sei "mächtig stolz", dass es in Deutschland solche Forscher wie sie gebe. Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan (66) habe die Leistung der beiden gewürdigt, die auch türkische Wurzeln haben. Sie hätten nicht die Flinte ins Korn geworfen, sondern an ihre Technologie geglaubt, sagte Merkel.

Karliczek: "Keine Abstriche bei der Sicherheit"

Spahn erklärte, dass in Deutschland das bundeseigene Paul-Ehrlich-Institut alle Impf-Chargen prüfen werde. Dann könne mit den ersten Dosen tatsächlich gestartet werden. Zum Auftakt sollen Impfungen über bis zu 442 regionale Impfzentren in den Ländern laufen. Dort angedockte mobile Teams sollen zudem in Pflegeheime und Kliniken gehen. Zu Beginn werden noch begrenzte Impfstoffmengen erwartet.

Als Rechtsgrundlage für eine Priorisierung, wer zuerst geimpft wird, will Spahn an diesem Freitag eine Impfverordnung unterzeichnen. "Unser Ziel ist es, zuerst diejenigen zu schützen, die über 80-jährig sind und die in Alten- und Pflegeheimen leben oder arbeiten, um die besonders Verwundbaren zuerst zu schützen mit diesem sehr wirksamen Impfstoff." Die SPD-Gesundheitsexpertin Sabine Dittmar (56) hofft, dass bis Februar 1,5 Millionen Menschen geimpft sein könnten. Schnelles Handeln sei angesichts der Infektionsdynamik dringend angesagt.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (49, CDU) warb um Vertrauen in die Impfungen. An der Prüfung von Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffes seien keine Abstriche gemacht worden, sagte sie in der Videokonferenz mit den Biontech-Gründern. Er sei mit einer Prüfgruppe von 44.000 Menschen getestet worden. Dadurch habe man viel mehr Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit vorliegen als üblich. Eine normale Phase-III-Studie umfasse sonst nur 5000 oder 10.000 Menschen.

Wie in Deutschland sollen Corona-Impfungen auch in den anderen EU-Ländern am 27. Dezember starten. In manchen Staaten werde auch erst am 28. oder 29. Dezember begonnen, schrieb EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen (62) am Donnerstag auf Twitter. "Das ist Europas Moment."

mg/dpa-afx, Reuters
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