Montag, 19. August 2019

Kandidatur für CDU-Parteivorsitz Blackrock will Merz nicht zurückhaben

Blackrock-Zentrale in New York

Dass sich Friedrich Merz nach dem Rückzug von Angela Merkel um den frei werdenden Job als CDU-Parteichef bewerben würde, kam nicht nur für die Öffentlichkeit völlig überraschend - sondern auch für seinen Arbeitgeber, den weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock.

Seit 2016 leitet Merz den Aufsichtsrat der deutschen Blackrock-Tochter - und hat diese Rolle bisher sehr aktiv ausgefüllt. Entsprechend groß ist die Verwunderung über die plötzliche Kehrtwende.

Man habe quasi erst in allerletzter Minute davon erfahren, dass sich ihr Frontmann auf einen Wechsel zurück in die Politik vorbereitet, heißt es nach SPIEGEL-Informationen in Blackrock-Kreisen. Dass Merz in den vergangenen Wochen immer wieder bei Parteifreunden die Erfolgschancen für eine Kandidatur abgeklopft hatte, hat beim Unternehmen offenbar niemand mitbekommen.

"Jetzt geht es darum, ohne Gesichtsverlust auseinanderzugehen", sagt ein Insider. Derzeit werde fieberhaft an einer Lösung gearbeitet. "Klar ist aber auch: Einen Weg zurück zu Blackrock gibt es nicht, wenn seine Kandidatur scheitert." Offiziell wollte die Informationen zunächst nicht kommentieren. Am Mittwochnachmittag veröffentlichte das Unternehmen dann ein Statement des Firmenchefs Larry Fink:

"Blackrock und Friedrich Merz pflegen weiterhin eine hervorragende Beziehung", heißt es dort. "Er bleibt Aufsichtsratsvorsitzender von Blackrock in Deutschland. Wenn er nicht Vorsitzender der CDU wird, würden wir es sehr begrüßen, wenn er weiterhin mit Blackrock zusammenarbeitet." In welcher Funktion diese Zusammenarbeit erfolgen soll, ließ der Blackrock-Boss allerdings offen.

Blackrocks stille Macht

Merz selbst hat angekündigt, für den Fall seiner Wahl alle Aktivitäten in der freien Wirtschaft aufzugeben. Offen ließ er allerdings, was er für den Fall einer Wahlniederlage plant. Merz war zeitweise auch Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Börse sowie im Beirat der Commerzbank und vieler weiterer Gremien.

Als Vorsitzender des Aufsichtsrates des deutschen Blackrock-Ablegers bestand seine Aufgabe bisher vor allem darin, für den US-Vermögensverwalter Kontakte in die deutsche Politik herzustellen. Dank seiner jahrzehntelangen Arbeit auf Landes- und Bundesebene gilt Merz als äußerst gut verdrahtet.

Blackrock verwaltet weltweit mehr als sechs Billionen Dollar Anlagevermögen und ist bei praktisch allen großen Konzernen in Deutschland, Europa und auch weltweit Aktionär. Die Amerikaner üben traditionell im Hintergrund Einfluss auf das Management jener Firmen aus, an denen sie beteiligt sind. Auf Hauptversammlungen treten Blackrocks Fondsmanager dagegen in der Regel nicht auf, auch in den Aufsichtsräten der Beteiligungsunternehmen sitzen kaum Vertreter der Amerikaner.

Merz hatte am Montag - nur wenige Minuten, nachdem Kanzlerin Merkel ihren Rückzug als Parteichefin angekündigt hatte - durchblicken lassen, dass er selbst kandidieren will. Am Dienstag dann machte er seine Kandidatur offiziell. Auf dem Parteitag der CDU am 6. Dezember in Hamburg muss er sich dem Votum der Delegierten stellen. Als Gegenkandidaten sind bisher Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer im Rennen.

Sollte Merz sich durchsetzen, wäre das ein fulminantes Comeback des Westfalen. Ab 2000 war er Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, damals noch in der Oppositionsrolle. 2002 bootete ihn Parteichefin Merkel aus, indem sie auch das Amt der Fraktionsvorsitzenden an sich riss. Seither gilt das Verhältnis der beiden als zerrüttet. 2009 schließlich verließ er die CDU-Fraktion endgültig.

Jetzt zieht es Merz in die aktive Politik zurück und weg von Blackrock - in diesem Fall wohl für immer.


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