Fragwürdige Geschäfte mit Wirecard-Aktien Minister Altmaier distanziert sich von Apas-Chef

Der Chef der Apas handelte noch mit Aktien von Wirecard, als seine Wirtschaftsprüferaufsicht in dem Fall bereits ermittelte. Der Fall empört nicht nur den Untersuchungsausschuss - auch die Bundesregierung reagiert.
"Das hat mich befremdet": Wirtschaftsminister Altmaier will sich die Aktiendeals von Apas-Chef Bose genauer anschauen

"Das hat mich befremdet": Wirtschaftsminister Altmaier will sich die Aktiendeals von Apas-Chef Bose genauer anschauen

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Michael Kappeler/ dpa

Der Chef der Wirtschaftsprüferaufsicht Apas, Ralf Bose, hat wenige Wochen vor dem Kollaps von Wirecard noch mit Aktien des Zahlungsanbieters gehandelt. Das sagte Bose selbst bei einer Befragung im parlamentarischen Untersuchungsausschuss in der Nacht zu Freitag, wie Teilnehmer der Sitzung Reuters sagten. Mehrere Abgeordnete forderten daraufhin seinen Rücktritt.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will die Transaktionen kritisch hinterfragen und prüfen, ob bei der Behörde Regeln missachtet worden seien und ob es Konsequenzen geben müsse. "Das hat mich befremdet. Wir werden mit den Beteiligten sprechen", sagte der CDU-Politiker am Freitagmorgen.

Bose kaufte laut Teilnehmern am 28. April 2020 Aktien von Wirecard und verkaufte sie am 20. Mai wieder. Erworben hat er sie also ausgerechnet an dem Tag, als der Konzern in einem Sonderbericht ein vernichtendes Urteil der Wirtschaftsprüfer von KPMG erhalten hatte. Die Experten hatten monatelang die Bilanzen von Wirecard durchforstet und erklärt, für Umsätze im Ausland keine Beweise finden zu können. Die damals noch im Dax notierten Aktien waren daraufhin um mehr als 20 Prozent in die Tiefe gestürzt.

Von der Apas, die Bilanzprüfer wie KPMG und EY beaufsichtigt, war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

"Instinktlos" und "ungeheuerlich"

"Private Aktiengeschäfte mit Wirecard-Aktien just zu der Zeit, in der die eigene Behörde gegen den Abschlussprüfer des Unternehmens ermittelt, sind eine riesige Instinktlosigkeit", sagte FDP-Politiker Florian Toncar zu Reuters. "Die Apas braucht jetzt einen Neuanfang an der Spitze." Auch der Tag, an dem Bose die Papiere verkauft hat, ist pikant: Am 20. Mai habe es ein Telefonat zwischen der Apas und der Finanzaufsicht BaFin zu "weiteren aufsichtsrechtlichen Erkenntnissen, die mit dem KPMG-Bericht zusammenhingen", gegeben, twitterte Linken-Politiker Fabio De Masi, der wie Toncar ein Mitinitiator des U-Ausschusses im Bundestag ist.

Dem Chef der Apas müssten Interessenkonflikte angezeigt werden, für ihn selbst gebe es aber keine solche eindeutige Regel, kritisierte De Masi. "Dieser ungeheuerliche Vorgang erfordert die Entlassung des Chefs der Apas und klare Regeln gegen Insiderhandel in Aufsichtsbehörden sowie auch den Ministerien selbst." Grünen-Politiker Danyal Bayaz fügte hinzu, Bose habe nicht nur die Tragweite des KPMG-Berichts komplett nicht verstanden, sondern auch eine "erschreckende Ignoranz gegenüber einem offensichtlichen Interessenkonflikt" gezeigt.

Ermittlungen gegen Deutsche-Bank-Manager

Die Wirtschaftsprüfergesellschaft Ernst & Young (EY) hatte jahrelang die Wirecard-Bilanzen testiert. Ihr wird vorgeworfen, den vermeintlichen Betrug nicht früher erkannt zu haben. Auch die Apas erhob zuletzt schwere Vorwürfe gegenüber EY und schaltete die Staatsanwaltschaft ein. Im Visier ist dabei auch der Deutsche-Bank-Manager Andreas Loetscher, der früher bei EY war. Er legte wegen der Ermittlungen seinen Posten bei der Bank vorübergehend nieder.

Wirecard meldete im Juni Insolvenz an, Ex-Chef Markus Braun sitzt seither in Untersuchungshaft, Ex-Vorstand Jan Marsalek ist auf der Flucht. Der Untersuchungsausschuss soll klären, wie es zu dem Bilanzbetrug kommen konnte und welche Verantwortlichkeiten es bei den Behörden und in der Politik gibt. Laut den Ermittlern soll sich Wirecard jahrelang schöngerechnet und damit Anlegern und Banken Milliardenschäden zugefügt haben.

Auch Mitarbeiter der Finanzaufsicht Bafin hatten in den Monaten vor der Pleite verstärkt privaten Handel mit Wirecard-Aktien betrieben. Die Behörde, der in dem Bilanzskandal Versagen vorgeworfen wird, verbot daraufhin ihren Beschäftigten im Oktober bestimmte private Aktiengeschäfte.

cr/Reuters