Freitag, 26. April 2019

Fast 50 Prozent Abgabenlast in Deutschland - OECD vergleicht 36 Industrieländer Steuern und Abgaben - Deutschland und Belgien sind die größten Gehaltsfresser

Fast 50 Prozent Steuern und Abgaben: Die tatsächlichen Arbeitskosten in Deutschland werden auf den monatlichen Gehaltsabrechnungen verschwiegen

Deutschland ist bei Steuern und Abgaben spitze: Von den Arbeitskosten (Bruttolohn plus Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung) bleibt nach Steuern und Sozialabgaben nur noch rund die Hälfte übrig. Mit einer Steuer- und Abgabenlast von durchschnittlich 49,5 Prozent ist Deutschland in einem Vergleich von 36 Industrieländern gemeinsam mit Belgien das Land, das den Beschäftigten am meisten Geld abnimmt. Die Steuer- und Abgabenlast in Deutschland ist im internationalen Vergleich damit weiterhin überdurchschnittlich hoch.

Im Schnitt führen Alleinstehende mit durchschnittlichem Einkommen 49,5 Prozent der sogenannten Arbeitskosten an den Staat ab - einschließlich des Arbeitgeberanteils an den Sozialabgaben. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Industrieländer-Organisation OECD für das Jahr 2018 hervor. Arbeitskosten definiert die OECD als Bruttolohn und Sozialabgaben der Arbeitgeber.

Warum in Deutschland der Lohnzettel zusätzliche Kosten verschweigt

Damit der Blick auf den Lohnzettel für Beschäftigte nicht allzu deprimierend ausfällt, wird die tatsächliche Abgabenlast verschwiegen. In der Regel erscheint auf der Lohn- oder Gehaltsabrechnung nur der monatliche Bruttolohn des Beschäftigten, von dem die Steuern und Sozialabgaben (Arbeitnehmeranteil) abgezogen werden. Die vom Arbeitgeber gezahlten Sozialabgaben tauchen dort gar nicht auf - würden anstelle des Bruttolohns die tatsächlichen kompletten Arbeitskosten inklusiv Sozialabgaben des Arbeitgebers aufgeführt, würde den Beschäftigten auf einen Blick klar werden, dass ihre tatsächliche Belastung mit Steuern und Sozialabgaben deutlich höher liegt, als die Gehaltsabrechnung suggeriert.

Deutschland mit knapp 14 Prozent über dem Schnitt der Industrieländer

Unter den 36 bei der OECD vertretenen Industrieländern liegt damit bei diesem Personenkreis nur noch Belgien (52,7 Prozent) vor Deutschland. Der OECD-Schnitt liegt bei 36,1 Prozent. Am geringsten ist die Last an Steuern und Sozialabgaben in Chile (7 Prozent) und Neuseeland (18,4 Prozent). Auch bei allen anderen Haushaltstypen liegt die Belastung in Deutschland über dem OECD-Durchschnitt.

Besser sieht es vor allem für Familien in Deutschland aus - hier gibt es Zuschüsse wie Kindergeld und Steuervorteile. Das gilt besonders, wenn nur ein Partner arbeitet. In diesem Fall werden in Deutschland 34,4 Prozent der Arbeitskosten fällig (OECD: 26,6 Prozent).

Anders sieht es aus, wenn beide Partner erwerbstätig sind. Eine Familie mit zwei Verdienern und zwei Kindern führt den Experten zufolge in Deutschland 42,6 Prozent (OECD: 30,8 Prozent) der Arbeitskosten an den Staat ab. Hier wirkt sich das in Deutschland umstrittene Ehegattensplitting zugunsten verheirateter Paare aus und die beitragsfreie Mitversicherung von Familienangehörigen.

60 Prozent vom Bruttolohn - aber nur 50,5 Prozent von den tatsächlichen Kosten

Das Ehegattensplitting wurde vor Jahrzehnten eingeführt, um die Steuerlast von Eheleuten zu senken. Das entsprach damals dem traditionellen Familienbild mit allein verdienendem Mann und einer Frau, die sich um Kinder und Haushalt kümmert. Der Besserverdienende kann einen Teil seiner Steuerlast auf den Partner abwälzen, das Ehepaar wird so entlastet. Die OECD-Experten kritisierten schon öfter, dass diese Steuerregeln die Anreize zur Jobaufnahme verringerten. Hohe Steuern und Abgaben für Zweitverdiener entmutigen vor allem Frauen, erwerbstätig zu werden.

Im Schnitt können Alleinstehende mit durchschnittlichem Einkommen in Deutschland 60,3 Prozent ihres Gehalts mit nach Hause nehmen - der durchschnittliche Steuersatz inklusive Sozialabgaben liegt also bei 39,7 Prozent. Hier ist anders als bei den Arbeitskosten der Arbeitgeberanteil der Sozialabgaben nicht mit eingerechnet. Der OECD-Schnitt liegt bei 25,5 Prozent. Auch hier ist Deutschland nach Belgien auf Platz zwei.

la/dpa/reuters

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