Arbeitslosigkeit steigt leicht Kurzarbeit hält die Menschen weiter im Job

Die Arbeitslosigkeit ist im Februar nur leicht gestiegen - auch weil viele Menschen in Deutschland weiter verkürzt arbeiten.
Jobcenter: Rund 2,9 Millionen Menschen waren im Februar offiziell als arbeitslos gemeldet

Jobcenter: Rund 2,9 Millionen Menschen waren im Februar offiziell als arbeitslos gemeldet

Foto: Uwe Anspach/ dpa

Der coronabedingte Lockdown hält seit Wochen an und in welchem Ausmaß Lockerungen nach dem 7. März in Kraft treten, ist noch ungewiss. Dennoch ist die Arbeitslosigkeit im Februar nur leicht gestiegen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) registrierte 2,904 Millionen Erwerbslose, wie die Behörde am Dienstag mitteilte. Das seien 4000 mehr gewesen als im Januar, aber 509.000 mehr als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote sei mit 6,3 Prozent unverändert geblieben.

Der Arbeitsmarkt halte dem Lockdown weiter stand. "Kurzarbeit sichert weiter in großem Umfang Beschäftigung und verhindert Arbeitslosigkeit", sagte BA-Chef Detlef Scheele (64) "Einzelne Branchen spüren die Folgen des Lockdowns, insgesamt erholt sich die Beschäftigung aber." Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Effekte stieg die Arbeitslosigkeit von Januar auf Februar leicht um 9000 Erwerbslose. Dies ist der erste saisonbereinigte Anstieg seit Juni 2020.

Nach vorläufigen Daten der BA erhielten im Dezember 2,39 Millionen Beschäftigte Kurzarbeitergeld, im November hatte die Zahl bei 2,26 Millionen gelegen. Im April vergangenen Jahres hatte die Zahl der Kurzarbeiter mit rund sechs Millionen ihren Höchststand erreicht und dann sukzessive abgenommen. Vom 1. bis einschließlich 24. Februar wurde nach Angaben der BA für 500.000 Beschäftige Kurzarbeit neu angezeigt.

Die Behörde hat im vergangenen Jahr mehr als 20 Milliarden Euro für Kurzarbeit ausgegeben. Scheele hatte dieses arbeitsmarktpolitische Instrument immer wieder gegen Kritik verteidigt. "Es wäre den Staat noch viel teurer gekommen, wenn die Menschen, deren Jobs durch Kurzarbeit erhalten werden konnten, arbeitslos geworden wären", hatte der BA-Chef erklärt.

Kurzarbeit nicht unumstritten

Eine Kehrseite der Kurzarbeit ist aber auch, dass die Produktivität der Beschäftigten offenbar sinkt. Einer Umfrage der Unternehmensberatung Boston Consulting Group zufolge gab mehr als die Hälfte (55 Prozent) der befragten Unternehmen im vergangenen November an, dass ihre Produktivität unter den Bedingungen der Kurzarbeit abgenommen habe. Wenn Mitarbeiter gar nicht oder nur eingeschränkt verfügbar seien, leide die Zusammenarbeit in Teams, viele Arbeitsprozesse liefen nicht störungsfrei. Und: Etwa die Hälfte der Unternehmen gab an, dass sie im Zuge der Kurzarbeit wichtige Transformations- und Innovationsprojekte stoppten oder verlangsamten. Nach Einschätzung von BCG drohe diese Entwicklung Deutschlands Unternehmen auf längere Sicht im internationalen Vergleich zurückzuwerfen.

In der Vergangenheit hatten Wirtschaftsexperten mehrfach die Kurzarbeit als zweischneidiges Schwert interpretiert und sich gegen eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes ausgesprochen. So kritisierten die Experten, dass Kurzarbeit angeschlagene Unternehmen von notwendigen Anpassungen abhalte.

rei/Reuters, AFP