Freitag, 19. April 2019

Dieselkrise Merkels Blankoscheck für Volkswagen, Daimler und Co

Angela Merkel ist "enttäuscht" von der Autoindustrie, will ihr im Zuge des Abgas- und Dieselskandals aber auch keine Daumenschrauben anlegen

2. Teil: Wachsweiche Mahnung an Volkswagen, Daimler und Co

Nun sind die Parteien mitten im Bundestagswahlkampf, und der Verbrennungsmotor ist - wenn auch mit unterschiedlichen Vorzeichen - durch apodiktische Aussagen von CSU und Grünen - unversehens zum Knackpunkt für spätere Koalitionsverhandlungen geworden.

Geschickt machte Merkel deshalb deutlich, dass sie ihr Bekenntnis zum Verbrennungsmotor nicht als Blankoscheck für alle Ewigkeit verstanden wissen möchte. Die Industrie müsse selbstverständlich parallel an alternativen Antrieben arbeiten, hob sie mahnend hervor.

Diese wachsweiche Forderung dürfte Deutschlands Autobosse wenig einschüchtern. Zumal: Auch wenn sie wie Volkswagen die Entwicklung und den Bau von Elektroautos lange vernachlässigten, arbeiten sie nun so intensiver daran, sich nicht von Tesla-Chef Elon Musk und seinem massentauglichen Model 3 abhängen zu lassen.

Merkel ist "enttäuscht" von der Autoindustrie

Merkel betonte gleichwohl, sie sei von der Autoindustrie "sehr enttäuscht". Dies werde sich auch bei der Eröffnung der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am 14. September nochmals deutlich machen. "Ich werde auf der IAA nicht anders sprechen als auf den Marktplätzen."

Auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wandte sich gegen mögliche Fahrverbote, weil sie vor allem Pendler träfen. Eine Umrüstung müsse schnell erfolgen. Dies gelte für die Software- und - wenn nötig - auch für die Hardware, schob er abweichend zu Merkel nach.

Die sozialdemokratische Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hatte dagegen noch vor Tagen erklärt: "Es wird eine Nachrüstung der Hardware, also eine Abgasreinigung geben müssen." Derzeit sieht es nicht danach aus, dass sich diese Forderung in einer möglichen Großen Koalition durchsetzen ließe.

Und die Drohung des Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir, seine Partei werde keine Koalition eingehen, "die nicht das Ende der Ära des fossilen Verbrennungsmotors einleitet und den Einstieg in den abgasfreien Verkehr schafft", lässt für mögliche Koalitionsgespräche dann noch viel Verhandlungsspielraum.

mit dpa

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