Mittwoch, 27. Mai 2020

Rennen um die Kanzlerkandidatur Laschet und Spahn weit vor Merz - und Laschet schon im nächsten Duell

Markus Söder, Armin Laschet (rechts): Fernduell um die Kanzlerkandidatur
Wolfgang Kumm / DPA
Markus Söder, Armin Laschet (rechts): Fernduell um die Kanzlerkandidatur

Wenn Jens Spahn sich nicht doch dazu entscheiden sollte, gegen Armin Laschet anzutreten, dann ist das Rennen um den CDU-Vorsitz bereits gelaufen. Angesichts der Coronakrise scheint das Duo Laschet/Spahn  uneinholbar für Friedrich Merz zu sein - und Laschet rüstet sich bereits für das nächste Duell.

Es hätte für Friedrich Merz angesichts von Corona nicht schlechter laufen können: Ausgerechnet seine Konkurrenten Laschet und Spahn sind wegen ihrer Ämter, die sie in der Pandemie nicht nur zu Entscheidungsträgern, sondern zu Entscheidungsfällern machen, in der denkbar besten Ausgangsposition.

Die Möglichkeit, in ein Kabinett unter Merkel einzutreten, hatte der konservative CDU-Stratege Merz frühzeitig verworfen. Pech für ihn, denn nun steht er definitiv als Corona-Zuschauer draußen, hat keinerlei Gestaltungsmöglichkeit. Egal in welchem Ministerposten - seine Chancen wären aus dem Bundeskabinett heraus für den CDU-Vorsitz in jedem Falle höher als jetzt.

Es gibt ferner strategisch einen großen Unterschied in der öffentlichen Wahrnehmung von Angela Merkels Quarantäne und der krankheitsbedingten Corona-Quarantäne des Friedrich Merz: Während die Kanzlerin gewissermaßen mit dem Durchleben der regierungsamtlich verordneten Quarantäne als gutes Beispiel vorangeht, machte Friedrich Merz auch nur das, was die Regierung in solchen Fällen vorsieht. Er war zu Passivität verdammt.

Tom Buschardt
  • Copyright:
    Tom Buschardt ist seit Ende der 1990er Jahre Medientrainer. Er coacht Vorstände und Politiker für den optimalen Auftritt vor Mikrofon, Kamera und Publikum. Seit 2004 ist er auch Dozent an der Akademie des Auswärtigen Amtes (Interviewtraining). Er arbeitete für zahlreiche Sender der ARD sowie RTL Aktuell und ist Experte für Krisenkommunikation. www.buschardt.de

Bei Merz weiß man, dass er ein kluger Kopf und (bisher) auch ein sehr geschickter Stratege ist. Er war in Sachen Arroganz stets ein wenig über Normalwerten, aber das konnte man ihm nachsehen. Dann kam allerdings der Moment, wo er seine Wahlkampfmanagerin vorstellte - an einem Tag, wo in Deutschland bereits die Schulen geschlossen wurden. Merz sendete damit ein kraftvolles "Ich, ich, ich" in die Öffentlichkeit. Das kann auch bei seiner Fanbasis in der Union nicht gut ausgehen. Es gibt Momente im Leben, da muss sich auch ein ambitionierter Politiker einreihen. Jens Spahn hat es erfolgreich vorgemacht. Ein nach dem Rücktritt von Annegret Kramp Karrenbauer konstruktiv mitarbeitender Merz wäre sicher eine echte Bereicherung für die Union gewesen.

Laschet steckt bereits im Fernduell mit Markus Söder

Laschet dagegen befindet sich bereits jenseits vom CDU-Vorsitz im Fernduell mit Markus Söder um die Kanzlerkandidatur. Beide Ministerpräsidenten fahren in der öffentlichen Kommunikation eine unterschiedlich wirkende Strategie. Markus Söder hatte mit seinem Vorpreschen klar punkten können. In einer ausgesprochen guten Pressekonferenz hat er sich an die Spitze der Entscheider gesetzt. Das war strategisch richtig - und vor allem greift Söder hier nach der Chance, die Corona-Pandemie als Blaupause für die Kanzlerkandidatur zu nutzen.

Alle anderen Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten gerieten schnell ins Hintertreffen - einschließlich der Bundeskanzlerin. Doch die brachte in ihrer besonnenen Rede einen beruhigen, wenn auch ausgesprochen ernsten Ton in die politische Kommunikation hinein. Söder stand immer noch wie der harte, entscheidungsfreudige Macher da.

Und dann kam Armin Laschet. Zwar war sein Auftritt bei der entscheidenden Pressekonferenz formal betrachtet ausgesprochen schwach, aber er steht eher für das Modell Merkel als Söder. Und daran werden sich die Bundesbürger letztlich auszurichten haben. Während Söder noch im Duktus des Machers, Entscheiders und Verfechter harter Maßnahmen kommuniziert, bringt Laschet - wenn auch zurückhaltend und defensiv wirkend - bereits Ausstiegsszenarien ins Gespräch. Er verweist auf die Experten aus unterschiedlichen Bereichen und steht dennoch hinter den harten Maßnahmen. Das vermittelt Ernsthaftigkeit - aber auch Hoffnung, dass der "Landesvater" auch andere Sorgen seiner Bevölkerung nicht aus den Augen verliert.

Söder als entschlossener Macher - und Laschet in der Tradition Merkels

Söder wirkt dagegen monothematisch auf Sofort-Maßnahmen fixiert. Söder ist eher für den Augenblick vorne - Laschet eher mittel- bis langfristig. Armin Laschet steht damit auch in der Tradition Merkels, die mit 4 Kanzlerschaften ohnehin strategisch eher langfristig ausgerichtet ist und das erfolgreich macht.

Laschets strategischer Vorteil ist, dass er die Region Heinsberg, gewissermaßen das NRW-Epizentrum des Corona-Ausbruchs, in seinem Bundesland hat und auch deswegen hohe Aufmerksamkeit genießt. Weiterer Vorteil: Er hat den Virologen Professor Hendrick Streeck (Universität Bonn) in seinem Team, der in verschiednen Fernsehauftritten auch schon mal einräumt, mal etwas nicht zu wissen. Das bringt enorme Glaubwürdigkeit in die Handlungsoptionen des "Team Laschet".

Diese Strategie aus Handlungsbereitschaft, offenem Umgang mit Zweifeln und dem Beteuern, um das Wohl der Bürger Tag und Nacht zu ringen, sollte sich langfristig für Laschet besser auszahlen, wenn Söder seine Strategie nicht anpasst. Armin Laschet muss noch an einigen Punkten an seiner Performance arbeiten - da verschenkt er derzeit noch Potenzial. Inhaltlich dürfte sich sein Vorgehen nach der "Methode-Merkel" bei den Bürgern auszahlen.

Wie sich Spahn aus der Föderalismus-Falle befreite

Jens Spahn hatte das Problem des Föderalismus in den Griff zu bekommen: Als Bundesgesundheitsminister waren ihm formal bei der Aktion der Länder die Hände gebunden. Die wahren Entscheider sind die Länderchefs. Inzwischen ist es Spahn - auch durch die Art, wie er Interviews gibt und seine Antworten verpackt - sehr gut gelungen, eine sehr aktive Rolle in der Öffentlichkeit zu vermitteln. Er zieht in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit mit Söder und Laschet gleichauf.

Wagen wir mal den Gedanken, dass Spahn aus dem Gespann Laschet/Spahn auf dem CDU-Parteitag ausschert und seinen Hut in den Ring wirft: Sollte Spahn auf dem CDU-Bundesparteitag entgegen den allgemeinen Erwartungen doch gegen Laschet antreten (Merz rechne ich nur geringe Chancen aus), dann geht die Kanzlerkandidatur im Falle eines CDU-Vorsitzenden Jens Spahn eher an Söder.

Wenn die CDU einen Kanzlerkandidaten der CSU, der dann auch im Gegensatz zu Franz-Josef Strauß (1980) und Edmund Stoiber (2002) wirklich eine Chance auf das Kanzleramt hätte, verhindern will, dann MUSS sie Laschet zum Vorsitzenden wählen. Entscheidet sie sich für Friedrich Merz, wird Söder mit hoher Wahrscheinlichkeit Kanzlerkandidat.

Nach der akuten Corona-Krise wird sich herausstellen, ob die Bundesbürger eher Markus Söder oder Armin Laschet vertrauen würden. Die Umfragen werden es zeigen.Ich setze nicht nur in meiner Herkunfts-Eigenschaft als Nordrhein-Westfale auf Laschet.

Tom Buschardt ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wider.

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung