Mandat für Einsatz der Bundeswehr Bundestag schickt bis zu 1200 Soldaten in Syrien-Einsatz

Vor der namentlichen Abstimmung über das Mandat für den deutschen Einsatz im Syrien-Konflikt wird noch einmal heftig gestritten. Vor allem die Grünen sind sich auch fraktionsintern nicht einig.
Von mm-newsdesk
Tornado der Bundeswehr: Das Parlament stimmt heute über den Einsatz deutscher Soldaten in Syrien ab

Tornado der Bundeswehr: Das Parlament stimmt heute über den Einsatz deutscher Soldaten in Syrien ab

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Der Bundestag hat am Freitag dem Einsatz von bis zu 1200 deutschen Soldaten gegen die IS-Dschihadisten in Syrien mit breiter Mehrheit zugestimmt. Für das Mandat votierten 445 Abgeordnete, dagegen waren 146, wie Parlaments-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) mitteilte. Es gab sieben Enthaltungen. Vorgesehen ist, dass die Bundeswehr unter anderem mit sechs Aufklärungs-Tornados, einem Tankflugzeug sowie einer Fregatte den Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) unterstützt.

Im Bundestag war der Abstimmung eine lebhafte Debatte um den geplanten Einsatz der Bundeswehr gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien vorausgegangen. Union und SPD erklärten in der abschließenden Debatte am Freitag, Europa müsse endlich mehr Verantwortung in den arabischen Krisenstaaten übernehmen - auch militärisch. Linke und Grüne warfen der Regierung planloses Handeln vor.

Die Linksfraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht kritisierte: "Sie bekämpfen den IS dadurch nicht, sie werden ihn dadurch nur noch stärken." Wagenknecht erntete aber Kritik auch aus den Reihen der Grünen. Sie warfen ihr vor, sie kritisiere nur den Westen und seine Verbündeten, verschweige aber die zivilen Opfer russischer Luftangriffe in Syrien.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte an die Adresse der Bundesregierung: "Ich habe den Eindruck, Ihr Mandat ist Aktionismus." Es sei gefährlich vage formuliert. Er fragte: "Wer hat eigentlich den genauen Oberbefehl, die Franzosen oder die Amerikaner?" Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte in einem Interview von den USA gesprochen.

Geschlossenes Nein der Linken - Grüne sind zwiegespalten

Während die Linke ein geschlossenes "Nein"-Votum ankündigte, erklärten die Grünen-Politiker Cem Özdemir, Franziska Brantner und Marieluise Beck, sie wollten nicht gegen den Regierungsantrag stimmen, sondern sich enthalten. In einer persönlichen Erklärung der drei Abgeordneten hieß es: "Eine Enthaltung - auch wenn sie angesichts des Gewichts der Entscheidung ungewöhnlich sein mag - kann dem politischen Dilemma Ausdruck verleihen."

Sie wollten angesichts der jüngsten Terroranschläge Solidarität mit Frankreich zeigen und seien zudem der Ansicht, dass der IS auch militärisch bekämpft werden müsse. Die politischen Rahmenbedingungen für diesen Einsatz seien aber bislang ungeklärt. Drei Grüne wollten dem Vernehmen nach sogar mit "Ja" stimmen.

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, André Wüstner, hält perspektivisch auch einen Einsatz deutscher Bodentruppen im Bürgerkriegsland Syrien für möglich. "Ich schließe dahingehend nichts aus. Denn vor wenigen Wochen hat die Regierung auch den aktiven Einsatz im Krieg gegen den IS mit Flugzeugen ausgeschlossen, und wir wissen, wo wir heute stehen", sagte Wüstner im Bayerischen Rundfunk.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hielt dem auf einer Reise in Belgrad aber entgegen: "Keiner hat ein Interesse daran - weder die Amerikaner, noch wir, noch Russen -, dass das ein Einsatz wird, der sich über viele Jahre hinzieht."

Schon in wenigen Tagen sollen deutsche Aufklärungs-"Tornados", die Fregatte "Augsburg" und ein Tankflugzeug in den Kampf gegen den IS aufbrechen. Das Mandat gilt bis Ende 2016. Es erlaubt die Entsendung von bis zu 1200 Soldaten.

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen rief dazu auf, die europäische Verantwortung für die Krisenregion im Mittleren Osten anzuerkennen. Dies müsse auch im Namen unserer eigenen Sicherheit geschehen, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses. Er betonte, ohne politisches Konzept gegen den Terror der IS-Milizen werden der geplante Militäreinsatz zum Scheitern verurteilt sein. Umgekehrt werde es aber ohne militärische Präsenz keine Chance für die Diplomatie geben.

Union und SPD hatten die Abstimmung über den Einsatz am Morgen gegen den Widerstand der Opposition auf die Tagesordnung gesetzt. Grüne und Linke stimmten dagegen. Sie halten das Vorgehen für überstürzt. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Linkspartei, Petra Sitte, sagte: "Wir wollen uns nicht im "Tornado"-Tempo in diesen Krieg hineinziehen lassen." Viele Fragen seien unbeantwortet.

la/dpa