Trotz Energiekrise Zahl der Arbeitslosen erneut leicht gesunken

In der Wirtschaft herrscht Krisenstimmung – der Arbeitsmarkt bleibt derweil auch im Oktober stabil. Es gibt aber Anzeichen, dass die Unsicherheit in den Firmen zunimmt.
Wirtschaftliche Unsicherheiten nehmen zu: Laut Andrea Nahles, der Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit, bereiten sich immer mehr Unternehmen auf mögliche Kurzarbeit vor

Wirtschaftliche Unsicherheiten nehmen zu: Laut Andrea Nahles, der Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit, bereiten sich immer mehr Unternehmen auf mögliche Kurzarbeit vor

Foto: Daniel Karmann / dpa

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Oktober im Vergleich zum Vormonat saisonüblich um 43.000 auf 2,442 Millionen zurückgegangen. Sie liege jedoch um 65.000 höher als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, teilte die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mit. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,1 Punkte auf 5,3 Prozent.

"Insgesamt ist der Arbeitsmarkt weiter robust, insbesondere die Beschäftigung wächst weiter", sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Andrea Nahles (52). Folgen der wirtschaftlichen Unsicherheiten seien aber sichtbar: "So bereiten sich wieder mehr Unternehmen auf mögliche Kurzarbeit vor und reduzieren ihre Nachfrage nach neuem Personal."

Im Oktober 2021 hatte die Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt jedoch noch einen doppelt so hohen Rückgang der Arbeitslosenzahl um damals 88.000 bewirkt. Allerdings geht die Bundesagentur weiter davon aus, dass die Geflüchteten aus der Ukraine derzeit einen Effekt auf die Zahl der Arbeitslosen haben.

Firmen wappnen sich mit Kurzarbeit gegen die Krise

Die Kurzarbeit ist zuletzt nicht mehr – wie in den Monaten zuvor – zurückgegangen. Für Nahles ist das auch eine Folge der zuletzt deutlicher werdenden wirtschaftlichen Unsicherheiten. Im August wurde den Berechnungen der Bundesagentur zufolge für 106.000 Menschen konjunkturelles Kurzarbeitergeld beantragt. Zwischen dem 1. und 26. Oktober gingen Anzeigen für weitere 86.000 Beschäftigte ein. Ob diese jedoch realisiert werden, ist nicht gewiss.

Auf dem Ausbildungsstellenmarkt zeichnet sich eine größer werdende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage ab. "Noch nie seit der Wiedervereinigung waren die Chancen auf eine Ausbildungsstelle so gut. Allerdings haben die Besetzungsprobleme für die Unternehmen merklich zugenommen", sagte Nahles.

Der Bundesagentur seien bis September 2022 insgesamt 546.000 Berufsausbildungsstellen gemeldet worden, 23.100 weniger als im Vorjahreszeitraum. Dem stehen 422.400 Bewerberinnen und Bewerber gegenüber, 11.100 weniger als voriges Jahr. Am 30. September waren noch 68.900 Stellen unbesetzt und 22.700 junge Leute noch unversorgt.

"Das Schlimmste kommt noch"

Während die Situation auf dem Arbeitsmarkt noch weitgehend stabil ist, warnen die Unternehmen vor einem Wirtschaftseinbruch in den kommenden Monaten. Sie erwarten einen harten Winter und ein schwieriges Jahr 2023. Als Gründe nannte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Energiepreiskrise, die hohe Inflation und die trübe Weltkonjunktur. "Die Unternehmen befürchten, dass das Schlimmste noch kommt", erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben (64).

Der DIHK erwartet nach einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von 1,2 Prozent im laufenden Jahr im kommenden Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von rund drei Prozent. Damit ist er deutlich pessimistischer als die Bundesregierung. Diese rechnet in ihrer Herbstprojektion damit, dass die Wirtschaft um 0,4 Prozent schrumpft.

Der DIHK legte Ergebnisse einer aktuellen Konjunkturumfrage unter mehr als 24.000 Betrieben aus allen Branchen vor. Demnach gehen 52 Prozent der Firmen davon aus, dass sich ihre eigenen Geschäfte in den nächsten zwölf Monaten verschlechtern werden. Nur noch acht Prozent rechnen mit einer Besserung.

"Das ist der schlechteste Wert, den wir jemals seit Beginn der Erhebung im Jahr 1985 gemessen haben", berichtete Wansleben. Besonders die energieintensiven Hersteller von Vorleistungsgütern schränkten ihre Produktion ein. In der chemischen Industrie sehe sich mehr als jeder vierte Betrieb zu Drosselungen gezwungen, in der Gummi- und Kunststoffindustrie sei es mehr als jeder fünfte.

mmq/Reuters/dpa
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