Topmanagerinnen schalten sich in Wahlkampf ein "Uns bleiben etwa drei bis fünf Jahre"

Zweieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl fordern einige der prominentesten deutschen Managerinnen einen Politikwechsel - mit sechs konkreten Thesen.
Klare Thesen: Christine Bortenlänger, Ann-Kristin Achleitner, Saori Dubourg (v.l.) melden sich kurz vor der Bundestagswahl zu Wort

Klare Thesen: Christine Bortenlänger, Ann-Kristin Achleitner, Saori Dubourg (v.l.) melden sich kurz vor der Bundestagswahl zu Wort

Foto: imago images / Sammy Minkoff; imago stock&people; BASF

Eine schnelle Digitalisierung, Offenheit für neue Technologien, "Ehrlichkeit" in der Energiewende, eine Beibehaltung der Schuldenbremse - das sind Kernforderungen, mit denen sich sechs Spitzenfrauen der deutschen Wirtschaft zweieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl in den Wahlkampf einschalten. Die Frauen gehen damit einen Schritt, der in der deutschen Unternehmenswelt selten ist: Sie positionieren sich in der öffentlichen Debatte.

In sechs Thesen mahnen die Frauen, unter ihnen die BASF-Vorständin Saori Dubourg sowie die Multi-Aufsichtsrätinnen Ann-Kristin Achleitner (Munich Re, Linde), Christine Bortenlänger (Siemens Energy, MTU), Hauke Stars (Fresenius, RWE) und Ex-Gruner+Jahr-Chefin Julia Jäkel, Reformen an, zum Teil auch mit konkreten Vorschlägen für die Umsetzung.

Deutschlands Unternehmen verfügten auch im Zeitalter der Digitalisierung noch über ein enormes Pfund an Technologien mit gewaltigen Chancen für die Zukunft, schreiben die Unterzeichnerinnen des Appells, zu denen auch die Münchner Personalberaterin Stephanie Schorp zählt. Doch um die Transformation zu schaffen, sei jetzt schnelles und konsequentes Handeln gefragt. "Uns bleiben etwa drei bis fünf Jahre, um diese Chancen zu heben und Deutschland dadurch weltweit eine Führungsposition zu erarbeiten, bevor es andere tun", warnt Saori Dubourg.

"Industrieweit arbeiten wir in über 100 Technologiefeldern an Lösungen mit Wasserstoff, Recycling oder E-Mobilität, um eine nachhaltigere Gesellschaft zu formen. Dabei helfen nicht Dogmen, sondern Technologieoffenheit und Wettbewerb. Denn nur wer vieles testet und ausprobiert, findet am Ende auch die beste Lösung", sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin und Startup-Expertin Ann-Kristin Achleitner.

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Powerfrauen aus der Wirtschaft: Ein Überblick

Foto: Malte Ossowski/SVEN SIMON / IMAGO

Neben einer größeren Offenheit für Innovationen brauche das Land vernünftige staatliche Rahmenbedingungen für die Finanzierung einer nachhaltigen Wirtschaft über private Kapitalmärkte, konstatiert Christine Bortenlänger: "Eine Aufhebung der Schuldenbremse belastet die Zukunft unserer Kinder."

Erforderlich seien jetzt außerdem eine exzellente digitale Infrastruktur sowie realistische und verlässliche Pfade für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Dazu gehöre eine marktwirtschaftliche Preisfindung für CO2-Emissionen in europäischem Maßstab.

Auch den Bildungssektor nehmen die Expertinnen in den Blick. Den digitalen Ausbau der Schulen und Universitäten bezeichnen sie als "überfällig", deutliche Investitionen in Infrastruktur und die Qualität der Lehre als Muss. Nur so lasse sich wieder ein zukunftsfähiges Bildungssystem schaffen, das Chancen für alle biete.

Unsere Zukunft entscheiden wir heute

Zukunftsfähige Politik für Deutschland - die sechs Thesen der Wirtschaftsfrauen

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Fünf der sechs Autorinnen des Aufrufs "für ein zukunftsfähiges Deutschland" gehören zur Runde der "100 einflussreichsten Wirtschaftsfrauen" des Jahres 2020 , ermittelt und ausgezeichnet von manager magazin und der Boston Consulting Group.

buc