Teures Öl Warum Benzin und Diesel gerade so teuer sind

Die Spritpreise an der Tankstelle haben binnen zwei Jahren um 50 Cent zugelegt. Teures Rohöl und Mehrkosten für die Energiewende machen Benzin und Diesel so teuer wie noch nie. Ein Blick auf die Preisentwicklung seit 2011.
Preise auf Rekordhoch: Wegen der teuren Kraftstoffpreise an der Zapfsäule tanken Verbraucher verstärkt Super E10-Benzin statt Super

Preise auf Rekordhoch: Wegen der teuren Kraftstoffpreise an der Zapfsäule tanken Verbraucher verstärkt Super E10-Benzin statt Super

Foto: Z1004 Peer Grimm/ dpa

Superbenzin der Sorte E10 und Diesel sind in Deutschland so teuer wie nie. Nach der wöchentlichen Berechnungen des ADAC kostete ein Liter E10-Benzin an diesem Dienstag 1,712 Euro. Damit übertraf der Preis das bisherige Allzeithoch von 1,709 Euro vom 13. September 2012. Der Dieselpreis lag bei 1,640 Euro pro Liter. In den vergangenen Monaten hatte er bereits immer wieder Höchststände erreicht.

Warum wird Tanken derzeit immer teurer? Ein wesentlicher Grund ist der Ölpreis . Dahinter stecken wirtschaftliche und politische Faktoren: Das Angebot ist knapp und die Nachfrage solide. Trotz des hohen Ölpreises beschloss die Ölförderallianz OPEC+ am Mittwoch, den Ölfördermenge nicht stärker als geplant auszuweiten.

Zudem sorgen die politischen Spannungen an der russisch-ukrainischen Grenze für einen kräftigen Risikoaufschlag auf dem Ölmarkt. Russland ist einer der größten Erdölförderer der Welt.

Klimaschutzmaßnahmen erhöhen den Preis

Doch der Ölpreis ist nur ein Grund für die höheren Preise. Ein großer Teil des Kraftstoffpreises an der Zapfsäule sind Steuern und Abgaben. Bei Super E10 sind das auf dem aktuellen Preisniveau gut 27 Cent Mehrwertsteuer, knapp 65,5 Cent Energiesteuer sowie der Kohlendioxid-Preis, der bei E10 ohne Mehrwertsteuer je nach Biospritbeimischung zwischen 6 und 7 Cent ausmacht. Hinzu kommen Kosten zur Erfüllung der sogenannten Treibhausgasminderunsgquote.

Seit Jahresbeginn wirken sich vor allem zwei Faktoren auf den Verbraucherpreis an der Tankstelle aus. Zum einen ist in Deutschland der CO2-Preis gestiegen. Pro entstehender Tonne CO2 müssen Unternehmen nun 30 Euro Abgabe zahlen, fünf Euro mehr als im vergangenen Jahr. Zum anderen hat sich die sogenannte Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) erhöht.

Die Mineralölproduzenten und -importeure sind verpflichtet, jedes Jahr pro verkauftem Liter Benzin oder Diesel die Emissionen weiter zu reduzieren. Dazu mischt die Mineralölwirtschaft unter anderem Biokraftstoffe bei, kauft Zertifikate oder lässt sich Einsparungen durch den Einsatz von elektrischem Strom für die Elektromobilität anrechnen. Die zusätzlichen Kosten von CO2-Preis und THG-Quote werden an die Verbraucher weiter gegeben.

Inflationsbereinigt ist Sprit billiger als 2012

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die aktuellen Spritpreise vor allem so hoch wahrgenommen werden, weil sie auf die mehrjährigen Tiefststände zu Beginn der Covid-19-Pandemie folgen. Im April 2020 stürzte der Rohölpreis für die Nordseesorte Brent wegen des pandemiebedingten Nachfragerückgangs auf weniger als ein Drittel des Preises von Ende 2019 ab, das niedrigste Niveau in den vergangenen zehn Jahren. So verbilligte sich auch Kraftstoff an der Zapfsäule, allerdings gedämpft durch die fixe Mineralölsteuer.

Seit dem Absturz im Frühjahr 2020 stiegen die Kraftstoffpreise stark an, da Raffinerien ihre Produktion drosselten und die Konjunktur sich erholte. Wie hoch man die Preise empfindet, hängt dabei vom Vergleichszeitraum ab: Seit 2016, als Diesel zwischenzeitlich weniger als 1 Euro kostete, steigen die Spritpreise wieder.

Im Vergleich zum Niveau von vor zehn Jahren, als Spannungen zwischen dem Iran und westlichen Ländern um das iranische Atomprogramm 2012 den Ölpreis erhöhten, sind die Preise dagegen nur leicht gestiegen. Zieht man die Inflation in Betracht, hätte sich der Sprit seit 2012 sogar verbilligt.

Die stark steigenden Energiepreise hatten die Inflation zuletzt stark angetrieben, im Januar lag sie knapp unter der 5 Prozent-Marke im Vergleich zum Vorjahr. In den vergangenen zehn Jahren betrug die durchschnittliche Inflationsrate noch 1,4 Prozent.

Wie geht es weiter?

Wie sich die Preise weiterentwickelt, sei extrem schwierig vorherzusagen, sagt Jürgen Albrecht, Kraftstoffmarkt-Experte des ADAC. Es gebe zu viele Faktoren, die Einfluss auf den Preis haben. "Das sind neben der Nachfrage auch internationale Krisen wie derzeit in der Ukraine, der Dollarkurs, Spekulation und natürlich der weitere Verlauf der Corona-Pandemie."

Es gebe aber auch Faktoren, die einen weiteren Anstieg auf lange Sicht eher bremsen würden, sagt Albrecht. "So macht ein hoher Ölpreis Fracking finanziell wieder interessanter, was für mehr Angebot sorgt. Und es wäre auch nicht im Interesse der Opec+, auf Dauer einen zu hohen Ölpreis zu haben." Und bei Diesel kommt in den nächsten Monaten hinzu, dass der saisonale Effekt, dass dieser Kraftstoff im Winter wegen seiner Ähnlichkeit zum Heizöl teurer ist, nachlassen dürfte.

dri/dpa