Brexit und die Folgen Schottland macht Stimmung für Scoxit +++ EU-Finanzmarktkommissar Hill tritt zurück +++

Die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas wird die EU verlassen. Die Union versucht, ihren Zerfall zu verhindern.
Die Außenminister (v.l.n.r.): Luxemburgs Jean Asselborn, Italiens Paolo Gentiloni, Frank-Walter Steinmeier, Belgiens Didier Reynders, Frankreichs Jean-Marc Ayrault und Bert Koenders, Außenminister der Niederlande.

Die Außenminister (v.l.n.r.): Luxemburgs Jean Asselborn, Italiens Paolo Gentiloni, Frank-Walter Steinmeier, Belgiens Didier Reynders, Frankreichs Jean-Marc Ayrault und Bert Koenders, Außenminister der Niederlande.

Foto: JOHN MACDOUGALL/ AFP

21.15 Uhr: Schottland erwägt die Blockade eines britischen EU-Ausstiegs. Sollte sich herausstellen, dass dies zur Sicherung schottischer Interessen notwendig sei, werde sie diesen Weg gehen, sagte die Chefin der schottischen Regionalregierung, Nicola Sturgeon, am Sonntag der BBC. Dazu gehöre im Zweifel auch, dem schottischen Parlament eine Blockade der erforderlichen Brexit-Gesetzgebung zu empfehlen. Ein "Nein" des schottischen Parlaments hätte Gewicht. Die komplexen Vereinbarungen zur Macht-Aufteilung in Großbritannien beinhalten, dass die Regionalregierungen in Schottland, Wales und Nordirland Entscheidungen aus London wie einen EU-Austritt mittragen müssten. Ein anderer Weg könnte für Schottland indes darin bestehen, das Volk nochmals über eine Unabhängigkeit von Großbritannien abstimmen zu lassen. Dann könnte Schottland in der EU bleiben, während die übrigen Länder Großbritanniens ausscheiden könnten. Sturgeon sagte, es sei "sehr wahrscheinlich" dass es zu einem solchen zweiten Referendum nun komme. 2014 hatten die Schotten mit 55 zu 45 Prozent gegen eine Abspaltung gestimmt.

Sonntag, 9.15 Uhr: In Schottland bahnt sich nach der Entscheidung der Briten zum Austritt aus der EU eine erneute Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Schottlands von Großbritannien an. 59 Prozent der Befragten sind jetzt für die Unabhängigkeit ("Scoxit"), wie aus der Erhebung für die Zeitung "Sunday Post" hervorgeht. Beim letzten Referendum zu der Frage im Jahr 2014 waren es nur 45 Prozent. Die Mehrheit war dafür, im Vereinigten Königreich zu bleiben. Eine Sorge war damals, dass Schottland nicht mehr Teil der Europäischen Union sein könnte. Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon hatte bereits am Samstag eine erneute Abstimmung in Aussicht gestellt: "Ein zweites Unabhängigkeitsreferendum ist ganz klar eine Option, die auf den Tisch muss und sie ist sehr präsent auf dem Tisch."

Samstag, 15.30 Uhr: Die EU-Mitgliedstaaten dringen auf ein schnelles Ausscheiden Großbritanniens, um nach dem Brexit-Votum den Weg für einen Neuanfang in der Staatengemeinschaft freizumachen. "Dieser Prozess sollte sobald wie möglich losgehen", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier im Namen der EU-Gründungsstaaten am Samstag nach einem Treffen in Berlin. "Es muss uns jetzt die Möglichkeit gegeben werden, dass wir uns mit der Zukunft Europas beschäftigen", forderte Steinmeier. Sein französischer Kollege Jean-Marc Ayrault sagte, er erwarte einen neuen britischen Regierungschef "innerhalb weniger Tage".

Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich zurückhaltender als Steinmeier: "Ehrlich gesagt: Es soll nicht ewig dauern. Aber ich würde mich auch nicht wegen einer kurzen Zeit verkämpfen." Sie gehe davon aus, dass Großbritannien das Votum nun auch umsetzen wolle.

13.45 Uhr: Der britische EU-Finanzmarktkommissar Jonathan Hill tritt nach dem Brexit-Votum seines Landes zurück. "Ich glaube nicht, dass es richtig wäre, jetzt als britischer Kommissar weiter zu machen als ob nichts geschehen wäre", sagte Hill am Samstag in Brüssel. Er habe daher Kommissonspräsident Jean-Claude Juncker mitgeteilt, dass er zurücktrete. In der EU-Kommission, eine Art europäische Regierung, stellt jedes Mitgliedsland einen Kommissar. Hills Aufgaben übernimmt der lettische Vize-Kommissionspräsident Valdis Dombrovskis, der auch für den Euroraum zuständig ist.

13.30 Uhr: Die schottische Regionalregierung trifft Vorbereitungen für ein zweites Referendum über die Unabhängigkeit des nördlichen Landesteils von Großbritannien. Die notwendigen rechtlichen Schritte würden jetzt vorbereitet und eigene Gespräche mit der EU aufgenommen, sagte Regierungschefin Nicola Sturgeon am Samstag in Edinburgh nach einem Treffen des Kabinetts. "Das Kabinett hat zugestimmt, dass wir umgehend Gespräche mit EU-Institutionen und

Schotlands Regierungschefin Nicola Sturgeon (r.) auf dem Kabinettstreffen am Samstag.

Schotlands Regierungschefin Nicola Sturgeon (r.) auf dem Kabinettstreffen am Samstag.

Foto: JANE BARLOW/ AFP

anderen EU-Mitgliedstaaten aufnehmen, um alle Möglichkeiten auszuloten, Schottlands Platz in der EU zu schützen." 2014 hatten 55 Prozent Schotten in einem Referendum gegen die Unabhängigkeit Schottlands gestimmt. In der Volksabstimmung über den Brexit stimmte eine deutliche Mehrheit der Schotten für den Verbleib in der EU,

10.15 Uhr: Die Außenminister aus den sechs Gründerstaaten der Europäischen Union - damals hieß das Bündnis noch EWG - sind am Samstag in Berlin zu Beratungen über die Folgen des Brexit-Referendums zusammengekommen. An dem Treffen nehmen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sowie seine Kollegen aus Frankreich, Italien und den Benelux-Ländern teil. Deutschland und Frankreich wollen dabei gemeinsame Vorschläge zur Weiterentwicklung der Europäischen Union (EU) vorlegen. Im Entwurf für eine gemeinsame Erklärung ist von einer "flexiblen Union" die Rede, die Raum lassen soll für Partnerländer, die weitere Integrationsschritte noch nicht mitgehen können oder wollen.

Samstag, 0.30 Uhr: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schließt weitere Referenden zum Austritt aus der Europäischen Union nicht aus. Dies sei möglich, "da Populisten in der Regel keine Gelegenheit auslassen, um mit viel Lärm für ihre Anti-Europa-Politik zu werben", sagte Juncker in einem Interview der "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe). Der sogenannte Brexit sei dennoch nicht der Anfang vom Ende. Europa müsse sich nun darauf konzentrieren, Investitionen anzukurbeln, Arbeitsplätze zu schaffen und für die Sicherheit der Bürger zu sorgen.

Indirekt stellte Juncker den Verbleib des britischen EU-Kommissars Jonathan Hill infrage, der in Brüssel für den Finanzmarkt zuständig ist. "Das ist jetzt zuallererst eine persönliche Entscheidung von Lord Hill, den ich als erfahrenen Politiker sehr schätze", so der Kommissionspräsident. Den etwa 1000 britischen EU-Beamten gab Juncker eine Jobgarantie. Denn sie arbeiteten für Europa und nicht Großbritannien.

Der Brexit-Tag

Freitag, 17.45 Uhr: Schwarzer Tag für Europa, schwarzer Tag für die Börsen. Der Dax (Kurswerte anzeigen) baut im späten Handel seine Verluste auf 700 Punkte aus und geht schließlich mit einem Verlust von 6,8 Prozent bei 9557 Zählern ins Wochenende. Zum Handelsauftakt war der Deutsche Leitindex um mehr als 10 Prozent eingebrochen, der größte Verlust seit der Finanzkrise im Jahr 2008. An der Wall Street verliert der Dow Jones  bis zum Handelsschluss in Europa rund 500 Punkte (2,7 Prozent).

Irische Ryanair, britische Easyjet: Flugrechte müssen neu geregelt werden

Irische Ryanair, britische Easyjet: Flugrechte müssen neu geregelt werden

Foto: DENIS CHARLET/ AFP

16.30 Uhr: Der Brexit durchkreuzt die Geschäftspläne großer Fluggesellschaften. Die britische Billigfluglinie Easyjet bastelt an Optionen zur Sicherung ihres Geschäftsmodells, und ihre irische Rivalin Ryanair äußerte sich schockiert. Als Verliererin sieht sich vorerst auch die einstige Staatsfluglinie British Airways. Die Aktien verloren zwischen 11 und 22 Prozent an Wert. "Diese verrückten Briten!", entfuhr es Ryanairs Marketing-Chef Kenny Jacobs im Gespräch mit der Touristik-Fachzeitschrift "fvw". Die Fluggesellschaft, die seit Monaten für einen Verbleib Großbritanniens in der EU geworben hatte, hat einen wesentlichen Teil ihrer insgesamt 340 Jets in dem Land stationiert. Weil die Flugrechte nach EU-Recht vereinbart sind, droht nach einem Brexit eine Neuregelung. Fluglinien aus Nicht-EU-Ländern fliegen in der Regel nur aus ihren Heimatstaaten in andere Länder und zurück.

16.00 Uhr: An den Börsen stabilisieren sich die Indizes nach der ersten großen Verkaufswelle ein wenig. Der Dax , der am Freitag Morgen um mehr als 1000 Punkte (10 Prozent) verloren hatte, grenzte seine Verluste im späten Handel auf 6 Prozent ein. Der Grund: An der Wall Street hält der Dow Jones  seine Verluste mit 2 Prozent in Grenzen.

15 Uhr: Deutschland und Frankreich rücken zusammen: Die beiden EU-Kernstaaten wollen gemeinsame Vorschläge zur Weiterentwicklung der Europäischen Union vorlegen. Ziel ist, dass sich eine Entwicklung wie in Großbritannien nicht in anderen Staaten der EU wiederholt. "Europa braucht jetzt Orientierung. Da stehen Frankreich und Deutschland besonders in der Verantwortung", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Nach Angaben aus diplomatischen Kreisen wollen Steinmeier und Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault dazu bereits an diesem Samstag in Berlin ein gemeinsames Papier präsentieren. Zu dem Treffen werden auch die Außenminister aus den vier anderen Gründerstaaten der EU erwartet.

14.30 Uhr: Morgan Stanley ist eine der Banken, an die sich die Willkommensadresse der Frankfurt Main Finance richtet. Die US-Bank wird einen großen Teil ihrer Jobs aus der Londoner City verlagern.

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Noch-Premier Cameron will sich um die Austrittsmodalitäten nicht mehr kümmern. Das soll sein Nachfolger machen. Und der steht wohl nicht vor Oktober fest

Noch-Premier Cameron will sich um die Austrittsmodalitäten nicht mehr kümmern. Das soll sein Nachfolger machen. Und der steht wohl nicht vor Oktober fest

Foto: UK POOL

13.30 Uhr: Die EU-Spitzen Jean-Claude Juncker (Kommission), Donald Tusk (Rat) und Martin Schulz (Parlament) mögen Großbritannien ja zur Eile drängen, das Brexit-Votum schnell umzusetzen und einen Austrittsantrag in Brüssel zu stellen. Doch die Briten spielen erst mal auf Zeit. "Es gibt keine Notwendigkeit für einen genauen Zeitplan", sagte der scheidende Premierminister David Cameron. Die Verhandlungen mit Brüssel solle sein Amtsnachfolger führen, der im Oktober gekürt werden könnte. "Eine Verhandlung mit der Europäischen Union wird unter einem neuen Premierminister beginnen müssen", betonte Cameron.

13 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine gemeinsame Reaktion der 27 EU-Staaten auf einen Austritt Großbritanniens aus der EU gefordert. "Die EU ist stark genug, um die richtigen Antworten auf den heutigen Tag zu geben", sagte Merkel in einer Erklärung am Freitag. Sie habe den französischen Präsidenten Francois Hollande, den italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi und EU-Ratspräsident Donald Tusk für Montag nach Berlin eingeladen. Am Dienstag werde man dann auf dem EU-Gipfel das gemeinsame Vorgehen beraten. Am Dienstag hat der Bundestag eine Sondersitzung anberaumt, in der Merkel eine Regierungserklärung abgeben wird. "Der heutige Tag ist ein Einschnitt für Europa. Er ist ein Einschnitt für den europäischen Einigungsprozess", betonte die Kanzlerin.

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12.30 Uhr: Kurios - viele britische Bürger, die für einen Abschied von der Europäischen Union gestimmt haben, leben in Regionen, die besonders stark vom Handel mit der EU abhängig sind.

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12 Uhr: Für die Banker in der Londoner City ist das Brexit-Votum ein Desaster. Bis zu 10.000 Londoner Bankers werden laut Schätzungen ihren Arbeitsplatz von der britischen Hauptstadt auf den Kontinent verlagern müssen, da der europäische Zahlungsverkehr nicht in einem Nicht-EU-Land abgewickelt werden kann. "Die Türen in Frankfurt stehen weit offen, die Banker von der Insel sind bei uns willkommen", sagte Hubertus Väth, Sprecher der Lobbyguppe Frankfurt Main Finance. In Kürze werde Frankfurt Main Finance eine Roadshow in London starten und allen Banken Beratung anbieten, die jetzt ihren Umzug auf den europäischen Kontinent beschleunigen wollen.

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Brexit-Nacht: Die besten Bilder

Foto: Hannah Mckay/ dpa

11.30 Uhr: Der britische Notenbankenchef Mark Carney hat nach dem Votum für den Brexit die Bereitschaft der Notenbank zur Stabilisierung der Märkte betont. Die Bank of England werde nicht mit zusätzlichen Maßnahmen zögern, sagte Carney am Freitagmorgen. Man sei bereit, mehr als 250 Milliarden Pfund bereitzustellen, um die Funktionsfähigkeit der Märkte aufrechtzuerhalten. Die Notenbank sei gut auf den Brexit vorbereitet. Man werde im Laufe der kommenden Wochen die wirtschaftlichen Bedingungen bewerten.

11.20 Uhr: Der Brexit gibt auch den Euro-Kritikern in Frankreich und den Niederlanden Auftrieb. Marine Le Pen nutzte zeitweise sogar einen Union-Jack als Twitter-Bild: Für die Vorsitzende der französischen Front National eine bemerkenswerte Wahl. Aber wenn man seiner Freude freien Lauf lässt, vergisst man schon mal seine Prinzipien. In den Niederlanden kündigte Rechtspopulist Geert Wilders an, sich nach dem Brexit nun auch für ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft stark zu machen.

11.15 Uhr: Das Brexit-Votum hat zu heftigen Turbulenzen am Devisenmarkt geführt. Der Euro gab um 3,5 Prozent auf 1,09 US-Dollar nach, das britische Pfund rutschte auf den tiefsten Stand seit 1985 ab. Die britische Währung fiel zwischenzeitlich unter 1,33 Dollar bis auf 1,3229 Dollar. Damit war das Pfund rund elf Prozent billiger als in der Nacht, als die britische Währung zeitweise noch etwas mehr als 1,50 Dollar gekostet hatte.

11.00 Uhr: Der Crash an den Börsen in Folge des Brexit-Entscheids hat Experten zufolge weltweit fünf Billionen Dollar an Börsenwert vernichtet. Dies entspreche dem Doppelten der gesamten Wirtschaftsleistung Großbritanniens und 17 Prozent der Wirtschaftsleistung der G7-Staaten im vergangenen Jahr, schrieb Aktienstratege Christian Kahler von der DZ Bank in einem Kurzkommentar. Allein im Dax hätte sich zum Handelsstart eine Marktkapitalisierung von 95 Milliarden Euro in Luft aufgelöst. Der Dax , der im frühen Handel mehr als 10 Prozent eingebrochen war, konnte seine Verluste zuletzt auf 6 Prozent begrenzen.

Brüder im Geiste: Trump und Johnson sind zufrieden

Brüder im Geiste: Trump und Johnson sind zufrieden

Foto: Getty Images

10.30 Uhr: Der designierte Kandidat der US-Republikaner bei den Präsidentenwahlen, Donald Trump, zeigt sich erfreut über das Brexit-Votum. Die Briten hätten "wieder die Kontrolle über ihr Land" zurückgewonnen, sagt Trump in Schottland, wo er ein Golf-Hotel eröffnet. Brexit-Befürworter Boris Johnson, der nach der Brexit-Entscheidung heißer Kandidat auf die Nachfolge von David Cameron als britischer Regierungschef ist, hatte seinen Wahlkampf ganz im Geiste von Donald Trump geführt. Zu einer gemeinsamen Golf-Partie der beiden wird es heute zeitlich nicht reichen - obwohl Trump liebend gerne mit Johnson ein paar Bälle schlagen würde.

10.20 Uhr: Durch den Brexit verlieren nach Ansicht von Airbus-Chef Tom Enders sowohl Großbritannien als auch Europa. Er hoffe, dass den Betroffenen ein möglichst geringer Schaden entstehe. "Aber natürlich werden wir unsere Investitionsvorhaben in Großbritannien überdenken, so wie jeder andere auch", erklärt Enders.

10.00 Uhr: Nordirlands Regierungschefin hat nach dem Brexit-Votum jeglichen Ideen eines Austritts Nordirlands aus dem Königreich eine Absage erteilt. Ein Referendum für ein vereinigtes Irland wäre niemals erfolgreich, sagt die Erste Ministerin Arlene Foster. Im Gegensatz zu Nordirland dürfte sich jedoch Schottland mittelfristig aus dem "United Kingdom" verabschieden.

9.30 Uhr: Die alte Europäische Gemeinschaft lebt wieder auf. Am Samstag treffen sich die Außenminister der sechs EU-Gründerstaaten Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Luxemburg und Niederlande in Berlin, teilt das Auswärtige Amt mit. Es werde um "aktuelle europapolitische Themen" gehen.

9.25 Uhr: Die Deutsche Börse  und die London Stock Exchange  wollen ihren Zusammenschluss trotz des geplanten Austritts Großbritannien aus der EU durchziehen. Wegen des Brexit sei eine Verbindung zwischen Frankfurt und London sogar noch wichtiger, erklärt Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Joachim Faber.

9.20 Uhr: Premierminister David Cameron tritt vor die Presse. Der Wille des Volkes müsse respektiert werden. Er gratuliere allen Beteiligten der "Leave"-Kampagne - er selbst werde sich zurückziehen, nachdem sein Werben für den Verbleib in der EU keinen Erfolg hatte. Bis zum Parteitag der Konservativen im Oktober solle es einen neuen Regierungschef geben. "Das Land braucht eine neue Führung", sagte Cameron. Einer der Kandidaten für die Cameron-Nachfolge als Premier ist der Brexit-Befürworter Boris Johnson.

Sehen Sie hier David Camerons Rücktritts-Erklärung im Original:

9 Uhr: Die Frankfurter Börse öffnet - wie erwartet mit einem kräftigen Kurseinbruch. In den ersten Handelsminuten fällt der Dax (Kurswerte anzeigen) schon um 11 Prozent, ebenso der EuroStoxx 50 . Für den Dax wäre das der zweitgrößte Tagesverlust, nur übertroffen vom 16. Oktober 1989 (der damals schnell wieder wettgemacht wurde).

An der Londoner Börse knickt der FTSE 100  um 8 Prozent ein. Besonders hart erwischt es dort Aktien von Banken wie Barclays (Kurswerte anzeigen) mit minus 29 Prozent. Der global aufgestellte Branchenführer HSBC  allerdings verbucht einen moderaten Verlust von 5 Prozent. Weniger Brexit-Angst zeigen die Anleger in China. Der Index CSI 300 schließt mit einem Verlust von nur 1,3 Prozent.

8.55 Uhr: So haben die Briten gewählt:

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Norwegen, Schweiz, Kanada oder einfach nur WTO: Vier Modelle für die britisch-europäische Zukunft

Foto: Hannah Mckay/ dpa

8.45 Uhr: "Das ist kein guter Tag für Europa", sagt Deutsche-Bank-Chef John Cryan. Sein Institut sei aber für den Brexit gerüstet: "Sicherlich sind wir als Bank mit Sitz in Deutschland und einem starken Geschäft in Großbritannien gut darauf vorbereitet, die Folgen des Austritts zu mildern", sagt der Brite. Die Aktie der Deutschen Bank  steht vorbörslich fast 15 Prozent im Minus.

8.40 Uhr: Nigel Farage, Chef der Anti-EU-Partei UKIP, triumphiert: "Die EU versagt, die EU stirbt. Ich hoffe, wir haben den ersten Stein aus der Mauer gebrochen. Ich hoffe, das ist der erste Schritt zu einem Europa souveräner Nationen."

8.35 Uhr: BMW (Kurswerte anzeigen) erwartet nach dem Brexit-Votum keine unmittelbaren Auswirkungen auf seine Aktivitäten in Großbritannien. Der Münchner Autobauer mit den Konzernmarken BMW, Mini und Rolls-Royce hat dort vier Standorte mit fast 8000 Beschäftigten

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Brexit-Nacht: Die besten Bilder

Foto: Hannah Mckay/ dpa

8.30 Uhr: "Ich bin schockiert, dass sich die Briten entschieden haben, die EU zu verlassen", erklärt RWE-Chef Peter Terium. "Niemand weiß genau, welche wirtschaftlichen Folgen der Brexit langfristig haben wird", fügt er hinzu. Für das wichtige britische Geschäft seines Konzerns sei er aber "sehr zuversichtlich": "Sollte es zu Handelshürden kommen, würden uns diese wohl nur am Rande treffen."

Es ist amtlich: 51,9 Prozent für den Brexit

8.25 Uhr: Europa wird nach den Worten von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble jetzt zusammenstehen. Man müsse nach vorne schauen und mit der Situation umgehen. Das Verfahren zu einem EU-Austritt sei eindeutig geregelt und müsse nun angewendet werden.

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Brexit-Nacht: Die besten Bilder

Foto: Hannah Mckay/ dpa

8.15 Uhr: Das vorläufige amtliche Endergebnis steht fest. Die Briten haben mit 51,9 Prozent für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Insgesamt hätten 17,4 Millionen Menschen für den Brexit votiert, teilen die britischen Behörden am nach Auszählung sämtlicher 382 Wahlbezirke mit. 16,1 Millionen Menschen und damit 48,1 Prozent der Beteiligten stimmten dagegen für den Verbleib in dem Staatenbund.

8 Uhr: Premierminister David Cameron bleibe trotz seiner Niederlage im Amt, sagt der britische Außenminister Philip Hammond. Was das Land jetzt brauche, sei Stabilität und Kontinuität.

7.30 Uhr: Der Chef des britischen Sportwagenherstellers Aston Martin, Andy Palmer, fordert in einem Reuters-Interview die britische Regierung auf, den britischen Unternehmen trotz des Brexit den zollfreien Zugang zum EU-Markt zu sichern.

7.10 Uhr: Die britische Wirtschaft hatte bereits im Vorfeld geordnete Ausstiegsverhandlungen mit ruhiger Hand angemahnt, um den Übergang so glimpflich wie möglich zu gestalten. Doch so mancher Politiker in der EU und sieht das anders und lehnt eine Sonderbehandlung Großbritanniens schlichtweg ab: "Es kann keine Sonderbehandlung für Großbritannien geben", sagt der Chef der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Manfred Weber (CSU). "Die Austrittverhandlungen müssen rasch abgeschlossen werden, spätestens in zwei Jahren."

7 Uhr: Es ist entschieden! Großbritannien kehrt Europa den Rücken: Der Vorsprung des Brexit-Lagers sei uneinholbar, berichtet die BBC am Freitagmorgen. Das anti-europäische Lager habe 16.784.000 Stimmen auf sich vereint und damit die absolute Mehrheit erreicht. Der Austritt des Landes aus der EU ist damit nach mehr als 40 Jahren Mitgliedschaft besiegelt. Bisherigen Ergebnissen zufolge kam das Brexit-Lager auf etwa 51 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei gut 72 Prozent. An den Börsen brach weltweit Panik aus, das Pfund stürzte zum Dollar auf den niedrigsten Stand seit mehr als 30 Jahren.

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Der Brexit und seine Kinder: Welche Länder einem EU-Austritt der Briten folgen könnten

Foto: © Michael Dalder / Reuters/ REUTERS

6.50 Uhr: Große Teile der britischen Boulevard-Presse hatten sich schon im Wahlkampf für den EU-Austritt Großbritanniens ausgesprochen - unter anderem auch die "Sun". Nun feiert das Massenblatt den Sieg der Brexit-Befürworter. Ob das Blatt sein Engagement für die Abspaltung der Insel von Europa irgendwann mal bereuen wird?

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6.47 Uhr: Mit dem sich abzeichnenden Brexit gewinnen die Rechtspopulisten in Europa Oberwasser: So fordert nun der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft seines Landes. Schon am Donnerstag hatte er dem Fernsehsender Phoenix gesagt: "Man kann den Geist nicht mehr in die Flasche bekommen. Das Ende der EU hat schon begonnen, unabhängig davon, wie sich die Briten entscheiden." Der rechtsextreme Front National fordert ein EU-Referendum auch für Frankreich. "Die Freiheit der Völker siegt am Ende immer", twittert Parteivize Florian Philippot.

Schotten bringen Crackxit ins Spiel

6.40 Uhr: Der drohende Ausstieg Großbritanniens aus der EU hat die Anleger in den Schweizer Franken getrieben. Die Währung kletterte zum Euro auf den höchsten Stand seit August 2015. Ein Euro kostete am Freitagmorgen 1,0686 Franken.

6.30 Uhr: Kommt nach dem Brexit der Crackxit? Sowohl Schottische als auch nordirische Politiker stellen nach dem Referendum die Zukunft des Vereinigten Königreiches infrage. So sehen die Schotten nach den Worten der schottischen Regierungschefin Nicola Sturgeon ihre Zukunft als Teil der EU.

6.23 Uhr: Nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen liegt das Brexit Lager weiter vorn.

6.22 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel meldet sich via Twitter zu Wort. "Damn! Ein schlechter Tag für Europa", schreibt der Vizekanzler.

5.57 Uhr: Die Talfahrt an den Börsen in Ostasien und Australien beschleunigt sich. Der Nikkei gibt zur Stunde rund 8 Prozent nach. Auch der südkoreanische Kospi und und der australische S&P/ASX 200-Index brechen ein. Relativ moderat fielen bislang die Verluste zunächst in China aus.

Grün ist abwärts: In Japan purzeln die Kurse

Grün ist abwärts: In Japan purzeln die Kurse

Foto: DPA

5.50 Uhr: Die Medien in Großbritannien haben sich entschieden - die über jeden Zweifel erhabene BBC und auch Sky News sehen das Brexit-Lager als Sieger des EU-Referendums. Ihr Urteil basiert auf der Auswertung von 304 der 382 Wahlbezirke. Die Wahlbeteiligung lag nach offiziellen Angaben bei 72,2 Prozent.

5.30 Uhr: In mehr als 289 der 382 Wahlbezirke erreichen die Austritts-Befürworter etwas über 12 Millionen Stimmen, das Pro-EU-Lager hat mehr als 700.000 Stimmen weniger. 16,8 Millionen Stimmen sollen zum Sieg reichen.

5.15 Uhr: Die EU-Gegner scheinen ihre Position festigen zu können, das Brexit-Lager liegt nach Auszählung von zwei Dritteln der Wahlbezirke vorn. In den 269 der 382 Wahlbezirke erreichten die Austritts-Befürworter 10,996 Millionen Stimmen, das Pro-EU-Lager gut 600.000 Stimmen weniger.

Britisches Pfund verliert zweistellig - Farage fordert Cameron zum Rücktritt auf

5.10 Uhr: UKIP-Chef Nigel Farage fühlt sich offenbar schon wie der sichere Sieger. Er fordert mal flugs Premierminister David Cameron zum sofortigen Rücktritt auf.

5.05 Uhr: Das sieht nicht gut aus: Auf außerbörslichen Plattformen macht der Dax schon längst eine Achterbahnfahrt durch. Gegen 5 Uhr morgens notiert der deutsche Leitindex fast 700 Punkte im Minus - prozentual wäre ein Minus von rund 7 Prozent.

4.58 Uhr: Jetzt wird gezockt, oder sind das die ersten Anzeichen von Panik? Das Pfund verbucht zweistellige Verluste und rutscht erstmals seit 1985 unter die Marke von 1,35 Dollar - und zieht den Euro mit nach unten: Die Gemeinschaftswährung notiert nur noch knapp über 1,10 Dollar. Die Märkte gehen offenbar davon aus, dass im Falle eines Brexit auch die deutsche Wirtschaft erheblich leiden wird. Die Buchmacher wie Betfair taxieren die Wahrscheinlichkeit eines Brexit mittlerweile auf fast 90 Prozent! Der Fernsehsender ITV rechnete in einer Analyse zu drei Viertel mit einem Votum für den Ausstieg. Jetzt cool bleiben - noch ist nicht zu Ende ausgezählt!

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4.47 Uhr: Wechselbad der Gefühle auch an der Börse: Knapp die Hälfte der Wahlbezirke in Großbritannien ist ausgezählt. Und es deutet sich aktuell eine knappe Stimmenmehrheit für einen Brexit ab. Das schickt die Märkte in Asien auf Talfahrt: Der Nikkei (Kurswerte anzeigen) notiert zur Handelsmitte rund 500 Punkten oder 3,1 Prozent leichter beim Stand von 15.742 Zählern. Dabei hatte der Index zwischenzeitlich sogar 0,9 Prozent zugelegt.

4.30 Uhr: Nun melden weitere Wahlbezirke aus London und Umgebung ihre Ergebnisse. Die Londoner City gilt eigentlich als Hochburg der EU-Befürworter. Dennoch bauen die Brexit-Fans mit 6,37 Millionen Stimmen ihre Führung gegenüber 6,06 Millionen Stimmen aus - das ergibt aktuell eine Mehrheit für den Brexit von 51,3 Prozent. Doch noch sind 217 Wahlbezirke auszuzählen.

4.15 Uhr: 144 der 382 Wahlbezirke sind ausgezählt. Die Brexit-Befürworter bauen ihre Führung auf 51 Prozent aus. Das "Leave"-Lager hat derzeit 5,3 Millionen Stimmen auf sich versammelt, während die EU-Befürworter auf 5,1 Millionen Stimmen kommen.

4.00 Uhr: Um das Referendum zu gewinnen, sind laut BBC rund 16,8 Millionen Stimmen nötig. Bislang sind 111 der 382 Wahlbezirke ausgezählt - in 271 Bezirken steht das Ergebnis noch aus. Und nun übernehmen die Brexit-Befürworter mit 3,99 Millionen Stimmen sogar die Führung vor den EU-Befürwortern (3,94 Millionen Stimmen). Das bedeutet: 50,3 Prozent aktuell für das Leave-Lager. Vor allem in den Arbeiterhochburgen in Wales und im Nordosten des Landes konnten die Brexit-Befürworter viele Stimmen holen.

3.45 Uhr: Es wird ein sehr enges Rennen. Die Brexit-Befürworter haben in den bislang ausgezählten Wahlbezirken laut BBC mehr Stimmen geholt als erwartet. Bislang sind 105 Bezirke ausgezählt: Das "Remain"-Lager kommt laut BBC derzeit auf 3,759 Millionen Stimmen, während das "Leave"-Lager auf 3,752 Millionen Stimmen kommt. Das bedeutet: Aktuell liegen die EU-Befürworter nur mit 50,1 Prozent vorne. Es sieht nach einem Herzschlag-Finale aus.

Der erste Wahlkreis mit 96 Prozent pro EU - aber es ist nur Gibraltar

1.00 Uhr: Wir unterbrechen hiermit unsere Live-Berichterstattung. Bislang scheinen beide Lager weiterhin mehr oder weniger gleichauf. In den kommenden Stunden werden die einzelnen Wahlkreise nacheinander ihre Ergebnisse melden. Mit einer aussagekräftigen Tendenz wird am Freitagmorgen gegen 5.30 Uhr gerechnet. Wenn Sie in der Zwischenzeit à jour bleiben wollen, empfehlen wir Ihnen den Live-Ticker unseres Schwester-Portals Spiegel Online  oder den Newsblog der BBC . Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, Ihnen eine gute Nacht - und bis gleich.

0.45 Uhr: Jetzt das erste Ergebnis, allerdings praktisch ohne Aussagekraft: Als erster der 382 Wahlkreise hat das britische Überseegebiet Gibraltar seine Ergebnisse bekanntgegeben. Die Bürger von Gibraltar haben sich mit überwältigender Mehrheit für den Verbleib in der EU ausgesprochen. 19 322 der 20 172 abgegebenen Stimmen und damit 95,9 Prozent waren für den Verbleib, teilte der Wahlleiter am frühen Freitagmorgen mit. Der Ausgang war in dieser Form erwartet worden. Das an Spanien grenzende Gebiet ist in hohem Maße vom Zugang zur EU abhängig.

0.30 Uhr: Ehrlicher geht schwer: Erst die Pubs als Wahllokale und jetzt die Turnhallen als Auszählstationen - die sozialen Netzwerke laufen über vor Arbeitsnachweisen der Wahlhelfer. Love it! Ergebnisse gibt es aber noch nicht.

Hier ein Blick nach Sunderland:

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0 Uhr: Recht interessante Information von Google Trends. Unter den zehn Städten außerhalb Großbritanniens mit den meisten Suchanfragen zum Thema EU Referendum am gestrigen Mittwoch ist auf Platz 9 auch eine deutsche. Und richtig: Es ist Frankfurt. Die komplette Reihenfolge: Gibraltar, Luxemburg, Nanterre, Limassol, Zürich, Dublin, Genf, Basel, Frankfurt und Yonkers, das in den USA liegt.

Keine guten Vorboten - Regen und Sturm in weiten Teilen Englands

23.50 Uhr: Weiß er mehr? Der Chef der EU-skeptischen Ukip-Partei Nigel Farage hat sich pessimistisch zum Ausgang des Referendums über einen EU-Austritt geäußert. "Es sieht so aus, als sei die Wahlbeteiligung außerordentlich hoch und es scheint, als würden die EU-Befürworter knapp gewinnen", sagte Farage dem britischen Fernsehsender Sky News zufolge unmittelbar nach Schließung der Wahllokale.

23.45 Uhr: Gute Kinderstube, David Cameron:

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23.15 Uhr: Die Marktforschungsfirma YouGov hat das Ergebnis einer kleinen Umfrage veröffentlicht, die sie mit Wählern unmittelbar nach deren Stimmabgabe vorgenommen hat. Ergebnis: 52 Prozent sollen für den Verbleib in der EU gestimmt haben, 48 Prozent dagegen. Polit-Profis geben darauf aber nichts: Es gibt Meldungen von einer überdurchschnittlich hohen Wahlbeteiligung gerade in sozial schwächeren Bezirken, die häufig dem Brexit-Lager zuzuordnen sind.

Stimmenauszählung in der Universität Gibraltar.

Stimmenauszählung in der Universität Gibraltar.

Foto: Getty Images

23 Uhr: Die Wahllokale sind geschlossen. Mit dem offiziellen Endergebnis ist gegen 7 Uhr Ortszeit, also 8 Uhr deutscher Zeit zu rechnen. Eine frische Zahl gibt es aber schon jetzt: Gibraltar meldet eine Wahlbeteiligung von 84 Prozent. Dort wird das Ergebnis relativ rasch nach Mitternacht feststehen: In Gibraltar leben lediglich 23 000 Wahlberechtigte.

22.50 Uhr: Nur noch wenige Minuten, bis die Wahllokale schließen.

Der Londoner Lewis Iwu behauptet via Twitter, Johnson in der U-Bahn getroffen zu haben. Dort habe der seine Niederlage zugegeben. Ebenfalls via Twitter zweifeln aber viele Nutzer den Wahrheitsgehalt dieses Tweets an.

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21.30 Uhr: Das Schöne an dieser Wahl ist ja, dass wir alle mal wieder mit diesen ganzen klangvollen Städte- und Grafschaftsnamen des United Kingdoms in Kontakt kommen. Erste Ergebnisse etwa wird es aus Wandsworth, Newcastle upon Tyne oder auch Comhairle nan Eilean Siar geben. Besonders eng soll es beispielsweise in Tewkesbury, Dumfries and Galloway, Monmouthshire, Mole Valley sowie Epsom and Ewell zugehen. Unser Kollege Mike Bird vom Wall Street Journal hat einen Vorschlag für freudvolle Zerstreuung:

21.15 Uhr: Die Wettfirma Ladbrokes hat nach eigenen Angaben einen Rekordtag für Wetten auf politische Ereignisse hinter sich. Das Interesse sei vollkommen beispiellos, zitiert dieFT  einen Sprecher. Einzelne Wetteinsätze hätten bei bis zu 30 000 Pfund gelegen.

20 Uhr: Verzerren die Unwetter das Wahlergebnis? Die Stürme und der Regen haben den Bahnbetrieb so stark beeinträchtigt, dass jetzt Tausende Pendler (und Wähler) festsitzen - und fürchten, nicht mehr rechtzeitig bis 22 Uhr Ortszeit zu ihrem Wahllokal zu kommen. Von den 15 Londoner Haupt-Bahnlinien fahren 10 mit Verspätungen, wie der Betreiber auf dieser Website  mitteilt. In Waterloo, dem wichtigen Bahnknotenpunkt, geht derzeit gar wohl kaum noch etwas voran:

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19.10 Uhr: Es gibt die ersten halboffiziellen Angaben zu der Wahlbeteiligung: In Nordirland, wo rund 1,26 Millionen Wahlberechtigte leben, soll laut einem Bericht des "Independent"  die Wahlbeteiligung bei rund 70 Prozent liegen, in Schottland (rund 4 Millionen Wahlberechtigte) bahne sich eine Beteiligung zwischen 70 und 80 Prozent an - das sind jeweils überdurchschnittlich hohe Quoten. In Nordirland und Schottland wird mit einer Mehrheit für den Verbleib in der EU gerechnet.

18.40 Uhr: Wenn sich die Zuversicht der Brexit-Gegner als realistisch erweist, kann sich das immerhin auch ein Deutscher als kleines Verdienst anheften. Der Illustrator und Kinderbuchautor Axel Scheffler (Der Grüffelo) hat sich am Tag der Wahl mit einer feinen Adaption seiner beliebtesten Figur für den "Guardian"  in die Debatte eingeschaltet: dem "Brusselo". Scheffler, inzwischen 58 Jahre alt und gebürtiger Hamburger, lebt seit 1986 in London.

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17.35 Uhr: So sieht Europa-Zuversicht in Zahlen aus: Der Dax  schließt 1,8 Prozent fester bei 10.257 Punkten. Auch die Devisenmärkte spielen das Bremain-Szenario: Während der Euro  am Donnerstag zeitweise um einen Cent

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Brexit-Debatte: Don't EU ever leave us

Foto: NIKLAS HALLE'N/ AFP

bis auf 1,1421 US-Dollar stieg, kletterte das Pfund in der Spitze auf ein Jahreshoch 1,4947 Dollar. Wenn es da morgen früh nur mal keine böse Überraschung gibt.

15.55 Uhr: Für die Wettanbieter ist die Sache klar: Die Briten bleiben in der EU. In die Quoten der Buchmacher zum EU-Referendum ist am Donnerstagvormittag nochmals deutlich Bewegung gekommen. Wer ein Pfund auf den Verbleib der Briten in der EU setzt und mit seinem Tipp Recht behält, bekommt dafür nur noch 1,17 Pfund ausgezahlt. Die Quote signalisiert damit eine Wahrscheinlichkeit von etwa 85 Prozent für ein "Remain" - also den Verbleib in der EU - und im Umkehrschluss ein Brexit-Risiko von nur noch rund 15 Prozent. Am Morgen lag dieses noch gut 10 Prozentpunkte höher.

Die "FT" hat zumindest schon mal fünf Erkenntnisse aus dem Brexit-Wahlkampf ausgemacht:

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14.30 Uhr: Das britische Pfund steigt im fernöstlichen Devisenhandel vorübergehend auf 1,4847 Dollar. Das ist der höchste Stand seit Beginn des Jahres. Kurz zuvor wurden zwei neue Umfragen veröffentlicht, die die EU-Befürworter in Führung sehen. Auch der deutsche Leitindex Dax  notiert, wie die meisten europäischen Indizes auch, am Tag der Abstimmung klar im Plus. Anleger wetten auf das Szenario "Remain in the EU".

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Abschiede aus der EU: Brexit, Fraurevoir, Italight - so zerfällt Europa

Foto: Christopher Furlong/ Getty Images

14.10 Uhr: Trotz des Starkregens in und um London gehen Beobachter weiter davon aus, dass die Briten gegen einen Brexit stimmen. Schlechtes Wetter nutzt tendenziell den Brexit-Befürwortern, da diese in jedem Fall zur Wahl gehen und unentschlossene Wähler eher zu Hause bleiben. Doch Alastair Campbell, Regierungssprecher der Labour-Regierung unter Tony Blair und Brexit-Gegner, fordert seine Landsleute unter dem Stichwort RaIN auf, dennoch raus in den Regen zu gehen - und für einen Verbleib in der EU zu stimmen. Mieses Wetter habe die Briten schließlich noch nie von irgendetwas abgehalten.

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Abschiede aus der EU: Brexit, Fraurevoir, Italight - so zerfällt Europa

Foto: Christopher Furlong/ Getty Images

14 Uhr: Der Brexit ist die in ein Referendum gegossene Skepis gegenüber der Europäischen Union (EU). In Brüssel zieht EU-Währungskommissar Pierre Moscovici daraus eine ganz bestimmte Konsequenz - er will die EU-Länder noch enger zusammenschweißen und mit einem eigenen Finanzminister ausstatten. "An die Stelle der Eurogruppe, die in zwischenstaatlichen Verhandlungen über die gemeinsame Wirtschaftspolitik entscheidet, sollte ein europäischer Finanzminister treten, der dem Europaparlament verantwortlich ist", sagte Moscovici den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Donnerstag. Damit setzte sich der französische EU-Kommissar von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem ab. Beide hatten jüngst dafür plädiert, dass die EU sich erst einmal pragmatisch auf die Lösung akuter Probleme konzentrieren sollte und nicht auf eine Vertiefung.

13.30 Uhr: Briten stehen Schlange vor den Wahllokalen. Was auch immer geschieht, der Brite stellt sich höflich an - so scheint es auch beim Referendum über

den Brexit zu sein. Und so haben sich trotz des schlechten Wetters lange Schlangen vor den Wahllokalen gebildet. Wähler hätten geduldig in langen Reihen gewartet, um in Schulen, Kirchen oder Einkaufszentren ihre Stimme abzugeben, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA am Donnerstag. In der Nacht hatte es in London und im Südosten des Landes teils heftige Regenfälle und Gewitter gegeben. In der Hauptstadt hätten einige Wahllokale wegen Überflutungen geschlossen und in Ausweichquartiere verlegt werden müssen.

Ex-Premier Tony Blair hat es natürlich trotzdem geschafft und die Erwartungen erfüllt:

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Insgesamt dürfen 46,5 Millionen registrierter Wähler abstimmen, ob sie in der EU bleiben wollen oder nicht. Das sei die bislang höchste Zahl in der britischen Geschichte. Im Unterschied zu Parlamentswahlen waren auch in der britischen Enklave Gibralter Wahllokale geöffnet.

13 Uhr: Seht her, so habe ich abgestimmt - zwar gilt auch in Großbritannien das Wahlgeheimnis - so gibt es Kabinen und blickdichte Umschläge. Doch die Entscheidung über den Verbleib Großbritanniens bewegt viele Menschen derart, dass sie noch in der Kabine ihren ausgefüllten Wahlzettel samt Kreuzchen fotografieren und ins Internet stellen oder bei Twitter posten. Dann werben sie mit dem zusätzlich angehängten Kommentar "Zusammen sind wir stärker" für einen Verbleib der Briten in der EU.

12.25 Uhr: Die Inkasso-Branche erwartet bei einem Brexit mehr Firmenpleiten in Deutschland. "Wir befürchten, dass sich ein Brexit langfristig negativ auf deutsche Unternehmen auswirken würde und sich in der Folge die Zahlungsmoral hierzulande verschlechtern und es wieder mehr Unternehmensinsolvenzen geben könnte", sagt die Präsidentin des Branchenverbandes BDIU, Kirsten Pedd.

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Johnson vs. Cameron: Die Rivalen

Foto: Oli Scarff/ Getty Images

12.20 Uhr: Die Forderung, dass sich Europa reformieren muss, ist in der Brexit-Debatte mehrfach formuliert worden. Jetzt sagt auch Bundespräsident Joachim Gauck, nach der Abstimmung der Briten dürfe die EU nicht so einfach zu Tagesordnung übergehen. "Wir sollten aus der Krise Lehren ziehen und weiter diskutieren, wie wir in Europa leben wollen", sagte Gauck. Die Debatte habe insofern einen wertvollen Beitrag geleistet, als sie den Unmut Unmut der Menschen in vielen Ländern über die Europäische Union ans Licht gebracht habe.

12.15 Uhr: Jenseits der Buchmacher tun sich viele Medien mit Umfragen zum Brexit hervor. Die jüngste Umfrage, die allerdings vor Eröffnung der Wahllokale zustande kam, zeigt eine steigende Zahl von Brexit-Gegnern. Rund 52 Prozent der Briten befürworten den Verbleib in der EU, wie aus einer Umfrage von Ipsos Mori für die Zeitung "Evening Standard" hervorgeht. Etwa 48 Prozent seien für einen Brexit.

Die Buchmacher sehen den "Bremain" kommen

12.10 Uhr: In die Quoten der Buchmacher zum EU-Referendum ist am Donnerstagvormittag nochmals deutlich Bewegung gekommen. Aktuell werden auf der Wettbörse Betdaq für einen Verbleib der Briten in der EU für 1 Pfund nur noch 1,17 Pfund gezahlt. Die Quote signalisiert damit eine Wahrscheinlichkeit von 85 Prozent für ein "Remain" und im Umkehrschluss ein "Brexit"-Risiko von nur noch 15 Prozent. Am Morgen lag dieses noch gut 10 Prozentpunkte höher.

"Wählen Sie heute den Ausstieg" - eine ganze Reihe britischer Boulevard-Medien hat sich in der Brexit-Debatte klar positioniert und macht Front gegen Europa

"Wählen Sie heute den Ausstieg" - eine ganze Reihe britischer Boulevard-Medien hat sich in der Brexit-Debatte klar positioniert und macht Front gegen Europa

Foto: DPA

11.55 Uhr: Die Börsianer sind offenbar weiter davon überzeugt, dass sich die Briten für einen Verbleib in der EU entscheiden werden. Auch am Tage des Votums legen die Aktienkurse kräftig zu. Der Dax (Kurswerte anzeigen) steigt zeitweise um mehr als 2 Prozent. Das britische Pfund steigt auf Jahreshoch.

11.45 Uhr: Ausgerechnet am Tage des Brexit-Votums wird übrigens auch der umstrittene US-Präsidentschaftsanwärter Donald Trump in Großbritannien erwartet. Der Immobilien-Milliardär aus New York hatte schon früher gesagt, wenn er Brite wäre, würde er "dazu neigen, die EU zu verlassen". Sein aktueller Besuch gilt allerdings keineswegs politischen Führungskräften auf der Insel - Trump kommt, um eine Golf-Anlage zu eröffnen.

11.25 Uhr: Die Brexit-Abstimmung wird dem britischen Stromsystem voraussichtlich einen Rekord bescheren: Weil Ergebnisse erst spät bekannt gegeben werden und die Briten diese über ihre Fernseher verfolgen werden, rechnet der Netzbetreiber National Grid mit dem höchsten Nachtstrombedarf der Geschichte. Das berichtet die "Financial Times" .

10.50 Uhr: Britische Wähler in London und im Südosten des Landes müssen beim EU-Referendum mit schlechtem Wetter, Regen und Überflutungen kämpfen. Allein in der Hauptstadt dürfte am Donnerstag innerhalb weniger Stunden soviel Regen wie ansonsten in einem Monat fallen, warnten Meteorologen. Bereits in der Nacht gab es in der Hauptstadt und der Umgebung schwere Gewitter mit Starkregen. Es gebe Berichte über überflutete Straßen, der Zugang zu Wahllokalen könnte erschwert werden. Experten hatten zuvor spekuliert, eine geringe Wahlbeteiligung auf Grund des schlechten Wetters könnte ein Vorteil für das Austrittslager sein. Je mehr unentschlossene Wähler zu Hause bleiben, desto größer der Vorteil für die hochmotivierten Brexit-Befürworter, die sich nach ihrer monatelangen Kampagne vom schlechten Wetter nicht vom Wahlgang abhalten lassen. Jüngsten Umfragen zufolge dürften sich das Pro-EU-Lager und die Brexit-Befürworter bei der Volksabstimmung ein enges Rennen liefern.

Standard & Poor's stellt britisches Top-Rating in Frage

9.50 Uhr: Das britische Pfund steigt im fernöstlichen Devisenhandel vorübergehend auf 1,4847 Dollar. Das ist der höchste Stand seit Beginn des Jahres. Kurz zuvor wurden zwei neue Umfragen veröffentlicht, die die EU-Befürworter in Führung sehen.

9.30 Uhr: Börsianer gehen weiterhin davon, dass Großbritannien in der EU bleibt. Der Dax  setzte am Donnerstag seinen Kursanstieg fort und kletterte über die Marke von 10.100 Zählern. Seit seinem letzten Tief vor genau einer Woche hat der Dax damit inzwischen knapp 8 Prozent gutgemacht.

9.15 Uhr: Die exportabhägige deutsche Industrie zeigt sich vor dem Brexit-Referendum in überraschend guter Form. Der Einkaufsmanagerindex kletterte im Juni um 2,3 auf 54,4 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit fast zweieinhalb Jahren. "Wachstumsimpulse gingen den Umfrageteilnehmern zufolge von der anziehenden Nachfrage aus wichtigen Exportländern wie China und den USA aus", sagte Markit-Experte Oliver Kolodseike. Die Firmen meldeten deshalb den kräftigsten Zuwachs der Exportaufträge seit knapp zweieinhalb Jahren.

9 Uhr: Umfragen sagen weiterhin zumeist ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Brexit-Befürworter und Brexit-Gegner voraus. Viele Wähler sind noch kurz vor dem Urnengang unentschlossen. Eine Erhebung des Instituts YouGov sieht das Pro-EU-Lager mit 51:49 Prozent vorn. "Die derzeitigen Umfragen legen ein zu knappes Rennen nahe, als dass eine Vorhersage möglich ist", meinte das Institut. Aber es gebe einen neuen "Trend zum Drinbleiben". Dies bestätige Beobachtungen bei anderen Unabhängigkeits-Voten in der Vergangenheit: Kurz vor dem Urnengang gebe es eine Bewegung der Wähler zur Erhaltung des Status quo.

8.15 Uhr: Die Wahllokale in Großbritannien sind geöffnet. Seit 15 Minuten haben die Briten die Wahl: "In or Out". 46,5 Millionen Briten sind wahlberechtigt und stimmen bis 23 Uhr darüber ab, ob Großbritannien aus der EU austreten soll. Der Ausgang des Referendums, das Premierminister David Cameron im Februar angesetzt hatte, könnte Schockwellen weit über das Königreich hinaus auslösen.

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Der Brexit und seine Kinder: Welche Länder einem EU-Austritt der Briten folgen könnten

Foto: © Michael Dalder / Reuters/ REUTERS

7.30 Uhr: Die "Financial Times" veröffentlicht in einem Kommentar heute einen bemerkenswerten Appell: "Die optimistischen Hinweise aus der Referendumskampagne sollten nicht übersehen werden. Einer der schönsten kam von der jüngeren Generation, die mehrheitlich für Europa ist. Im digitalen Zeitalter erkennen die Jungen, dass ihre Zukunft in Vernetzung und Teilnahme liegt und nicht in Separation und Isolation. Während ältere britische Wähler scheinbar auf eine imperiale Vergangenheit zurückblicken, schaut die Jugend nach vorn auf eine globale Zukunft. Es ist letztlich ihre Zukunft, die auf dem Spiel steht."

7.20 Uhr: 42 Prozent der deutschen Betriebe sehen im ungewissen Kurs der europäischen Politik ein hohes Risiko für ihre Zukunft, berichtet die "Rheinische Post" über eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Die deutsche Wirtschaftspolitik stelle dagegen nur für 26 Prozent der Unternehmen ein hohes Risiko dar.

7 Uhr: Händler erwarten am Donnerstag eine festen Start des Dax in den Tag. Der Index hatte vom Mittwoch kurz vor Handelsschluss unter dem Eindruck einer neuen Umfrage binnen Minuten fast die Hälfte seiner Gewinne verloren und dann mit rund einem halben Prozent im Plus geschlossen.

6 Uhr: In zwei Stunden öffnen die Wahllokale. Letzte Meinungsumfragen ändern am seit Tagen dominierenden Bild nichts mehr: Es wird hauchdünn zugehen (Optimisten hoffen, dass die Fußball-EM die EU-Skeptiker positiv stimmt - mit England, Wales und Nordirland sind alle britischen Mannschaften in das Achtelfinale eingezogen).

Interessant noch: Die US-Ratingagentur Standard & Poor's will Großbritannien im Falle eines EU-Austritts die Bestnote für seine Kreditwürdigkeit entziehen. "Wenn Großbritannien sich im EU-Referendum am Donnerstag für einen Brexit entscheiden sollte, dann wäre das AAA-Kreditrating fällig und würde innerhalb kurzer Zeit danach zurückgestuft werden", bestätigte Moritz Kraemer, Global Chief Rating Officer Sovereign Ratings bei S&P, der "BILD"-Zeitung (Donnerstag). Dem Bericht zufolge führte Kraemer als Grund an, dass die politische Situation im Land bei einem Brexit weniger vorhersehbar und rational wäre, auch weil es keinen wirklichen Plan für die Zeit nach einem Brexit gebe.

Donnerstag, 2.45 Uhr: Das britische Pfund steigt im fernöstlichen Devisenhandel vorübergehend auf 1,4847 Dollar. Das ist der höchste Stand seit Beginn des Jahres. Kurz zuvor wurden zwei neue Umfragen veröffentlicht, die die EU-Befürworter in Führung sehen.

Donnerstag, 0.30 Uhr: Die britische Finanzwelt sorgt sich nicht um ihren Ruf: Der britische Finanzbranchenverband TheCityUK hat laut "Daily Telegraph" einen Forderungskatalog für den Fall eines Brexit erstellt. Die Politik wird demnach darin aufgerufen, für eine sanfte Übergangsphase zu sorgen. Grenzen sollen zudem geöffnet und eine Öffentlichkeitskampagne gestartet werden, die Großbritanniens Ruf als Finanzzentrum dann außerhalb der EU stütze, berichtet die Zeitung unter Berufung auf vertrauliche Unterlagen.

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Pro-Brexit-CEOs: Diese Chefs wollen nichts wie raus aus der EU

Foto: © Suzanne Plunkett / Reuters/ REUTERS

Mittwoch, 17.40 Uhr: Kurz vor der Abstimmung der Briten über einen Verbleib in der Europäischen Union, die am Donnerstag stattfindet, liegen die Befürworter eines Austritts in einer Umfrage hauchdünn vorn. Laut der am Mittwoch veröffentlichten Erhebung des Marktforschungsinstituts Opinium kommt das Lager der EU-Gegner auf 45 Prozent und liegt damit einen Prozentpunkt vor den Unterstützern einer EU-Mitgliedschaft.

Bei der vorangegangenen Umfrage, die am vergangenen Samstag veröffentlicht worden war, hatten beide Seiten noch gleichauf gelegen. Das Referendum findet am Donnerstag statt.

Die Börse reagierte auf die jüngste Umfrage heftig. Der deutsche Leitindex Dax gab kurz vor Handelsschluss schlagartig einen Großteil seiner Tagesgewinne wieder ab.

Frankreichs Präsident Hollande: "Es geht um die Zukunft der EU"

Frankreichs Präsident Hollande: Ausstieg wäre "unumkehrbar"

Frankreichs Präsident Hollande: Ausstieg wäre "unumkehrbar"

Foto: THIERRY CHARLIER/ AFP

16.50 Uhr: Die Briten stimmen nach Einschätzung des französischen Präsidenten François Hollande beim EU-Referendum auch über das Schicksal der Europäischen Union ab. "Es steht mehr als die Zukunft Großbritanniens in der Europäischen Union auf dem Spiel, es geht um die Zukunft der Europäischen Union", sagte Hollande am Mittwoch in Paris.

Der Ausstieg eines geografisch, politisch und historisch zu Europa gehörenden Landes hätte zwangsläufig schwerwiegende Folgen, so. Einen Ausstieg Großbritanniens nannte er "unumkehrbar". Im Falle eines Brexits werde er mit den Partnern Frankreichs Initiativen ergreifen. Dabei nannte Hollande ausdrücklich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Es gehe darum, die europäische Konstruktion weiterzuentwickeln. Nähere Angaben dazu machte der Staatschef nicht

Britische Investmentfonds horten Bargeld

Händler an der Londoner Börse: Die Börse wettet auf Bremain - doch für den Fall eines Brexit ist Bargeld gefragt

Händler an der Londoner Börse: Die Börse wettet auf Bremain - doch für den Fall eines Brexit ist Bargeld gefragt

Foto: REUTERS

14.30 Uhr: Britische Investmentfonds werden wegen des Referendums zunehmend nervöser und horten im großen Stil Bargeld, um bei einem Brexit gegen Geldabflüsse gewappnet zu sein. Im Schnitt hielten die Fonds Ende Mai sechs Prozent Bargeld und damit so viel wie seit November 2011 nicht mehr, wie aus Daten von Thomson Reuters Lipper hervorgeht.

12.30 Uhr: Bei einem Brexit könnte Irland nach den Worten von Finanzminister Michael Noonan in den nächsten Jahren wohl nicht wie angepeilt eine Milliarde Euro jährlich in einen Notfallfonds für schlechte Zeiten einzahlen. Zudem hätte es die neue Minderheitsregierung in Dublin schwer, eine Wirtschaftskrise nach einem Brexit zu überleben, sagt Noonan dem Sender RTE.

Warum britische Buchmacher den Polit-Experten die Show stehlen

Pferderennen im britischen Wetherby: Die britischen Buchmacher sind eher auf Pferderennen und Fußball spezialisiert - doch Börsianer schenken ihnen mehr Vertrauen als den jüngsten Brexit-Umfragen

Pferderennen im britischen Wetherby: Die britischen Buchmacher sind eher auf Pferderennen und Fußball spezialisiert - doch Börsianer schenken ihnen mehr Vertrauen als den jüngsten Brexit-Umfragen

Foto: Alex Livesey

12.15 Uhr: Geht es nach den Wettanbietern, dann ist der Ausgang des Referendums über einen EU-Austritt von Großbritannien längst entschieden. Anders als die Wahlforscher haben die Buchmacher einen klaren Favoriten: Die "Brexit"-Gegner werden gewinnen. Die Wettquoten von Betfair signalisieren eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent, dass die Briten am Donnerstag für einen Verbleib in der Europäischen Union plädieren werden. Den Meinungsumfragen zufolge zeichnet sich hingegen ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab, dessen Ausgang bis zuletzt völlig offen bleiben dürfte.

Das Misstrauen vieler Anleger gegenüber den Meinungsumfragen hat sich seit dem vergangenen Jahr erhöht. Die absolute Mehrheit für die Konservativen um Premierminister David Cameron hatten die Institute nicht vorhergesagt. Aber das ist nur ein Grund dafür, warum die Investoren auf Wettanbieter wie William Hill und Ladbrokes setzen, die eigentlich eher auf Pferderennen und Fußballergebnisse spezialisiert sind und nicht auf Politik.

Die Buchmacher sagen, dass sie ganz anders herangehen als die Meinungsforscher. Sie bauen beispielsweise Erkenntnisse aus der psychologischen Forschung in ihre Quoten ein - etwa die, dass unentschlossene Wähler dazu neigen, am Ende für den Status Quo zu stimmen. In diesem Fall würde dies bedeuten, dass die Briten ihr Land in der EU halten wollen, der es seit mehr als vier Jahrzehnten angehört.

Aus Investorensicht haben die "Bookies" noch einen anderen Vorteil: Sie können ihre Quote praktisch in Echtzeit anpassen, nicht zuletzt auch dank der Online-Wettbörsen. Sie sind dadurch schneller als die Meinungsforscher, die für ihre Prognosen Tausende Wähler anrufen müssen. Als US-Präsident Barack Obama vor wenigen Wochen davor warnte, dass sich Großbritannien nach einem Brexit in der Warteschlange für ein bilaterales Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten "hinten anstellen" müsse, folgte prompt eine Reaktion auf der Webseite von Betfair: Die Wahrscheinlichkeit eines EU-Abschieds sank von 33 auf 31 Prozent, das Pfund wertete merklich auf.

Cameron will Premier bleiben - auch wenn die Briten gehen

Noch ist er "in", im Fall eine Brexit aber vermutlich rasch "out of Office": Er denke im Fall eines Brexit nicht ans Aufhören, sagt Cameron. Was soll er vor der Abstimmung auch anderes sagen?

Noch ist er "in", im Fall eine Brexit aber vermutlich rasch "out of Office": Er denke im Fall eines Brexit nicht ans Aufhören, sagt Cameron. Was soll er vor der Abstimmung auch anderes sagen?

Foto: GARETH FULLER/ AFP

11.30 Uhr: 24 Stunden vor dem Brexit-Referendum zeigt sich der britische Premierminister David Cameron unsicher über den Ausgang. "Niemand weiß, was geschehen wird", sagte er der Zeitung "Financial Times". Er könne aber vor der Abstimmung am Donnerstag gut schlafen.

Cameron bekräftigte, dass er in jedem Fall Premierminister bleiben wolle. Er bereue es nicht, dass er zu dem Referendum aufgerufen habe. Die Briten sollen mit ihrem Votum entscheiden, ob sie in der EU bleiben oder austreten. Nach Umfragen ist es weiterhin offen, wie die Abstimmung am Donnerstag ausgehen wird. Die meisten Umfragen deuten auf Kopf-an-Kopf-Rennen hin. Viele der 45 Millionen Wahlberechtigte waren laut Umfragen noch vor wenigen Tagen unentschlossen. Im Gegensatz dazu sehen die britischen Buchmacher das Brexit-Risko nur noch bei rund 30 Prozent. Börsianer richten sich darauf ein, dass die Briten in der EU bleiben - kommt es am Donnerstag Abend anders, droht den Börsen am Freitag ein Absturz.

TV-Debatte: "Brexit-Fans schüren Hass gegen Zuwanderer"

Showdown im Wembley-Stadion: Bei der letzten TV-Debatte vor der Brexit-Abstimmung griff Londons Bürgermeister Sadiq Khan (zweiter von rechts) seinen Vorgänger und Brexit-Frontman Boris Johnson (links und im Großbild) scharf an.

Showdown im Wembley-Stadion: Bei der letzten TV-Debatte vor der Brexit-Abstimmung griff Londons Bürgermeister Sadiq Khan (zweiter von rechts) seinen Vorgänger und Brexit-Frontman Boris Johnson (links und im Großbild) scharf an.

Foto: HANDOUT / REUTERS

11.15 Uhr: In der letzten großen TV-Debatte vor dem Brexit-Referendum haben sich Gegner- und Befürworter eines britischen EU-Austritts mit schweren Vorwürfen überzogen. Londons Bürgermeister Sadiq Khan warf den Brexit-Fürsprechern eine Hasskampagne gegen Zuwanderer vor. Sein Amtsvorgänger Boris Johnson beschuldigte die Austritts-Gegner, bewusst Ängste vor den wirtschaftlichen Folgen eines EU-Austritts zu schüren. Kurz vor der Volksabstimmung am Donnerstag ergeben Umfragen noch immer kein klares Bild, wie das Ergebnis aussehen dürfte.

Die Debatte vor Tausenden Zuschauern in der Londoner Wembley-Arena am Dienstagabend markierte das letzte große Wahlkampfereignis vor dem Referendum über einen Austritt Großbritanniens aus der EU. Bei dem live im Fernsehen übertragenen Schlagabtausch waren Khan und Johnson die prominentesten Köpfe der mit mehreren Vertretern teilnehmenden Lager. "Was das Thema Zuwanderung angeht, war Ihr Wahlkampf nicht das "Projekt Angst", sondern das "Projekt Hass"", sagte Khan an die Adresse der Brexit-Befürworter gerichtet. Mehrfach warf er der Gegenseite vor, Wähler mit Lügen zu einem Votum für den EU-Austritt bewegen zu wollen.

"3 Prozent Wachstum - egal, ob Briten gehen oder bleiben"

Spaniens Premier Rajoy: Das ganze Theater um den Brexit ist ihm ziemlich Wurst. Sollen die Briten doch machen, was sie wollen - solange nur die Zinsen niedrig bleiben und die EZB spanische Anleihen kauft

Spaniens Premier Rajoy: Das ganze Theater um den Brexit ist ihm ziemlich Wurst. Sollen die Briten doch machen, was sie wollen - solange nur die Zinsen niedrig bleiben und die EZB spanische Anleihen kauft

Foto: Zipi/ dpa

11.00 Uhr: Die spanische Regierung sieht den Aufschwung auch im Falle eines Brexits nicht gefährdet. Das Bruttoinlandsprodukt in Spanien werde in diesem Jahr um mehr als drei Prozent zulegen, sagte der amtierende Ministerpräsident Mariano Rajoy am Mittwoch in Madrid. "Wir werden um mehr als drei Prozent wachsen, wenn wir nichts Dummes anstellen - unabhängig vom Ausgang des britischen Referendums", sagte Rajoy. Bislang geht die Regierung von einem Plus von 2,7 Prozent aus, nach 3,2 Prozent 2015. Am Sonntag - also nur drei Tage nach dem Brexit-Referendum - wählen die Spanier ein neues Parlament. Umfragen zufolge droht eine Hängepartie wie bei der Wahl im Dezember, als Rajoy keinen Koalitionspartner fand und König Felipe das Parlament auflöste.

Börsianer verlassen sich auf britische Buchmacher - dürfen die das?

9.10 Uhr: An den Börsen gehen Anleger davon aus, dass die Briten in der EU bleiben. Der Dax  startet am Mittwoch erneut mit Gewinnen in den Tag, nachdem er am Vortag die Marke von 10.000 Zählern wieder überwunden hatte. Auch der europäische Leitindex EuroStoxx  setzte seine Erholung fort.

Britische Buchmacher - die besten Freunde der Europäer

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Pro-Brexit-CEOs: Diese Chefs wollen nichts wie raus aus der EU

Foto: © Suzanne Plunkett / Reuters/ REUTERS

"Ich persönlich glaube an einen Bremain - da ist aber viel Hoffnung dabei", sagt Frank Wieser, Geschäftsführer der PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf. "Die besten Unterstützer für einen Bremain sind ja die englischen Buchmacher. Ob aber ein Deutscher die englischen Buchmacher beurteilen kann, ist auch etwas zweifelhaft", sagt Wieser.

"Die Umfragen sind derzeit wieder weitgehend offen, während die Wettbüros nach wie vor eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen Verbleib innerhalb der EU anzeigen", ergänzt Jan-Patrick Weuthen, Senior-Portfoliomanager der B&K Vermögen in Köln. "Aufgrund der zuletzt wieder gesunkenen Wahrscheinlichkeit eines Austritts der Briten in den EU, preisen die Märkte den Brexit bereits teilweise ein. "Wir bleiben in Aktien investiert und bauen die Quoten sogar, mit Ausnahme von britischen Aktien, etwas aus", sagt Weuthen.

Britischer EU-Kommissar sieht Jobs bedroht - nur seinen eigenen nicht

EU-Kommissar Jonathan Hill: Der Brite ist für die Finanzmarktstabilität innerhalb der EU verantwortlich. Selbst im Fall eines Brexit bliebe Hill den Europäern noch bis zu zwei Jahre erhalten - ebenso wie die britischen EU-Abgeordneten

EU-Kommissar Jonathan Hill: Der Brite ist für die Finanzmarktstabilität innerhalb der EU verantwortlich. Selbst im Fall eines Brexit bliebe Hill den Europäern noch bis zu zwei Jahre erhalten - ebenso wie die britischen EU-Abgeordneten

Foto: YVES HERMAN/ REUTERS

8.45 Uhr: EU-Bankenkommissar Jonathan Hill hält im Falle eines Brexit Jobs in der britischen Finanzbranche für bedroht. Dann könnten Arbeitsplätze nach Frankfurt oder Paris verlagert werden, warnte Hill im "Handelsblatt". Um seinen eigenen Job muss Hill unterdessen nicht bangen: Selbst im Fall eines Brexit bliebe der britische EU-Kommissar noch bis zu zwei Jahre erhalten. In der Vergangenheit hatte Hill Bemühungen um mehr Transparenz und Kontrolle der Kapitalmärkte in der EU immer wieder gebremst - im Interesse der Londoner "City".

8.30 Uhr: Nach Angaben des Wettanbieters Betfair ermitteln Buchmacher eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent, dass sich die Briten für einen Verbleib in der EU entscheiden werden.

08.00 Uhr: Die Großbank Citi stellt sich auf einen EU-Verbleib Großbritanniens ein. "Wir sehen eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent, dass sich die Mehrheit der britischen Wähler beim Referendum am 23. Juni für einen Verbleib in der EU aussprechen wird", heißt es in einer Mitteilung an Kunden. Allerdings könne auch ein knapper Sieg der Brexit-Gegner die politische Stabilität des Vereinigten Königreichs und der Europäischen Union unterminieren.

07.30 Uhr: Wenn es in Deutschland einen Volksentscheid über einen Austritt aus der Europäischen Union gäbe, würde die überwältigende Mehrheit dagegen votieren, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins "Stern" ergab. 79 Prozent der Bundesbürger wären demnach für einen Verbleib in der EU, nur 17 Prozent würden für einen Austritt stimmen.

6.00 Uhr: Das britische Pfund tritt im fernöstlichen Devisenhandel auf der Stelle bei 1,4660 Dollar. In den vergangenen drei Tagen hatte sich die britische Währung deutlich erholt. Im Fall eines Brexit droht ein Absturz.

5.00 Uhr: Die Kampagne der EU-Befürworter "Britain Stronger in Europe" hat auf berühmte Bauwerke im ganzen Land den Schriftzug "Vote Remain" ("Stimmt für einen Verbleib") und die Farben der britischen Flagge projizieren lassen. Dazu zählen die Tate Modern in London und das Edinburgh Castle.

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Der Brexit und seine Kinder: Welche Länder einem EU-Austritt der Briten folgen könnten

Foto: © Michael Dalder / Reuters/ REUTERS

0.00 Uhr: Großbritanniens zweitgrößte Zeitung, das Boulevardblatt "Daily Mail", ruft ihre Leser auf, für einen Brexit zu stimmen. "Lügen. Gierige Eliten. Oder eine große Zukunft außerhalb eines kaputten, sterbenden Europa... Wenn Sie an Großbritannien glauben, dann stimmen Sie für einen Austritt", heißt es auf der Titelseite der Mittwochausgabe des rechtspopulistischen Blattes.

mit dpa und Reuters