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Chemnitz und Leipzig: Zugriff gegen Jaber al-Bakr

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Anschlag auf Flughafen geplant Mutige Landsleute fesselten Bombenbauer von Chemnitz

Der festgenommene Syrer von Chemnitz plante offenbar einen Anschlag auf den Berliner Flughafen. Er hatte 1,5 Kilogramm Sprengstoff in seiner Wohnung versteckt. Ermittler sehen Parallelen zu den Anschlägen von Brüssel und Paris. Dank des mutigen Einsatzes von Landsleuten wurde er in Leipzig gefasst.

Nach seiner Überwältigung durch andere syrische Flüchtlinge in Leipzig wollte sich der mutmaßliche Terrorist Jaber al-Bakr offenbar freikaufen. "Er hat versucht, uns mit Geld zu bestechen", sagte Mohammed A. dem Sender RTL. Der junge syrische Flüchtling hatte den gesuchten Terrorverdächtigen dem Bericht zufolge mit in seine Wohnung im Leipziger Stadtteil Paunsdorf genommen, nachdem dieser ihn am Hauptbahnhof angesprochen und nach einer Übernachtungsmöglichkeit gefragt habe.

Erst in der Wohnung sei ihm der Polizei-Fahndungsaufruf bei Facebook aufgefallen, zitiert der Sender A. Daraufhin habe er Freunde informiert und die Polizei verständigt. "Wir haben ihm gesagt: 'Du kannst uns so viel Geld geben wie du willst, wir lassen dich nicht frei'", sagte Mohammed A. "Dann haben wir ein Stromkabel geholt und ihn gefesselt."

A.s Anruf bei der Polizei sei zunächst aufgrund von Verständigungsproblemen erfolglos geblieben. Deshalb sei er mit einem Foto von al-Bakr zu einem Polizeirevier gefahren - darauf ist zu sehen, wie einer der Flüchtlinge den Gesuchten auf einem Sofa im Schwitzkasten hält. Die Füße al-Bakrs sind mit dem Kabel einer Verteilersteckdose gefesselt.

Auch mit der "Bild"-Zeitung sprach Mohammed A. über den Fall. Der Terrorverdächtige habe ihm und seinem Freund 1000 Euro und 200 Dollar für seine Freilassung angeboten. Das Geld habe er mit einem Messer in einem Rucksack aufbewahrt, zitiert die Zeitung A. "Ich bin Deutschland so dankbar, dass es uns aufgenommen hat. Wir konnten nicht zulassen, dass er Deutschen etwas antut."

Lob für den "mutigen" Mitbürger

Jaber al-Bakr, ein als Flüchtling registrierte Syrer, war am Montag in Leipzig gefasst worden. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes plante er offenbar einen Anschlag auf den Berliner Flughafen. Kanzlerin Angela Merkel dankte dem Syrer, dessen Hinweis zur Festnahme geführt habe. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich lobte ihn als "mutigen und verantwortungsbewussten" Mitbürger.

Nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank hatte al-Bakr bereits "eine sehr große Menge" eines "sehr hochexplosiven Sprengstoffs" hergestellt. Dafür sei "spezielles Know-how notwendig" gewesen. Deswegen habe die Bundesanwaltschaft auch die Ermittlungen übernommen.

Auf die Frage, ob die Anschlagsgefahr in Deutschland durch die Flüchtlingskrise gestiegen sei, sagte Frank in dem ARD-Interview: "Deutschland ist schon seit längerer Zeit im Visier des islamistischen Terrorismus." In den vergangenen zehn Jahren seien viele Taten von Deutschen oder in Deutschland lebenden Personen geplant worden, die teilweise rechtzeitig hätten vereitelt werden können. "Dabei handelte es sich nicht um Flüchtlinge."

A. war am 25. November 2015 in Nordrhein-Westfalen als Flüchtling registriert worden. Er stellte am 18. Dezember 2015 einen Asylantrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Bad Berleburg, dem am 5. März 2016 stattgegeben wurde. Seit 29. März 2016 lebte er in Viersen, bevor er am 12. Juli 2016 nach Chemnitz umzog.

Ab Mitte September seien beim Bundesverfassungsschutz, dem Bundesnachrichtendienst und mehreren Landesämtern für Verfassungsschutz erste Hinweise zu al-Bakr eingegangen. Der Mann soll im Internet nach Anleitungen zum Bombenbau recherchiert und sich Grundstoffe für den Bau eines Sprengsatzes beschafft haben.

Behörden sehen Zusammenhang mit IS

In der Wohnung des mutmaßlichen Terroristen fanden die Ermittler nach Angaben laut Bundesanwalt rund 1,5 Kilogramm "extrem gefährlichen Sprengstoffs" sowie "weitere Materialien, die unter anderem zur Herstellung einer Sprengstoffweste geeignet sind".

"Die Vorbereitungen in Chemnitz ähneln nach allem, was wir heute wissen, den Vorbereitungen zu den Anschlägen in Paris und Brüssel", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Al-Bakr habe "überaus professionell" agiert, so die Bundesanwaltschaft. Diese Vorgehensweise und das Verhalten des Verdächtigen sprächen derzeit für einen "IS-Kontext", sagte LKA-Chef Michaelis. Allerdings ist derzeit nicht bekannt, ob al-Bakr in direktem Kontakt mit IS-Kommandeuren in Syrien und dem Irak stand. Nach möglichen Hintermännern wird noch gefahndet.

syd/rei/dpa/Reuters/dpa/afp
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