Dienstag, 20. August 2019

Mutmaßlicher Attentäter Amri weiter auf der Flucht Fingerabdrücke von Anis Amri im Lkw gesichert

Fahndungsaufruf des Bundeskriminalamt (BKA)

Der meistgesuchte Mann Europas ist weiter auf der Flucht. Der Verdacht, dass Anis Amri den Tat-Lkw steuerte, erhärtet sich. Vor und nach der Tat soll er sich in Berlin-Moabit aufgehalten haben.

Liebe Leserinnen und Leser, wir beenden für heute unseren Newsblog über das Attentat in Berlin und die Fahndung nach Anis Amri. Sollte sich Relevantes ergeben, nehmen wir die Berichterstattung wieder auf und empfehlen für die Zwischenzeit den Newsblog unserer Kollegen von Spiegel Online. Wir wünschen Ihnen eine friedliche Nacht.

21 Uhr: Der Sender rbb berichtet, dass sich Amri in den Tagen vor dem Anschlag zeitweise in einer Moschee in Berlin-Moabit aufgehalten hat, die im Verdacht stehe, die Organisationszelle der "Isis-Leute in Berlin" zu sein. Auch nach dem Anschlag soll er kurzzeitig in Moabit gewesen sein.

19 Uhr: Die Polizei hat im Laufe des Tages mehrere Gebäude in Berlin und Nordrhein-Westfalen durchsucht, darunter nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa auch ein Salafistentreffpunkt im Berliner Stadtteil Moabit, in dem Amri verkehrt haben soll.

15.15 Uhr: Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat bestätigt, dass im Anschlagslastwagen Fingerabdrücke des gesuchten Tatverdächtigen Anis Amri gefunden wurden. Die Spuren wurden im Führerhaus des Lastwagens gesichert, wie de Maizière in Berlin sagte. Der Innenminister hatte sich zuvor mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesjustizminister Heiko Maas beim Bundeskriminalamt in Berlin über den Stand der Ermittlungen informiert.

13.15 Uhr: Beim Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt ist eine Frau aus Italien ums Leben gekommen. Das bestätigte die Regierung in Rom. "Italien gedenkt Fabrizia Di Lorenzos, einer von den Terroristen getöteten Musterbürgerin. Das Land schließt sich tief bewegt dem Schmerz der Familie an", schrieb Ministerpräsident Paolo Gentiloni am Donnerstag auf Twitter.

13 Uhr: FDP-Chef Christian Lindner tritt eine Diskussion um ein mögliches Versagen deutscher Sicherheitsbehörden los. Der Politiker kritisiert laut dpa-afx "katastrophale Fehler" der Behörden und erhebt Vorwürfe gegen NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). "Es liegt offenbar ein Staatsversagen vor, das nicht toleriert werden kann", sagte Lindner. "Es ist ein altes Muster von Herrn Jäger, dabei Verantwortung reflexhaft an andere wegzudrücken." Wer die Fehler zu verantworten habe, müsse präzise ermittelt werden. Lindner forderte: "Gefährder müssen zukünftig lückenlos überwacht werden. Dafür müssen die technischen und personellen Voraussetzungen geschaffen werden." Notfalls sollten ihnen elektronische Fußfesseln angelegt werden.

12.30 Uhr: Der Verdacht, dass der Tunesier Anis Amri den Lkw in die Menschenmenge des Berliner Weihnachtsmarkts gesteuert haben könnte, verdichtet sich. An der Tür des Tatfahrzeugs hätten die Ermittler laut NDR, WDR und "SZ" Fingerabdrücke des tatverdächtigen Tunesiers gefunden. Die Polizei lehnt eine Stellungnahme ab und verweist auf den Generalbundesanwalt. In der Fahrerkabine des Lkw waren bereits Ausweispapiere gefunden worden, die die Behörden auf die Spur des Mannes geführt hatten.

12 Uhr: Offenbar bot sich der Terrorverdächtige Anis Amri in der Islamistenszene schon früh als möglicher Selbstmordattentäter an. Das berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf Informationen aus dem Kreis von Sicherheitsbehörden. Entsprechende Äußerungen von Amri aus der Telekommunikationsüberwachung (Internet) seien aber so verklausuliert gewesen, dass sie nicht für eine Festnahme gereicht hätten.

11 Uhr: Der Bruder des gesuchten Tunesiers Anis Amri hat den Flüchtigen aufgefordert, sich den Ermittlungsbehörden zu stellen. "Ich bitte ihn, sich in die Polizei zu stellen", sagte , Abdelkader Amri der englischsprachigen Nachrichtenagentur AP. Sollte sich herausstellen, dass sein Bruder in dem Fall verwickelt ist, werde sich seine Familie von Anis Amri lossagen. Abdelkader vermutet, dass sein Bruder Anis im Gefängnis in Italien radikalisiert worden sein könnte. Nach dem Ausbruch des arabischen Frühlings habe Anis Amris Tunesien verlassen und sei nach Italien gegangen.

10.40 Uhr: Die Bundesanwaltschaft hat dementiert, dass vier Kontaktpersonen des gesuchten Tatverdächtigen festgenommen worden sein sollen. "Nein, das ist nicht so", sagt ein Sprecher der obersten Ermittlungsbehörde. "Uns ist keine Festnahme bekannt." Der WDR hatte zuvor online von einer Razzia in der Dortmunder Nordstadt und den angeblichen Festnahmen berichtet. Dem Bericht zufolge soll Amri Kontakte zu dem Dortmunder Salafisten Boban S. gehabt und teilweise dort gewohnt haben. S. wurde im November als IS-Unterstützer verhaftet.

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9.30 Uhr: Der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt war offenbar von langer Hand vorbereitet worden. Schon vor Monaten sei in salafistischen Kreisen des Ruhrgebietes über einen Anschlag in Berlin geredet worden, bei dem ein Lkw eingesetzt werden soll, sagte der Strafverteidiger Burkhard Benecken dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Benecken vertritt einen der Angeklagten im Prozess um den Anschlag auf ein Sikh-Gebetshaus in Essen. "Mein Mandant hat mir im Mai erzählt, dass er von den Planungen gehört habe", zitiert das Blatt den Verteidiger.

8.30 Uhr: Deutsche Behörden hatten den mutmaßlichen Attentäter von Berlin schon länger im Visier, das wurde bereits gestern bekannt. Wenn er der Täter gewesen ist, stellt sich die Frage, ob Sicherheitsbehörden hier Fehler begangen haben und wie Amri, der als "Gefährder" eingestuft war, sich der lückenlosen Beobachtung der Behörden entziehen konnte.

Laut "Süddeutsche Zeitung", hatten hiesige Behörden schon länger Informationen darüber, dass Amri in radikalen Kreisen verkehrte. Auch habe er gegenüber einer Vertrauensperson des Landeskriminalamts in NRW davon gesprochen, Anschläge begehen zu wollen. Den Behörden sei bekannt gewesen, dass er sich angeblich Waffen besorgen wollte. "Wir haben viele Gefährder", zitiert die Zeitung einen mit den Ermittlungen vertrauten Beamter. Aber "solche wie den haben wir nur wenige."

8 Uhr: Etwa 100 Polizisten und Ermittler haben am Morgen eine Flüchtlingsunterkunft im nordrhein-westfälischen Emmerich durchsucht. Die Aktion war nach etwa einer Stunde beendet. Über das Ergebnis war zunächst nichts bekannt. Ein Sprecher der Polizei wollte sich zu der Durchsuchungsaktion nicht näher äußern und verwies auf den Generalbundesanwalt.

7.30 Uhr: Mit ihrem Mann wollte sie nur ein wenig die vorweihnachtliche Stimmung auf dem Markt genießen, das wurde ihnen zum Verhängnis: Unter den Todesopfern des Anschlags ist auch eine israelische Frau, bestätigte am Morgen das israelische Außenministerium. Die israelische Botschaft kümmere sich um die Überführung der Leiche in die Heimat. Ihr Mann, ebenfalls israelischer Staatsbürger, wurde bei der Attacke schwer verletzt. Er sei mehrmals operiert worden, schwebe aber nicht mehr in Lebensgefahr, so die Nachrichtenseite "ynet". Das Ehepaar habe zwei erwachsene Kinder. Sie waren in Berlin, um bei der Identifizierung zu helfen. Bei dem Anschlag waren zwölf Menschen getötet worden. Rund 50 Menschen wurden teils lebensbedrohlich verletzt.

7 Uhr: Der gesuchte Tunesier war den US-Behörden offenbar bekannt. Die "New York Times" berichtet unter Berufung US-Kreise, Anis Amir werde auf US- Flugverbotslisten geführt. Zudem habe er über den Internetdienst Telegram mindestens einmal mit dem IS Kontakt aufgenommen und online den Bau von Sprengsätzen recherchiert.

6.30 Uhr: Die Polizei Berlin lässt Anis Amri in ganz Europa suchen, die Fahndung läuft auf Hochtouren. Das Fahndungsschreiben hat sie nun auch in den Sprachen Arabisch, Dari, Farsi und Urdu veröffentlicht, berichtet die FAZ . Offensichtlich hoffen die Ermittler damit auch auf Hinweise von Menschen, die aus dem arabsichen Raum stammen. Für Hinweise die zur Ergreifung des Täters führen ist eine Belohnung von bis zu 100.000 Euro ausgesedtzt. Zugleich wurde gewarnt, der 24-Jährige "könnte gewalttätig und bewaffnet sein".

Das Wichtigste aus der Nacht:

  • Die Polizei Berlin dementiert einen Bericht der "Welt", wonach ein Spezialeinsatzkommando zwei Wohnungen in der Hauptstadt gestürmt haben soll. Zudem teilten die Sicherheitskräfte mit, dass die Absperrungen am Breitscheidplatz aufgehoben worden seien. Die Arbeit der Polizei sei dort abgeschlossen.
  • Der künftige US-Präsident Donald Trump verurteilt den Anschlag als einen "Angriff gegen die Menschlichkeit". So etwas müsse gestoppt werden.
  • Der flüchtige Tatverdächtige Anis A. wurde in diesem Jahr von Berliner Sicherheitsbehörden observiert. Aus Justizkreisen heißt es, bei den Ermittlungen sei es um Informationen gegangen, wonach A. einen Einbruch geplant habe, um die Anschaffung automatischer Waffen zu finanzieren. Der Verdacht habe sich aber nicht erhärtet.
  • Der heute 23jährige Tatverdächtige Anis A. soll Tunesien bereits vor sieben Jahren verlassen haben. Der aus einer ländlichen Gegend stammende Nordafrikaner habe vor seiner Einreise nach Deutschland vier Jahre in einem italienischen Gefängnis verbracht, berichtet der tunesische Radiosender Mosaique unter Berufung auf den Vater des Mannes und auf Sicherheitskreise. In Italien soll er eine Schule angezündet haben. Nach Deutschland sei er vor einem Jahr gekommen.

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