Bundesbank Deutsche Wirtschaft Ende 2021 geschrumpft

Nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank ist das Bruttoinlandsprodukt Ende vergangenen Jahres geschrumpft. Die jüngste Corona-Welle belastete Handel, Tourismus, Konsum und bremste damit die Erholung der Wirtschaft.
Rückwärtsgang: Die Bundesbank hat unter Joachim Nagel Ende 2021 eine geschrumpfte Wirtschaft festgestellt

Rückwärtsgang: Die Bundesbank hat unter Joachim Nagel Ende 2021 eine geschrumpfte Wirtschaft festgestellt

Foto: POOL / REUTERS

Die deutsche Wirtschaft hat nach Einschätzung der Bundesbank Ende des vergangenen Jahres den Rückwärtsgang eingelegt. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte im Schlussquartal "etwas gesunken sein", erklärten die Volkswirte der deutschen Zentralbank in ihrem am Montag vorgelegten Monatsbericht. Grund dafür sei vor allem das wieder verstärkte Pandemiegeschehen. Dadurch sei der Dienstleistungssektor insbesondere im Dezember teilweise deutlich belastet worden.

Die vorläufigen BIP-Daten für das vierte Quartal werden am Freitag veröffentlicht. Das Statistische Bundesamt hatte in einer ersten groben Schätzung einen Rückgang um 0,5 bis 1,0 Prozent veranschlagt. Von Reuters befragte Ökonomen erwarten jedoch nur ein Minus von 0,3 Prozent.

Im vergangenen Jahr belasteten Lieferengpässe, gestiegene Preise bei Rohstoffen und Energie sowie die allgemein hohe Inflation Firmen und Verbraucher. Die dritte und vierte Corona-Welle dämpften Handel, Tourismus sowie Gastgewerbe und verhinderten eine schnellere Erholung. Die Wirtschaft wuchs im Gesamtjahr um 2,7 Prozent – der stärkste Anstieg des BIP seit 2017. Der Rückgang der Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 sei damit aber "bei Weitem noch nicht ausgeglichen", erklärte die Bundesbank. 2020 war die Konjunktur um 4,6 Prozent eingebrochen.

Inflationsrate bleibt "außerordentlich hoch"

Zum Jahresauftakt rechnet die Bundesbank mit einem weiterhin extrem hohen Preisdruck. Die Inflationsrate dürfte "außerordentlich hoch bleiben", warnt die deutsche Zentralbank in ihrem Bericht weiter. Dies zeichne sich ab, obwohl mehrere Sondereffekte entfielen, die voriges Jahr mit zum Preisauftrieb beitrugen.

Dazu zählt die Bundesbank unter anderem die Einführung des Klimapakets und die Rücknahme der vorübergehenden Senkung der Mehrwertsteuersätze. Hinzu kam demnach, dass sich Dienstleistungen und Industriegüter ohne Energie 2021 vor allem wegen Lieferengpässen und Preisanhebungen zum Ausgleich zuvor erlittener Gewinneinbußen zeitweise überaus kräftig verteuerten: Diese Faktoren würden nun auch "ins neue Jahr hineinwirken", so die Bundesbank-Volkswirte: "Hinzu kommt, dass aufgrund der erheblich angestiegenen Marktnotierungen für Erdgas die entsprechenden Endkundentarife kräftig angehoben werden." Im Dezember 2021 waren die Verbraucherpreise um 5,3 Prozent gestiegen und damit so stark wie seit 1992 nicht mehr.

sio/reuters