Donnerstag, 14. November 2019

Medienbericht TÜV will BER offenbar keine Betriebssicherheit bescheinigen

Flughafen BER

Der Pannenflughafen BER hat ein neues Problem: Wie die "Bild am Sonntag" berichtet, geht die Kabelsanierung zu langsam voran.

"Sanierung", dieses Wort kennt man normalerweise nur in Zusammenhang mit sehr alten, baufälligen Gebäuden. Wenn jetzt beim Berliner Problemflughafen BER von "Kabelsanierung" die Rede ist, sagt das im Prinzip schon alles aus über das vermutlich verrückteste Bauprojekt der deutschen Geschichte, das eigentlich schon 2011 hätte abgeschlossen sein sollen.

Leider sieht es so aus, dass es auch mit dem inzwischen auf 2020 verschobenen Eröffnungstermin schwierig werden könnte. Laut eines internen Statusberichts vom 16. April 2018 gibt es beim BER wieder ernste Terminrisiken, berichtet die "Bild am Sonntag" (BamS). In der als "vertraulich" gekennzeichneten Präsentation der Projektsteuerfirma WSP heißt es demnach, dass der BER bei der Kabelsanierung aktuell "11 Monate" hinter dem Zeitplan liegt. "Weitere Verzüge" hätten eine "Eintrittswahrscheinlichkeit von > 50 %".

Wie BamS weiter berichtet, erhielt die Flughafengesellschaft nach einer mehrmonatigen Prüfung im Februar einen 466-seitigen Bericht vom TÜV Rheinland zur Sicherheitsstromversorgung und Sicherheitsbeleuchtung im Terminal. Fazit: "Die Betriebssicherheit und Wirksamkeit kann für die bemängelten Anlagen nicht abschließend bescheinigt werden." Entsprechend führt WSP im April-Bericht "863 wesentliche Mängel" auf. Die Abarbeitung dauere zu lange. Zudem sei noch immer unklar, was noch gebaut werden müsste.

Auf Anfrage bestätigt der Flughafen den Risiko-Bericht, betont aber, dass seitdem die Abläufe besser funktionierten. Dies habe man dem Aufsichtsrat so berichtet. Mängel seien beseitigt worden oder "werden aktuell beseitigt". "Der Bericht fasst den Stand zum damaligen Zeitpunkt zusammen und führt Gegenmaßnahmen auf", so ein Flughafen-Sprecher. "Diese wurden in den Wochen seit Mitte April 2018 erfolgreich umgesetzt."

Intern geht der Flughafen massiv auf die verantwortliche Baufirma ROM (2300 Mitarbeiter) los. WSP notiert dazu: "Keine Gewährleistung der Abnahmefähigkeit der Anlage, aufgrund unzureichender Qualität der Ausführung." Die Mitarbeiter von ROM würden über eine "unzureichende Kompetenz" verfügen. Auf Anfrage beschwichtigt der Flughafen-Sprecher: "Dort, wo Ressourcenengpässe entstehen, ist es Aufgabe der jeweiligen Firma, Personalkapazitäten mit entsprechenden Kompetenzen einzusetzen. So ist es auch bei der ROM geschehen." ROM wollte sich nicht dazu äußern.

 

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