Lockdown vertreibt Touristen Berchtesgadener Gastronomen warnen vor "Knockout"

Als erstes deutsches Risikogebiet ist der Landkreis Berchtesgadener Land in den Lockdown gegangen. Die Hotelbranche fürchtet, dass die erzwungene Abreise tausender Gäste vielen Betrieben den Rest gebe.
Blick auf Berchtesgaden mit dem Watzmann im Hintergrund

Blick auf Berchtesgaden mit dem Watzmann im Hintergrund

Foto: Lennart Preiss / Getty Images

Die strikten Ausgangsbeschränkungen im bayerischen Landkreis Berchtesgaden haben am Dienstag Hunderte Feriengäste zur Abreise gezwungen. Die Berchtesgadener Land Tourismus schätzte die Zahl der Urlauber, die in der Bergidylle rund um Watzmann und Königssee teils die Herbstferien verbringen wollten, auf knapp 2500.

Am Montag lag im Landkreis die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz bei 272,8. Der Wert gibt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen an. Das Robert Koch-Institut hatte am Montag (Stand: 0 Uhr) für den Landkreis noch eine Sieben-Tage-Inzidenz von 252,1 gemeldet - das war zunächst ein bundesweiter Rekord. Ein weiterer Anstieg wurde befürchtet.

Wegen der rasant steigenden Zahlen müssen Hotels schließen - außer für Übernachtungen für Geschäftsreisende. Veranstaltungen wurden untersagt. Die Maskenpflicht wird an öffentlichen Orten und Verkehrswegen ausgeweitet.

Der Sommer sei zwar für manche Beherbergungsbetriebe sogar besser gelaufen als das Vorjahr, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Aber: "Teilweise sind noch nicht mal die Schäden aus dem Frühjahr kompensiert." Der Lockdown hatte damals Hoteliers und Gastgebern schwere Einbußen gebracht.

Für die nächste Zeit gebe es nicht viele Stornierungen - denn die meisten Gäste hätten sich ohnehin mit langfristigen Planungen zurückgehalten. Wie sich die hohen Zahlen und die Ausgangsbeschränkungen dauerhaft auswirkten, hänge nicht zuletzt davon ab, "wie lange das dauert und wie groß der Imageschaden ist".

Dehoga fürchtet "Knockout für unsere Branche"

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband bezeichnete den Lockdown in der Fremdenverkehrsregion Berchtesgaden als "tiefen und schmerzhaften Schlag". "Wir müssen nun gemeinschaftlich alles daransetzen, dass aus dem Lockdown kein Knockout für unsere Branche und somit für den Tourismus sowie die regionalen Wirtschaftsstrukturen wird", erklärte Dehoga-Landesverbandschefin Angela Inselkammer.

Während die Feriengäste ihre Koffer packten, blieben die meisten Anwohner weitgehend gelassen. Viele gingen noch einmal zum Einkaufen. Apotheken in Berchtesgaden berichteten, Kunden hätten Masken, Desinfektionsmittel und teils auch Medikamente gekauft, jedoch in moderatem Umfang. Die Beschränkungen seien nicht so drastisch wie im Frühjahr, hieß es. Und: "Wir kennen das schon", sagte eine Rentnerin, die am Dienstag ihre Einkäufe für die Woche erledigte.

Das Verlassen der eigenen Wohnung ist im Landkreis von Dienstag 14 Uhr an nur noch mit triftigem Grund erlaubt. Auch Schulen und Kindergärten müssen schließen. Es sind landesweit die ersten Ausgangsbeschränkungen seit Monaten, sie gelten vorerst für 14 Tage.

Landrat Bernhard Kern (52, CSU) bezeichnete die strikten Maßnahmen als unvermeidlich. Die Zahl der Corona-Patienten im örtlichen Krankenhaus in Bad Reichenhall steige, sagte er am Dienstag dem Bayerischen Rundfunk (BR). Das mache ihn "betroffen" und sei ein Grund für die Verschärfungen. Engpässe gebe es aber noch nicht. Es gelte, die Gesundheit der Bürger in den Vordergrund zu stellen. Nach Angaben des Landratsamts gibt es in dem gesamten Landkreis an der Grenze zu Österreich ein "diffuses Ausbruchsgeschehen" ohne klare Infektionsquellen.

ak/dpa-afx/afp/reuters
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