Elektroauto-Boom Grüne fordern zehn Milliarden Euro Steuergeld für E-Auto-Ladenetz

Die Grünen zeigen plötzlich viel Verständnis für das Autoindustrie-Wehklagen: Das bislang "kümmerliche" Elektroauto-Ladenetz müsse schnell wachsen. Dafür würde Fraktionschef Hofreiter zehn Milliarden Euro Steuergeld investieren.
Strom tanken: In Großstädten wächst das Netz von E-Auto-Ladestationen, doch bräuchte es angesichts des Booms bundesweit laut VDA 2000 neue Ladepunkte pro Woche

Strom tanken: In Großstädten wächst das Netz von E-Auto-Ladestationen, doch bräuchte es angesichts des Booms bundesweit laut VDA 2000 neue Ladepunkte pro Woche

Foto: Martin Gerten / dpa

Erst Ende vergangener Woche hatte die Bundesregierung angekündigt, dass die erhöhte staatliche Kaufprämie für ein Elektroauto bis Ende des Jahres 2025 verlängert wird. Der gemeinsame Zuschuss des Staates und der Autoindustrie kann sich dann auch in Zukunft auf bis zu 9000 Euro belaufen. Dieser Kaufanreiz hatte bereits im ersten Halbjahr die Zulassungszahlen für E-Autos hierzulande hochschnellen lassen.

Das Problem: Der Ausbau des Ladenetzes hält bis jetzt nicht annähernd Schritt mit dem Boom der Stromer. Vor dem Hintergrund der gesetzten Klimaziele und höherer CO2-Auflagen für die Autoindustrie will die EU-Kommission die Mitgliedstaaten dazu verpflichten, bis Ende 2025 entlang der wichtigsten europäischen Schnellstraßen alle 60 Kilometer eine leistungsstarke Ladestation zu installieren. Fünf Jahre später solle dies auch für Autobahnen und wichtige Bundesstraßen gelten.

Angesichts des EU-Vorstoßes fordert der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter (51) nun, den Ausbau der Ladeinfrastruktur "massiv" zu beschleunigen. Auch solle sich der Steuerzahler mit viel Geld daran beteiligen: "Ich halte zehn Milliarden Euro für die adäquate Größenordnung an öffentlichen Investitionen, die wir zügig für den Ausbau der Ladesäulen tätigen müssen", sagte Hofreiter dem "Business Insider". Die Klagen der Chefs von VW, BMW und Daimler wegen der "kümmerlichen Dichte" an öffentlichen Ladestationen könne er nachvollziehen. Das Verkehrsministerium habe sich hier zu wenig gekümmert.

Der Staat hatte die Kaufprämie vor etwa einem Jahr verdoppelt. Dementsprechend rasant in die Höhe kletterten auch die Kosten der Zuschüsse: Diese summieren sich von Anfang Juni 2020 bis Ende Juni 2021 auf gut 1,9 Milliarden Euro. Im Haushaltsentwurf für 2022 hat die Bundesregierung weitere 2,1 Milliarden Euro an Hilfen für den Kauf von E-Autos vorgesehen.

Dem Bericht zufolge plädiert Hofreiter auch dafür, mehr in die Förderung von Batteriezellen zu investieren. "Ich bin dafür, dass wir die bestehenden Förderungen für die europäische Zellproduktion ausweiten und mit hohen Ökostandards in der Produktion einen Wettbewerbsvorteil schaffen", sagte er. Deutschland dürfe sich den Markt nicht von chinesischen Unternehmen mit Billigpreisen kaputtmachen lassen, wie es zuvor beim Thema Photovoltaik passiert sei.

rei/dpa-afx
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.