Corona-News Bundesweite Inzidenz erstmals über 500

Die Corona-Fallzahlen erreichen am Sonntag einen neuen Höchststand, Bundesgesundheitsminister Lauterbach warnt, Virologe Christian Drosten sieht Hoffnungsschimmer und der ungeimpfte Tennisspieler Djokovic muss Australien verlassen. Die Corona-News im Überblick.
Mittlerweile Alltag: Die Maskenpflicht

Mittlerweile Alltag: Die Maskenpflicht

Foto: Friso Gentsch / dpa

Bundesweite Inzidenz erstmals über 500

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Ansteckungen ist erstmals über die Schwelle von 500 gestiegen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Sonntag eine Inzidenz von 515,7 nach 497,1 am Samstag und damit erneut einen neuen Höchststand. Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Zudem registrierte das RKI binnen 24 Stunden 52.504 Corona-Neuinfektionen. Das sind 15.952 Fälle mehr als am Sonntag vor einer Woche. 47 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle auf 115.619. Insgesamt fielen in Deutschland bislang mehr als 7,9 Millionen Corona-Tests positiv aus. Die Ansteckungen durch die mittlerweile dominante Virusvariante Omikron scheinen im Schnitt zwar zu leichteren Krankheitsverläufen zu führen. Der Schwerpunkt der Virus-Ausbreitung liegt weiter in Norddeutschland und dort in den Stadtstaaten: Die höchste Sieben-Tage-Inzidenz weist weiterhin Bremen auf mit einem Wert von 1401,2 dahinter folgt Berlin 965,3 und Hamburg mit 831,5. Schleswig-Holstein verzeichnet einen Wert von 665,6.

Ungeimpfter Djokovic muss Australien verlassen

Novak Djokovic (34) darf nicht an den Australian Open teilnehmen und muss ausreisen. Wie das Bundesgericht in Australien am Sonntag entschied, wurde der Einspruch des serbischen Tennisprofis gegen seine verweigerte Einreise und die Annullierung des Visums abgelehnt. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, hieß es in der Bekanntgabe der drei Richter James Allsop, Anthony Besanko und David O'Callaghan. Die Begründung solle frühestens am Montag erfolgen. Gegen das Urteil können beide Seiten vor dem Bundesgericht keine Rechtsmittel einlegen. Einem Bericht der Nachrichtenagentur AAP zufolge ist eine Berufung vor dem High Court, dem höchsten Gericht Australiens, möglich. Die Erfolgschancen seien aber gering.

Damit kann der 34 Jahre alte Djokovic seinen Titel beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres in Melbourne nicht verteidigen. Sein Ziel war, mit dem 21. Titel bei einem Grand-Slam-Turnier alleiniger Rekordhalter vor Roger Federer und Rafael Nadal zu werden. Djokovic zieht nach dem Urteil offenbar keine weiteren juristischen Schritte in Erwägung. Er respektiere die Entscheidung des Gerichts und werde mit den entsprechenden Autoritäten kooperieren, was seine Abreise aus Australien betreffe, teilte der Weltranglisten-Erste in einer Stellungnahme mit. "Ich bin extrem enttäuscht über die Entscheidung", erklärte er. "Ich fühle mich unwohl, dass ich der Fokus der vergangenen Wochen gewesen bin, und ich hoffe, dass wir uns nun alle auf das Spiel und das Turnier, das ich liebe, konzentrieren können." Er werde sich nun ein bisschen Zeit nehmen, sich zu erholen, bevor er darüber hinaus weitere Kommentare abgebe.

Lauterbach warnt vor schweren Wochen

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warnt vor einer hohen Zahl an Toten und massiven Einschränkungen bei Krankenhausbehandlungen in der aktuellen Corona-Welle mit der hoch ansteckenden Omikron-Variante. "Uns drohen in Deutschland sehr schwere Wochen", sagte der SPD-Politiker der "Bild am Sonntag". "Wir dürfen uns mit Blick auf die aktuell sinkenden Krankenhauszahlen insbesondere auf den Intensivstationen nicht in Sicherheit wiegen."

Die Situation in den Kliniken werde sich wieder verschärfen, sagte er. Momentan erkrankten vor allem die Jüngeren, die viele Kontakte hätten. Wenn sich die Älteren infizierten, werde die Zahl der Klinikeinweisungen wieder steigen. "Da kann es, je nach Entwicklung, nicht nur bei den Intensivstationen knapp werden, sondern auch auf den normalen Stationen. Es droht die Schließung ganzer Abteilungen", sagte Lauterbach. "Eine Durchseuchung bedeutet, dass Hunderttausende schwer krank werden und wir wieder viele Tausend Corona-Tote beklagen müssen."

Ob die derzeit geltenden Maßnahmen ausreichen, werde sich bei der nächsten Konferenz der Ministerpräsidenten am 24. Januar entscheiden. Schulschließungen oder einen Lockdown lehnt Lauterbach jedoch ab. Er bevorzugt einen anderen Weg: "Ich halte aus medizinischen Gründen viel davon, bei den Booster-Anreizen nachzulegen. Also dass es einen noch größeren Unterschied macht, ob ich die dritte Impfung habe oder nicht."

Drosten sieht Omikron-Verbreitung als "Chance" in Kampf gegen Pandemie

Der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten, sieht in der Ausbreitung der Omikron-Variante eine "Chance" zur Überwindung der Corona-Pandemie: Die rasche Ausbreitung der "abgeschwächten Infektion" könne dazu beitragen, die Pandemie Ende 2022 für beendet erklären zu können, sagte Drosten dem "Tagesspiegel am Sonntag". Dann gehe die Pandemie in eine Endemie über.

Man könne "nicht auf Dauer alle paar Monate über eine Booster-Impfung den Immunschutz der ganzen Bevölkerung erhalten", sagte der Virologe: "Das muss das Virus machen." Drosten betonte jedoch, dass dies nur "auf Basis eines in der breiten Bevölkerung verankerten Impfschutzes" möglich sei - sonst würden "zu viele Menschen sterben". Die Abwehrkräfte gegen das Virus nähmen ständig zu, sagte Drosten. "Die Bevölkerung baut Immunität auf und behält die auch." Dabei spiele aber weiter auch das Impfen eine entscheidende Rolle, weil das Virus für Ungeimpfte besonders gefährlich sei.

Drosten stellte zugleich den "nächsten Meilenstein" in der Bekämpfung des Coronavirus in Aussicht. So könne etwa ein Spray, mit dem "abgeschwächte Viren oder eine moderne Variante davon" in die Nase gesprüht wird, dort eine Schleimhaut-Immunität schaffen. "Das wäre ein viel besserer Übertragungsschutz", sagte er.

Querdenker schicken Drohbriefe an Schulen

In der Corona-Krise haben sogenannte Querdenker, Reichsbürger und Selbstverwalter nach Angaben der Bundesregierung auch Schulen und Kitas ins Visier genommen. Der Regierung sei bekannt, dass Gegner der Corona-Maßnahmen und der Impfkampagne in einzelnen Fällen vor Schulgebäuden demonstrierten und "dabei zuweilen auch das Zwiegespräch mit Schülern suchten". Das ergab sich aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. "Hierbei handelte es sich zum Teil auch um führende Personen der Querdenken-Bewegung", schreibt das Ministerium weiter.

Zudem berichtet die Regierung von Briefen, E-Mails und Drohschreiben, die Reichsbürger und sogenannte Selbstverwalter an Schulen, Behörden, Lehrerkollegien und Kitas gesendet haben. In manchen Schreiben werden demnach "pseudojuristische Argumente" angeführt, die den Corona- oder Masken-Verordnungen ihre Rechtsgültigkeit absprechen. Reichsbürger und Selbstverwalter erkennen die Bundesrepublik Deutschland und ihr Rechtssystem nicht an. Ob es im Zusammenhang mit den genannten Aktionen auch zu Straftaten kam, dazu habe das Innenministerium "keine Erkenntnisse".

Corona-News am Samstag, 15. Januar

Die Virusvariante Omikron treibt die Corona-Zahlen in Deutschland weiter steil nach oben. Die Sieben-Tage-Inzidenz hat nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Samstagmorgen erneut einen Höchstwert erreicht, die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche stieg auf 497,1. Zum Vergleich: Am Vortag lag die Inzidenz bei 470,6, vor einer Woche bei 335,9. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI binnen eines Tages 78 022 neue Infektionen. Vor einer Woche waren es 55 889. Deutschlandweit wurden binnen 24 Stunden 235 Todesfälle verzeichnet.

Omikron ist nach Erkenntnissen des RKI auch hierzulande inzwischen vorherrschend. Nach Ansicht von RKI-Präsident Lothar Wieler tritt Deutschland mit der Ausbreitung der hochansteckenden Variante und den stark steigenden Infektionszahlen in eine "neue Phase der Pandemie" ein. "Die reinen Fallzahlen werden weniger entscheidend sein. Wichtiger ist, wie viele Menschen schwer an Covid-19 erkranken und wie stark das Gesundheitssystem dann belastet sein wird", hatte Wieler am Freitag gesagt.

Die Omikron-Welle hatte sich in Deutschland zuletzt noch nicht auf den Intensivstationen niedergeschlagen. Die Zahl der dort behandelten Corona-Infizierten sank nach jüngsten Divi-Daten erstmals seit Mitte November wieder knapp unter die 3000er-Marke. Die Zahl der insgesamt in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag allerdings mit 3,23 an (Donnerstag: 3,09, Mittwoch: 3,13). Sie ist damit erstmals seit einigen Tagen wieder gestiegen. Am Wochenende wird die Kennziffer nicht veröffentlicht.

Omikron-Fälle in weiterer Millionenstadt in China entdeckt

In China haben die Behörden in einer weiteren Millionenstadt Fälle der hochansteckenden Omikron-Variante entdeckt. Die südchinesische Stadt Zhuhai, die an die Sonderverwaltungszone Macau angrenzt, meldete am Freitagabend sieben Omikron-Fälle. Die Behörden hatten am Freitag damit begonnen, alle 2,4 Millionen Einwohner Zhuhais auf das Virus zu testen, nachdem Anfang der Woche in der Nachbarstadt Zhongshan ein Corona-Fall entdeckt worden war. Wegen der Omikron-Fälle wurde am Samstag der Busverkehr in Zhuhai eingestellt. Die Bewohner sollen die Stadt zudem nur noch in dringenden Fällen verlassen und müssen dazu einen negativen Corona-Test vorlegen. Betriebe wie Schönheitssalons, Fitnessstudios und Kinos mussten bereits am Donnerstag schließen.

China verfolgt eine strikte Null-Covid-Strategie. Obwohl die Zahl der Infektionen im Vergleich zu anderen Ländern verschwindend gering ist, gehen die Behörden rigoros gegen neue Ausbrüche vor. Üblich sind regionale Lockdowns, Massentests und Reisebeschränkungen. Wenige Wochen vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele in Peking kämpfen die chinesischen Behörden derzeit gegen Infektionsherde in mehreren Städten, die zum Teil auf die hochansteckende Omikron-Variante zurückzuführen sind. Millionen Menschen dürfen ihre Wohnungen nicht verlassen, zahlreiche Flüge wurden gestrichen und Fabriken geschlossen.

Google erlässt Maskenpflicht

Der amerikanische Technologieriese Google schreibt seinen Mitarbeitern in den USA vorübergehend wöchentliche Corona-Tests vor. Dies berichtet der Nachrichtensender CNBC unter Berufung auf eine Notiz, die dem Sender vorliegt. Jeder Mitarbeiter müsse demnach einen negativen Test vorweisen, seinen Impfstatus angeben und während des Aufenthalts im Büro eine Maske tragen, so der Bericht. Die Maßnahmen sollen wegen der sich schnell verbreitenden Omikron-Variante eingeführt worden sein. Google reagierte nicht sofort auf eine Bitte um Stellungnahme.

Mit Nachrichtenagenturen