Mittwoch, 8. April 2020

Kritischer Samstag Ausgangssperren - kommt bald die Verschärfung?

Archivbild: Spaziergänger in Sassnitz an der Ostseeküste
Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
Archivbild: Spaziergänger in Sassnitz an der Ostseeküste

Nachdem Bayern, das Saarland, Rheinland-Pfalz, Hamburg, Niedersachsen, und Hessen ihre Einschränkungen für das öffentliche Leben bereits verschärft haben, rechnen viele Bundesbürger bald mit möglichen weiteren Einschränkungen. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) hatte den Samstag als wichtigen Tag bei der Entscheidung über mögliche Ausgangssperren bezeichnet. "Wir werden uns das Verhalten der Bevölkerung an diesem Wochenende anschauen", sagte er dem SPIEGEL.

In Bayern, wo das Verlassen der eigenen Wohnung nur noch mit triftigem Grund erlaubt ist, hielten sich die Menschen zunächst weitgehend an die neuen Bestimmungen, wie Landesinnenminister Joachim Herrmann (CSU) dem Bayerischen Rundfunk sagte. Im Saarland berichtete die Polizei ein Saarbrücken von insgesamt 20 Verstößen.

Sport und Spaziergänge an der frischen Luft bleiben weiter erlaubt, wenn auch in der Regel alleine. In Bayern, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Hamburg und Hessen sind seit Mitternacht Restaurants, Biergärten und Cafés für Gäste geschlossen. Außer-Haus-Lieferungen und Take-away-Angebote sind weiter erlaubt.

Vizekanzler Olaf Scholz betonte, er hoffe, dass Ausgangssperren in der Corona-Krise nicht zwingend werden. "Gerade in der gegenwärtigen Situation haben alle ein Bedürfnis nach frischer Luft", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Kritik am Vorpreschen Söders

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der die Ausgangsregelungen für Bayern bereits am Freitag verschärft hatte, sah sich am Wochenende mit massiver Kritik konfrontiert.

Man habe sich mit 15 anderen Bundesländern, einschließlich Bayern, darauf verständigt, "dass wir hier gemeinsam einen Weg gehen. Jetzt ist Bayern vorzeitig ausgeschert, wir wollten uns ja noch das Wochenende anschauen, den Samstag, und dann am Sonntag entscheiden, wie es weitergeht", kritisierte Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin Yvonne Gebauer Söders Vorpreschen.

Paris sperrt Seine-Ufer

In Frankreich verschärfte einige Kommunen unterdessen die Ausgangssperre Die südfranzösische Stadt Nizza will ab Samstag von 23.00 Uhr bis in die frühen Morgenstunden hinein ein totales Ausgangsverbot verhängen. Die Touristenorte Vallauris und Menton, die ebenfalls an der Côte d'Azur liegen, hatten bereits am Freitagabend erstmals zu dieser Maßnahme gegriffen.

Auch in Paris wurden die Maßnahmen der Ausgangssperre vor dem Wochenende verschärft. So wurden vor den Bahnhöfen die Kontrollen erhöht. Die Stadt sperrte außerdem die Seine-Ufer sowie Rasenflächen an der Esplanade des Invalides und an der Champ-de-Mars - dort steht der Eiffelturm - für Passanten.

Kopenhagen lenkt Spaziergänger

In Kopenhagen wurden am Samstag Schilder aufgestellt, die die Ströme an Spaziergängern lenken sollen. An den Promenaden entlang der Binnenseen soll nur in eine Richtung gegangen werden. Die Stadtverwaltung forderte die Kopenhagener auf Twitter auf, populäre Parks zu meiden: "Genieß die Sonne. Haltet Abstand. Sind zu viele Menschen an einem Ort, such dir einen anderen."

mit rtr, dpa-AFX und afp

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