Einigung bei Rentenreform Die Rente ist sicher - jedenfalls bei der ARD

Die ARD-Sender drosseln die allein vom Arbeitgeber finanzierte Betriebsrente ihrer Mitarbeiter. Sie steigt künftig nicht mehr im Gleichschritt mit den Gehältern. Doch die öffentlich-rechtlichen (Betriebs-)Rentner genießen viele Vorteile. Können sie doch künftig nahezu ohne Abschläge vorzeitig in den Ruhestand wechseln.
"Wir sind eins": ARD-Beschäftigte müssen in der Zukunft leicht gedrosselte Betriebsrenten hinnehmen

"Wir sind eins": ARD-Beschäftigte müssen in der Zukunft leicht gedrosselte Betriebsrenten hinnehmen

Foto: DPA

Sie hatten gut vier Jahre miteinander gerungen, jetzt ist die Kuh vom Eis: Angesichts niedriger Kapitalmarktzinsen drosseln die ARD-Sender die Ausgaben für die Betriebsrenten ihrer Mitarbeiter. Wie die ARD am Montag mitteilte , einigten sich die Arbeitgeber mit drei Gewerkschaften auf eine Reform der Versorgungswerke. Der Vertrag soll im Herbst unterzeichnet werden. Mehrere Sender mussten in den vergangenen Jahren auch wegen niedriger Zinsen die Rückstellungen für die Altersversorgung deutlich erhöhen.

Nun soll es für alle Beschäftigten, die seit Jahresbeginn 2017 eingestellt wurden, ein neues Versorgungssystem geben. "Die neue beitragsorientierte Versorgung befreit die Rundfunkanstalten von den Kostenrisiken durch Zinsentwicklung und steigende Lebenserwartung", heißt es. Auch andere Unternehmen haben in der Vergangenheit ihre Betriebsrenten-Versprechen an die Beschäftigten eingedampft, um Kosten zu senken und die Bilanz zu entlasten.

Wer länger dabei ist bei der ARD, dessen jährliche Rentensteigerung fällt künftig geringer aus. Bislang fiel sie in allen Sendern genauso hoch aus wie die jährliche Gehaltsteigerung. "Künftig werden die Betriebsrenten in 12 Monaten um einen Prozentpunkt weniger steigen als die Gehälter, aber in diesem Zeitraum auch mindestens um ein Prozent steigen", teilte die ARD mit . Ein dauerhaftes Absinken unter die Teuerungsrate werde damit ausgeschlossen, ist die Gewerkschaft DJV überzeugt .

Den Löwenanteil der Rentenbeiträge trägt die ARD

Nach DJV-Angaben können befristet beschäftigte Angestellte zukünftig auch Altersversorgungsansprüche erwerben. Dabei bauen die Sender allein die betriebliche Altersversorgung ihrer Mitarbeiter auf. Die Höhe der Beiträge orientiert sich am Gehalt und beträgt 7,38 Prozent bis zur Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung (West: 6350 Euro; Ost 5700 Euro).

Für einen ARD-Journalisten, dessen Monatsgehalt genau diese Grenze erreicht, zahlt der Arbeitgeber im Westen damit rund 468 Euro in die Betriebsrente ein, im Osten sind es 420 Euro. Für jeden Euro, der über dieser Grenze liegt, fließen weitere 3,35 Prozent in die Betriebsrente, bestätigt DJV-Sprecher Hendrik Zörner auf Nachfrage von manager-magazin.de.

Im Ruhestand beziehen die ARD-Beschäftigten auch die ganz normale gesetzliche Rente. Die Beiträge von 18,7 Prozent teilen sich ARD und Beschäftigte jeweils zur Hälfte. Bei einem Bruttomonatsgehalt von 6350 Euro sind dies jeweils rund 594 Euro. Im Beispielfall (West) fließen also monatlich insgesamt 1655 Euro in die gesetzliche Renten- und Betriebsrentenkasse, wovon der Beschäftigte selbst lediglich 594 Euro trägt.

Beim vorzeitigen Ruhestand sinkt die ARD-Betriebsrente kaum

Bei einem ARD-Mitarbeiter mit 40 Jahren Betriebszugehörigkeit gelte in der Regel noch die alte Gesamtversorgung, in der die gesetzliche Rente durch die Betriebsrente aufgefüllt werde. Der Versorgungsgrad, also die Summe von gesetzlicher und betrieblicher Rente, werde in einem solchen Fall im Durchschnitt rund 70 Prozent des letzten Gehaltes betragen, so die ARD.

Schließlich einigten sich die Parteien laut DJV-Sprecher Hendrik Zörner darauf, dass die ARD-Beschäftigten künftig mit "nur minimalen Abschlägen auf die Betriebsrente" in den Vorruhestand wechseln können. Eine deutliche Verbesserung: Denn zuvor mussten die Mitarbeiter beim vorzeitigen Ausscheiden bis zu 25 Prozent Abschlag auf die Betriebsrente hinnehmen, so Zörner.

Nach Angaben der ARD verringern sich die Abschläge bei vorzeitigem Rentenbeginn gegenüber dem Status quo - aber sie wurden bisher auch nur bei einem Rentenbeginn vor dem 65. Lebensjahr erhoben. Jetzt sei die neue Regelaltersgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung ("Rente mit 67") eingefügt worden. Und das bedeutet, dass nun auch bei einem Ausscheiden vor dieser neuen Grenze Abschläge erhoben werden. Ganz grob könne man kalkulieren: die Abschläge werden in etwa halbiert, aber sie gelten jetzt für einen längeren Zeitraum.

Zum Vergleich: Gesetzlich Rentenversicherte sollten für jeden Monat, den sie vorher in den Ruhestand möchten, einen Abschlag von 0,3 Prozent Punkten einkalkulieren. Je nach Alter kann die gesetzliche Rente so um bis zu 14,4 Prozent niedriger ausfallen.

Die Verhandlungen der ARD und des Deutschlandradios mit den Gewerkschaften Verdi, DJV und Deutsche Orchestervereinigung hatten im Oktober 2013 begonnen und standen mehrfach vor dem Scheitern. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen hatten die Arbeitgeber bereits bei den Gehaltstarifverhandlungen 2015 die Daumenschrauben angesetzt und die Gehaltssteigerungen gedrosselt..

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