Kampf gegen Pandemie 6000 Betriebsärzte impfen ab 7. Juni gegen das Coronavirus

Betriebsärzte in Deutschland steigen in die Covid-Impfkampagne ein. Jeder Betriebsarzt soll zum Start in der zweiten Juni-Woche 102 Biontech-Dosen erhalten. Die Impfung auch von Kindern bleibt umstritten.
Impfung im Betrieb: In einigen Modellversuchen (wie hier bei der Sartorius AG in Göttingen) impfen Betriebsärzte Teile der Belegschaft bereits gegen die Lungenkrankheit Covid-19

Impfung im Betrieb: In einigen Modellversuchen (wie hier bei der Sartorius AG in Göttingen) impfen Betriebsärzte Teile der Belegschaft bereits gegen die Lungenkrankheit Covid-19

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Swen Pförtner / dpa

Beschäftigte können sich in tausenden deutschen Betrieben ab 7. Juni gegen Corona impfen lassen. Mehr als 6000 Betriebsärzte hätten eine Bestellung abgegeben, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Freitag in Berlin mit. Sie erhalten demnach zum Start in der Woche vom 7. Juni 702.000 Dosen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer. Jeder Betriebsarzt solle in dieser Woche eine zugesicherte Mindestmenge von 102 Dosen erhalten. "Geimpft werden kann flächendeckend - in den großen Betrieben ebenso wie in kleinen und mittleren", sagte eine Sprecherin. Jeder Betriebsarzt habe die Möglichkeit, eine Bestellung aufzugeben.

Tatsächlich impfen Betriebsärzte im Zuge von bundesweiten Modellversuchen bereits seit Mitte April Teile ihrer Belegschaften - so zum Beispiel der Chemiekonzern BASF, der Softwarekonzern SAP oder auch Heideldruck.

35 Millionen Deutsche haben eine Erstimpfung

In Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Freitag (Stand: 9.55 Uhr) bisher 42,1 Prozent (35 Millionen) der Bevölkerung mindestens einmal geimpft und 16,4 Prozent (13,7 Millionen) vollständig. Auch am Donnerstag gab es laut RKI erneut mehr Zweit- als Erstimpfungen: So erhielten fast eine Million Menschen eine Spritze, 600.675 davon bekamen ihren vollen Impfschutz.

Vor der für heute erwarteten Entscheidung der EU-Arzneimittelbehörde EMA über die Zulassung eines Corona-Impfstoffes für Kinder sorgt das Thema in Deutschland für kontroverse Diskussionen. Am Donnerstag hatten Bund und Länder bei einem Impfgipfel vereinbart, dass sich Kinder ab 12 Jahren vom 7. Juni an generell gegen Corona impfen lassen können sollen. Voraussetzung sei, dass die EMA den bisher ab 16 Jahren freigegebenen Impfstoff von Biontech /Pfizer auch für diese Altersgruppe zulässt.

Stiko: Wissenschaftliche und nicht politische Kriterien sollten gelten

Die Ständige Impfkommission (Stiko) pocht in der Debatte über Impfungen von Kindern und Jugendlichen auf die Anwendung von medizinischen und nicht von politischen Kriterien. Der Kommissionsvorsitzende Thomas Mertens warnte in der "Rheinischen Post", dass die Diskussion auch vom Wahlkampf überlagert werde. Er lehnte es auch erneut ab, den Impfstatus von Schülerinnen und Schülern mit der Frage der Rückkehr zum vollen Präsenzunterricht an den Schulen zu verknüpfen. "Wenn die gesunden Kinder die Impfung nicht zu ihrem Schutz benötigen, ist die Verknüpfung falsch", hob er hervor. Stiko-Mitglied Rüdiger von Kries hatte zuvor dem Rundfunksender RBB gesagt, eine allgemeine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche sei in Deutschland nicht zu erwarten. Es sei derzeit nichts über mögliche Nebenwirkungen in dieser Altersgruppe bekannt.

Keine zusätzlichen Impfdosen für Kinder und Jugendliche

Sollte das Mittel für Kinder und Jugendliche zugelassen werden, will Spahn allen 12- bis 18-Jährigen bis spätestens August ein Impfangebot machen. Die erforderlichen Dosen für Juni, Juli und August sollen den Ländern "schrittweise aus den Gesamtliefermengen" für diese Monate zur Verfügung gestellt werden, heißt es in einem Dokument des Bundesgesundheitsministeriums. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) stellte klar, dass es keine zusätzlichen Dosen geben werde. Es werde beim Impfstoff "keinen Überfluss" geben.

"Erwartung geweckt worden, die nicht erfüllt werden kann"

Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff

Die Grünen warfen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nach dem Impfgipfel vor, vorherige Ankündigungen zu Impfangeboten an Kinder und Jugendliche nicht einhalten zu können. Dies sei "ein richtiges Problem fürs Vertrauen", sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt am Freitag den Sendern RTL und n-tv. Sie verwies auf Aussagen Spahns, wonach zusätzlicher Impfstoff für Schülerinnen und Schüler zur Verfügung stehen würde. Das ist nun offensichtlich nicht der Fall. Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), kritisierte ebenfalls: "Es ist eine Erwartung geweckt worden, die nicht erfüllt werden kann", sagte Haseloff im ARD-"Morgenmagazin" am Freitag. Der Deutsche Städtetag warnte ebenfalls vor enttäuschten Hoffnungen. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Der Impfstoff ist im Moment so knapp, dass er gerade einmal für die Zweitimpfungen reicht."

rei/dpa-afx/Reuters/AFP