Dachverbände der Wirtschaft Betriebe sollen auf Corona testen - Verbände belassen es bei Appell

Wer am Arbeitsplatz präsent ist, soll einmal pro Woche auf Corona getestet werden. Die Wirtschaftsverbände wollen den Beitrag der Unternehmen freiwillig regeln. Im April wird geprüft, wie gut das läuft.
Testen, testen, testen: Deutlich mehr Corona-Tests gelten als Bedingung für eine weitere Öffnung

Testen, testen, testen: Deutlich mehr Corona-Tests gelten als Bedingung für eine weitere Öffnung

Foto: Thomas Frey / dpa

Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft wollen eine "vorübergehende substanzielle Ausweitung" von Corona-Tests in Unternehmen - allerdings auf freiwilliger Basis. Man appelliere an die Betriebe, ihren Beschäftigten Selbsttests und wo möglich auch Schnelltests mit geschultem Personal anzubieten, teilten die Branchenverbände BDA, BDI, DIHK und ZDH am Dienstag mit. So sollen Infektionen und vor allem größere Ausbrüche frühzeitig erkannt werden. Das Engagement der Unternehmen soll freiwillig bleiben.

Kanzlerin Angela Merkel (66, CDU) begrüßte den Appell, pocht aber auch auf breite Umsetzung: "Wir erwarten, dass wirklich substanziell die Wirtschaftsunternehmen daran teilnehmen." Die Teststrategie sei "ein Muss für die Möglichkeit von Öffnungen" und eine Brücke bis zu Impfungen größerer Bevölkerungsteile. Merkel betonte, sie könne nur alle einzelnen Unternehmen aufrufen, sich dem Appell anzuschließen. Anfang April solle eine erste Überprüfung der Beteiligung vorliegen. Die Regierung werde sehr genau schauen, was herausgekommen sei.

Bund und Länder hatten in der vergangenen Woche betont: "Für einen umfassenden Infektionsschutz ist es erforderlich, dass die Unternehmen in Deutschland als gesamtgesellschaftlichen Beitrag ihren in Präsenz Beschäftigten pro Woche das Angebot von mindestens einem kostenlosen Schnelltest machen." Danach hatten die Spitzenverbände und die Bundesregierung allerdings um ein Konzept gerungen.

Die Erklärung der Wirtschaft sei "eine sehr gute und zentrale Basis, um so vielen Beschäftigten wie möglich ein Angebot zum Testen zu unterbreiten", sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (62, CDU). Staat, Wirtschaft und Gesellschaft trügen gemeinsam Verantwortung, betonte Arbeitsminister Hubertus Heil (48, SPD). Der Deutsche Gewerkschaftsbund dagegen äußerte sich enttäuscht. Es dürfe nicht bei Appellen bleiben, sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann (65). "Arbeitnehmer brauchen Sicherheit. Das geht aber nur, wenn die Arbeitgeber den Gesundheitsschutz ihrer Beschäftigten ernst nehmen." Beschäftigten, die in Präsenz arbeiten, müssten kostenlose Tests angeboten werden. Die Kosten für die Tests müssten vom Arbeitgeber getragen werden.

Rewe sagt Selbsttests zu

Die Spitzenverbände versprachen: "Wir werden alles Erdenkliche dafür tun, dass die Unternehmen diesem Aufruf folgen und damit einen entscheidenden Beitrag zur Ausweitung der Tests in Deutschland leisten." Es gehe um "eine vorübergehende substanzielle Ausweitung der Testung". Man werde öffentlich fortlaufend über die Zahl der teilnehmenden Unternehmen informieren.

Die Unternehmen der Rewe Group (unter anderem Rewe, Penny, toom Baumarkt, DER Touristik) werden nach Konzernangaben ihren über 250.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Deutschland schnellstmöglich kostenlos Corona-Selbsttests zur Verfügung stellen. "Damit unterstützen wir die Teststrategie von Bund und Ländern", sagte Vorstandschef Lionel Souque (49).

Massenhafte Tests sollen die Öffnungsschritte absichern, die Bund und Länder in der vergangenen Woche beschlossen hatten. Je mehr und umfassender getestet werde, desto mehr Klarheit für weitere Öffnungsschritte könne man gewinnen, betonte Altmaier. Heil erklärte: "Breite Testungen bieten eine Chance, Lockerungen für die Bürgerinnen und Bürger und die Wirtschaft zu ermöglichen."

Verbände wollen lieber impfen als testen

Wichtiger für die Bekämpfung der Pandemie sind nach Ansicht der Wirtschaftsverbände allerdings Impfungen. Sie verwiesen erneut darauf, dass die Unternehmen angeboten hätten, ihre Betriebsärzte zum Impfen einzusetzen. Vermehrte Tests seien aber "eine wirksame Brücke, die mindestens bis Juni notwendig sein wird", wenn mehr Menschen geimpft seien.

Die großen Wirtschaftsverbände hatten der Regierung zahlreiche Fragen zu den Tests in den Unternehmen geschickt - darunter auch, welche positiven Anreize es für Unternehmen gebe, solche Tests durchzuführen und ob die Kosten erstattet würden.

Schnelltests werden von Personal durchgeführt, das vor allem darin geschult ist, die dafür verwendeten Wattestäbchen tief in Mund und Nase zu führen und dabei selbst auf Infektionsschutz zu achten. Selbsttests könnten Beschäftigte auch alleine nutzen.

ak/dpa-afx