Energiewende Bayern fordert Stromtrassen-Moratorium - Oettinger winkt ab

Die geplante 800 Kilometer lange Stromtrasse durch Deutschlands Mitte gilt als "Hauptschlagader" der Energiewende. Bayern fordert, den Plan für die Trasse zu überprüfen - und erntet damit Kritik vom EU-Energiekommissar.
Geplanter Verlauf der Stromtrasse Suedlink: Eine 800 Kilometer Überlandleitung soll den Windstrom in den Süden Deutschlands bringen

Geplanter Verlauf der Stromtrasse Suedlink: Eine 800 Kilometer Überlandleitung soll den Windstrom in den Süden Deutschlands bringen

Foto: manager magazin online

Brüssel - EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat mit Unverständnis auf die Forderung Bayerns nach einem Stromtrassen-Moratorium reagiert. In Bayern gingen "in den nächsten Jahren große Kernkraftwerke vom Netz", sagte Oettinger der Zeitung "Die Welt" (Donnerstagsausgabe). Die Leitungen, die Windstrom von Nord nach Süd transportieren sollen, seien "notwendig - und zwar sehr schnell".

Den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) forderte Oettinger zum Einlenken auf. "Wenn er den Bau der Stromtrassen ermöglicht und mitwirkt, dass die Akzeptanz steigt, ist das sehr willkommen", sagte der EU-Kommissar. Um Bürgerproteste gegen den Netzausbau gering zu halten, empfahl der CDU-Politiker, die Bürger einzubinden.

Trassenbau beschlossen - doch in den Ländern regt sich Widerstand

Doch die Kritik an der Energiewende wird lauter - auch von Ökonomen. Die Bundesländer warnte Oettinger unterdessen vor Egoismus bei der Energiewende. Zwar hätten die Landesregierungen einen Eid geschworen, die Interessen ihres Landes zu vertreten.

"Aber 16 Einzelpläne ergeben das Gegenteil einer guten deutschen Energiewende." Wenn Atomkraftwerke abgeschaltet würden, werde Strom aus anderen Quellen benötigt, sagte Oettinger.

Die Betreiber des größten Netzausbauprojektes der Energiewende hatten am Mittwoch den geplanten Verlauf der längsten neuen Stromtrasse quer durch Deutschland vorgestellt. Die rund 800 Kilometer lange sogenannte Suedlink-Verbindung soll ab dem Jahr 2022 Windstrom von Schleswig-Holstein bis nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren.

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la/dpa/reuters
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