Bundestagswahlen 2021 Diese Unternehmer ziehen in den neuen Bundestag ein

Im neugewählten Bundestag werden nur wenige Unternehmer sitzen. Die Union setzt auf ihre Mittelständler – die SPD eher auf Manager. Die Grünen haben erstmals eine Gründerin in ihren Reihen. Und für die FDP bleibt ein Dax-Vorstand.
Grüne Gründerin: Katharina Beck zieht als einzige Grüne mit Gründungserfahrung in den Bundestag ein.

Grüne Gründerin: Katharina Beck zieht als einzige Grüne mit Gründungserfahrung in den Bundestag ein.

Foto: christine fiedler

Die Bundestagswahl ist geschlagen. Und während in Berlin die großen Koalitionsdiskussionen beginnen, ist schon eines klar: Nur wenige Unternehmerinnen und Manager sind ins Parlament eingezogen. Das ist der Gewähltenliste des Bundeswahlleiters  zu entnehmen. Von den zur Wahl Stehenden haben sogar einige den Einzug in den Bundestag verpasst. Somit dürfte die Zahl der Unternehmer in Berlin gegenüber der vergangene Legislatur eher sinken. Damals waren es laut der Stiftung Familienunternehmen 78. Wobei die Stiftung sich selbst von der Studie distanzierte. Die Abgeordneten würden den Begriff zu weit auslegen.

Am meisten Kandidaten mit unternehmerischen Background stellten CDU und CSU auf. Obwohl bereits im Vorfeld der Wahl einige prominente Mittelstandsvertreter ihr politisches Engagement nach den Lobbyskandalen der Union zurücklegten.

Unions-Unternehmer mit mäßigem Erfolg

Die Wirtschaftsvertreter der CDU und CSU konnten vor allem mittels Direktmandaten in den Bundestag einziehen. Etwa Christian von Stetten (51), der Vorsitzende des Parlamentskreis Mittelstand, verteidigte sein Direktmandat im baden-württembergischen Wahlkreis Schwäbsich Hall-Hohenhlohe. Der Wahlkreis gilt als Heimat des Mittelstands. Dieser Fakt dürfte von Stetten, dessen selbstgegründete Unternehmen indes von seiner Frau geführt werden, den Wahlkampf sicherlich vereinfacht haben. Apropos Mittelstand: Carsten Linnemann (44) ist Chef der parteinahen Mittelstandsunion. Auch er wird in der kommenden Legislaturperiode wieder im Bundestag sitzen. Vor seiner Karriere in der Politik war Linneman in der Finanzbranche. Er arbeitete als Volkswirt für die Deutsche Bank und die Industriebank IKB.

Bei der Schwesterpartei CSU bringt der ehemalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt (51) Unternehmenserfahrung mit. Er führte die Maschinenbaufirma Holzner. Nun zieht der Spitzenkandidat der CSU in Bayern dank seines Direktmandats wieder in den Bundestag ein. Auch Dobrindts Vorgänger als Verkehrsminister, Peter Ramsauer (67), wurde wiedergewählt. Der gelernte Müllermeister ist auch Inhaber der seit 1553 im Familienbesitz befindliche Talmühle in Traunwalchen.

Die Union hatte am Wahlsonntag keinen Grund zur Freude. Nach 16 Jahren der Regierung unter Angela Merkel fuhr sie ein historisch schlechtes Wahlergebnis ein. Die Niederlage mussten auch einige aktive Unternehmer in den Rängen der CDU hinnehmen. Etwa Joe Chialo, den Armin Laschet noch vor wenigen Wochen als Teil seines Kompetenzteams präsentierte. Chialo wird, nachdem er im Wahlkreis Berlin-Spandau der SPD unterlegen war, weiterhin Chef seines Plattenlabels Airforce1 Records bleiben. Auch Angelika Westerwelle und Sandra von Möller (52) wurden von den Wählern nicht nach Berlin entsandt.

Sozialdemokraten sind eher Manager als Gründer

Als die ersten Prognosen erschienen, jubelten die Sozialdemokraten in Berlin. Olaf Scholz könnte der nächste Bundeskanzler werden, wenn er erfolgreich eine Koalition bildet. Die Zahl der Gründer und Manager, die fürs Scholz Partei im Parlament sitzen werden ist hingegen ziemlich überschaubar: Selbstständige Unternehmer sind in der Partei rar. Daniel Schneider (44) gehört zu jener kleinen Gruppe. Schneider gewann das Direktmandat in Cuxhaven. Dort wird im kommenden Jahr – nach zwangsläufiger Coronapause – auch das von ihm mitbegründete Musikfestival Deichbrand steigen. Schneider ist Geschäftsführer. Andreas Schwarz (56) musste 2018 mit seinem Versand für Holzspielzeug Insolvenz anmelden. Ein Großkunde war in Konkurs gegangen. Bei der diesjährigen Wahl lief es besser für Schwarz. Auch er ergatterte ein Bundestagsmandat.

Wenngleich die Zahl der Gründer unter den Sozialdemokraten gering ist, so gibt es doch einige Manager in der Partei. Etwa Matthias-Mieves (35), der erstmals in den Bundestag einziehen wird. Der Telekom-Manager war in Bonn zuletzt für das Innovationsprogramm und die Investitionssteuerung verantwortlich. Darüber hinaus ist er Eigentümer eines Pflegedienstes. Um seine Engagements mit dem Politikerdasein unter einen Hut zu bekommen, nahm er sich für 2021 ein Sabbatjahr. Florian Post (40) von den Stadtwerken München konnte vom Sieg seiner Partei nicht profitieren. Post ist Manager für Energiepolitik bei den Stadtwerken München. Politik im Bundestag wird er nicht mehr machen. Post war auf einem schlechten Listenplatz gesetzt und verlor das Rennen um ein Direktmandat.

Eine Grüne Gründerin

Die Grünen blieben hinter den Erwartungen, die viele Beobachter und nicht zuletzt die Partei an sich selbst hatte, zurück. Dennoch könnten sie gemeinsam mit der FDP zu Kanzlermachern werden. Um eine Facette ist die Grüne Fraktion im Bundestag jedenfalls schon jetzt reicher. Die Hamburger Spitzenkandidatin Katharina Beck (38) gründete die Beratungsfirma "Schöne neue Welt Delüx".

Vor der Wahl arbeitete Beck bei der Unternehmensberatung Accenture. Dort war sie Direktorin für Nachhaltigkeitsstrategie. Außer Beck haben die Grünen aber wenige Unternehmer und Managerinnen in ihren Reihen. Dennoch näherte sich die Partei schon lange vor der Bundestagswahl der Wirtschaft.

Ehemaliger Dax-Vorstand zieht für FDP ins Parlament

Die FDP wird genauso wie die Grünen in den kommenden Wochen eine wichtige Rolle spielen. Und sich, wie Parteichef Christian Lindner stets betont, für Unternehmer- und Gründergeist in Deutschland einsetzen. Dabei sinkt auch die Zahl der aktiven Unternehmer bei den Liberalen. Volker Redder (62) gründete laut eigenen Angaben mehr als ein Dutzend Unternehmen. Bei der IT-Beratung i2dm ist er noch heute geschäftsführender Gesellschafter. Zusätzlich steht Redder dem Verband Familienunternehmer Bremen vor. Lencke Wischhusen (36), kandidierte hinter Redder auf der Bremer Landesliste und verpasste den Einzug in den Bundestag. Auch Alexander Kulitz (40) wurde nicht gewählt.

In Nordrhein-Westfalen zieht Carl-Julius Cronenberg (59) über die Landesliste wieder in das Parlament ein. Der FDP-Politiker leitete vor seiner ersten Legislaturperiode 2017 den traditionsreichen Familienbetrieb. Den Wahlkampf im Hochsauerlandkreis verlor Cronenberg gegen einen prominenten CDU-Kandidaten – Friedrich Merz.

Die liberale Fraktion wird die einzige im Bundestag sein, der ein ehemaliger Dax-Vorstand angehört. Thomas Sattelberger (72, früher bei Daimler, Lufthansa, Continental und Deutscher Telekom und neben seinem Mandat außerhalb von Wahlkampfzeiten auch mm-Kolumnist) kandidierte auf Platz fünf der bayrischen Landesliste und bleibt somit im Parlament.

Randparteien mit wenig Unternehmern

Die Linke musste lange um ihren Einzug zittern. Zwar ist die Partei unter der Fünf-Prozent-Hürde geblieben, wird aber dank Grundmandatsklausel dennoch im nächsten Bundestag vertreten sein. Einziges unternehmerisches Mitglied der Fraktion: Anke Domscheit-Berg (53). Domscheit Berg gründete nach Stationen bei Accenture, McKinsey und Microsoft eine eigene Firma für den Glasfaserausbau. Die zukünftige Mandatarin war nicht nur bei vielen Unternehmen engagiert. Sondern war vor ihrer Mitgliedschaft bei den Linken auch bei der Piratenpartei und den Grünen.

Am anderen Rand des politischen Spektrums, bei der AfD zieht erstmals Edgar Naujok (61) in den Bundestag ein. Naujok gehört der Leipziger IT-Systemanbieter Allyson, er gewann seinen Wahlkreis Leipzig-Land. Parteichef Tino Chrupalla (46) gewann ebenfalls sein Direktmandat. Chrupalla hatte vor seiner Politkarriere einen Malereibetrieb. Spitzenkandidatin Alice Weidel (42) hat zwar keine Erfahrung als Unternehmerin. Aber war bei namhaften Unternehmen wie Goldman Sachs und Allianz angestellt.

flx
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