Corona-News Infektionszahlen steigen stark, Ruf nach Impfpflicht wird lauter

In Deutschland haben sich 36.000 Menschen laut RKI binnen 24 Stunden nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Der deutsche Städtetag dringt auf rasche Einführung einer Impfpflicht. Die wichtigsten Corona-News im Überblick.
Impfstelle in Berlin: Die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland ist auf 362 gestiegen. Der deutsche Städtetag fordert eine Impfpflicht gegen das Coronavirus

Impfstelle in Berlin: Die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland ist auf 362 gestiegen. Der deutsche Städtetag fordert eine Impfpflicht gegen das Coronavirus

Foto: Annette Riedl / dpa

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet binnen 24 Stunden 36.552 Corona-Neuinfektionen. Das sind 24.037 Fälle mehr als am Sonntag vor einer Woche, als 12.515 Positiv-Tests gemeldet wurden. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 362,7 von 335.9 am Vortag. Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. 77 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle binnen eines Tages auf 113.977. Insgesamt fielen in Deutschland bislang mehr als 7,51 Millionen Corona-Tests positiv aus.

Bundesjustizminister Marco Buschmann fordert eine rasche Entscheidung über eine allgemeine Impfpflicht. "Der Bundestag sollte schnell entscheiden, ob eine Impfpflicht eingeführt wird. Und wenn ja, für wen", sagt Buschmann der "Bild am Sonntag" einem Vorabbericht zufolge. Die Abgeordneten müssten sich aber auch die Zeit für eine sorgfältige Abwägung dieser schwierigen Frage nehmen.

Streit um Impfplicht geht weiter

Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann hat die Erwartungen an eine schnelle Einführung einer allgemeinen Impfpflicht gedämpft. "Das ist keine einfache Entscheidung, das bedeutet einen tiefen Eingriff", sagt Haßelmann den Zeitungen der Funke Mediengruppe einem Vorabbericht zufolge. Man werde erst einmal in den Fraktionen diskutieren, welche Vorstellungen es gebe. Ende Januar könne die öffentliche Debatte darüber im Bundestag geführt werden. Die Frage sei so relevant und weitgehend, dass es eine fundierte und sehr sorgfältige Beratung brauche. Sie selbst sei heute für eine allgemeine Impfpflicht.

Der Deutsche Städtetag dringt auf die rasche Einführung einer Impfpflicht. "Um die Pandemie hinter uns zu lassen, müssen wir ganz überwiegend geimpft sein, das schaffen wir vermutlich nur mit einer allgemeinen Impfpflicht", sagt Städtetagspräsident Markus Lewe den Zeitungen der Funke Mediengruppe laut Vorabbericht. Die notwendige Debatte dazu müsse der Bundestag zügig führen und entscheiden.

Schüler können Versäumnisse durch Pandemie kaum noch aufholen

64 Prozent der Lehrer an Gymnasien und zum Abitur führenden Schulen gehen davon aus, dass ihre Schüler die Versäumnisse durch die Corona-Pandemie bis zum Ende des Schuljahres nicht mehr nachholen können. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Philologenverbandes unter rund 7000 Lehrkräften an diesen Schulen im Bundesgebiet vom November 2021 hervor, die der "Bild am Sonntag" vorliegt. "Die Kultusminister müssen das Bildungssystem langfristig personell und materiell qualitätsorientiert stärken", sagt Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Verbandes, der Zeitung laut Vorabbericht.

Der Bundesverband Güterkraftverkehr und Logistik sieht die Versorgungssicherheit in Deutschland wegen der drohenden Omikron-Welle gefährdet. "Omikron hat das Potenzial, dass Lieferengpässe vermehrt auftreten und nicht alle Lieferketten aufrechterhalten werden können", sagt BGL-Präsident Dirk Engelhardt der "Bild am Sonntag" laut einem Vorabbericht. Die Politik müsse nun zügig Vorkehrungen treffen, um auf mögliche Engpässe zu reagieren.

Steigende Infektionszahlen in USA und Indien

In den USA bleibt die Zahl der täglich nachgewiesenen Neuinfektionen hoch. Die Gesundheitsbehörden verzeichnen über 840.000 neue Ansteckungsfälle, wie eine Zählung der Nachrichtenagentur Reuters ergibt. Seit Beginn der Pandemie sind es damit mehr als 59,86 Millionen Infektionen. Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus steigt um mindestens 672 auf 840.148. Weltweit weisen die USA, wo rund 330 Millionen Menschen leben, die höchsten Infektions- und Totenzahlen auf.

In Indien beschränken mehrere Bundesstaaten wegen stark steigender Infektionszahlen erneut das öffentliche Leben. So werden in Maharashtra, dem reichsten Bundesstaat, Schwimmbäder und Fitnessstudios geschlossen, in Schulen und Hochschulen fällt bis 15. Februar der Unterricht aus. In Gujarat wird die nächtliche Ausgangssperre verlängert und allen Beschäftigten im Gesundheitswesen der Urlaub gestrichen. Im ganzen Land verzeichnet das Gesundheitsministerium fast 160.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Insgesamt sind es damit 35,52 Millionen nachgewiesene Fälle, weltweit ist das nach den USA der zweithöchste Wert. Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus steigt um 327 auf 483.790.

China verzeichnet am Sonntag 165 nachgewiesene Neuinfektionen mit dem Coronavirus. 92 davon seien lokal übertragen worden, meldet die chinesische Gesundheitsbehörde. Zwei Infektionen mit der Omikron-Variante seien in der Küstenstadt Tianjin entdeckt worden. Tianjin grenzt an die Hauptstadt Peking. Alle 14 Millionen Einwohner der Stadt werden zurzeit auf das Virus getestet. Das Land mit rund 1,4 Milliarden Einwohner hat bisher 103.619 Infektionen mit dem Virus und 4636 Todesfälle gemeldet.

2G plus: Zugang zu Restaurants auch für Geimpfte nur noch mit Tests

Im Kampf gegen die sich auch in Deutschland rasant ausbreitende Omikron-Variante des Coronavirus werden die Zugangsregeln für Restaurants, Cafes und Kneipen verschärft. Bundesregierung und Länderregierungschefs einigten sich am Freitag darauf, dass künftig bundesweit und unabhängig von den Infektionszahlen eine 2G-plus-Regel gelten soll. Geimpfte und Genesene müssen dann einen tagesaktuellen negativen Corona-Test oder eine Auffrischungsimpfung vorweisen. Nicht alle Länder wollen dabei allerdings mitmachen.

Man müsse sich darauf vorbereiten, dass durch die Omikron-Variante die Infektionszahlen steigen werden, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nach den Beratungen. "Klar ist, Omikron wird uns noch lange beschäftigen. Und deswegen können wir auch keine Entwarnung für unser Gesundheitssystem aussprechen."

Bund und Länder hatten sich zum ersten Mal in diesem Jahr zusammengeschaltet, um über das weitere Vorgehen in der Pandemie zu beraten. Entschieden wurde auch, die Quarantäne für Kontaktpersonen und die Isolierung Infizierter zu verkürzen und zu vereinfachen. Kontaktpersonen werden danach von der Quarantäne ausgenommen, wenn sie eine Auffrischungsimpfung haben, frisch doppelt geimpft sind, geimpft und genesen oder frisch genesen sind. Für alle Übrigen sollen Isolation oder Quarantäne in der Regel nach zehn Tagen enden, wenn sie sich nicht vorher "freitesten" lassen. Das geht nach sieben Tagen.

Probleme bei Umsetzung der Impfpflicht in Österreich

Bei der Umsetzung der Corona-Impfpflicht in Österreich ab Februar bahnen sich technische Probleme an. Das für Gesundheitsdaten zuständige Informationssystem Elga und deren Partner benötigten für die technische Umsetzung der Impfpflicht über das nationale Impfregister mindestens bis 1. April 2022, heißt es in einer am Freitag bekanntgewordenen Stellungnahme zum Gesetz über die Impfpflicht. Man sei bei Erstellung des Begutachtungswurfes nicht konsultiert worden, so die Elga. Die zeitliche Verzögerung solle "für ein finanzielles Anreizsystem mittels Gutscheinen für alle Personen mit drei Teilimpfungen genutzt werden".

Auch Datenschützer übten Kritik an dem Entwurf der Regierung. Die Begutachtungsfrist endet am Montag. Bisher sind Zehntausende Schreiben im Parlament eingegangen, darunter viele Serienbriefe von Impfskeptikern.

Impfpflicht für über 50-Jährige in Italien sorgt für Kritik

Die Einführung einer Impfpflicht für Menschen über 50 Jahren sorgt in Italien für Kritik. Die Vorsitzende der rechtsradikalen Partei Fratelli d'Italia, Giorgia Meloni, sprach am Donnerstag von einem weiteren Angriff auf Bürgerrechte. Sie forderte von Ministerpräsident Mario Draghi, sich bei den Menschen in Italien zu entschuldigen. Das Kabinett hatte sich am Mittwochabend auf eine Impfpflicht für Menschen geeinigt, die älter als 50 Jahre alt sind. Betroffen sind auch Ausländer mit Wohnsitz in Italien.

Außerdem gilt für diese Altersgruppe vom 15. Februar an die 2G-Regel am Arbeitsplatz. Alle über 50-Jährigen müssen nachweislich gegen Covid-19 geimpft oder von der Krankheit genesen sein, um zur Arbeit gehen zu können. Firmen sind wegen der hohen Ansteckungszahlen zudem angehalten, Arbeiten im Homeoffice zu ermöglichen. Am Mittwoch erreichte Italien mit etwas mehr als 189.000 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden einen weiteren Rekord.

Österreich verschärft Corona-Regeln: FFP2-Masken im Freien

Österreich reagiert mit neuen Beschränkungen und kürzeren Quarantänefristen auf die rasante Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus. Künftig muss im Freien eine FFP2-Maske getragen werden, wenn kein Zwei-Meter-Abstand eingehalten werden kann, wie Bundeskanzler Karl Nehammer am Donnerstag in Wien ankündigte. Das gilt zum Beispiel für Fußgängerzonen und Warteschlangen. Außerdem wird der Handel zu Kontrollen verpflichtet, damit die 2G-Regel – also Einlass nur für Geimpfte und Genesene – eingehalten wird.

Um die Infrastruktur nicht zu gefährden, können sich Kontaktpersonen von Infizierten künftig nach dem fünften Tag aus der Quarantäne freitesten. Mit täglichen Tests und dem Tragen einer FFP2-Maske sollen Mitarbeiter der kritischen Infrastruktur auch als Kontaktperson weiterarbeiten können. Die Situation sei sehr ernst, sagte Nehammer. Mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung könne ein neuer Lockdown aber verhindert werden. Der sogenannte Grüne Pass als Nachweis einer Impfung wird den Angaben zufolge von Februar an nur noch sechs Monate gültig sein.

mit Reuters und dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.