Hochwasser Halle mit höchstem Pegelstand seit 400 Jahren

Flutwellen rollen weiter Donau und Elbe hinab. Während sich die Lage mancherorts entspannt, bedrohen Wassermassen vor allem Sachsen und Sachsen-Anhalt. In Dresden müssen sich weitere Menschen darauf vorbereiten, ihre Wohnungen zu verlassen.
Fast acht Meter: Halle an der Saale registriert die höchsten Pegelstände seit Jahrhunderten

Fast acht Meter: Halle an der Saale registriert die höchsten Pegelstände seit Jahrhunderten

Foto: Frederik Wolf/ dpa

Berlin - Gewaltige Wassermassen haben Süd- und Ostdeutschland überrollt. Sobald sich die Lage an einer Stelle entspannte, verschärfte sich die Situation andernorts. In der Nacht zum Mittwoch war die Situation vor allem in Sachsen-Anhalt angespannt. Aber auch in Niedersachsen wächst die Furcht vor einer gewaltigen Flut. In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden wurden weitere Evakuierungen vorbereitet.

In Dresden bereitet die Elbe zunehmend Sorge. "Da steigt der Pegel langsam, aber kontinuierlich", sagte Stadtsprecherin Heike Großmann am frühen Morgen. Man bereite sich darauf vor, mehr als 600 Menschen in Sicherheit zu bringen. In einigen Straßenzügen wurde der Strom abgeschaltet.

In Halle in Sachsen-Anhalt sicherten hunderte Einsatzkräfte mit Hilfe der Bundeswehr die Deiche gegen ein Durchbrechen der Fluten ab. Die Pegelstände der Saale pendelten in der Nacht um eine Höhe von 7,80 Metern, teilte ein Stadtsprecher mit. "Seit 400 Jahren ist das der höchste Stand." Normal seien weniger als drei Meter. Die Dämme seien aber trotzdem immer noch relativ stabil. Es werde damit gerechnet, dass die Straßen am Rande der Altstadt rund einen Meter hoch vom Wasser überspült werden. Grund dafür sei auch der steigende Grundwasserspiegel.

Problematisch war die Lage auch in Bitterfeld. Am vollgelaufenen Seelhausener See wurde am Dienstagabend ein Stück Deich gesprengt, wie der Krisenstab mitteilte. Dadurch sollte Schlimmeres verhindert werden. Zuvor war mitgeteilt worden, dass ein Deichbruch nicht mehr ausgeschlossen werden könne - und in diesem Fall eine erhebliche Menge an Wasser in die Stadt Bitterfeld fließen werde.

Auch in Bayern stieg das Wasser mancherorts noch. In Straubing näherte sich der Pegelstand der Donau seinem vorläufigen Höhepunkt. In der Nacht sei das Wasser auf 7,92 Meter gestiegen, teilte ein Sprecher mit. Bis zum frühen Morgen sollte der Pegelstand auf knapp über acht Meter klettern: "Ich gehe mal davon aus, der Scheitelpunkt dürfte bald erreicht sein", sagte der Sprecher. Bisher hielten die Deiche aber.

6000 Menschen mussten ihre Häuser räumen

In der Region Deggendorf und Straubing mussten am Dienstag rund 6000 Menschen ihre Häuser wegen des Hochwassers verlassen. In kleineren Orten spielten sich teils dramatische Szenen ab, da einige Bewohner die Dörfer nicht verlassen wollten, wie Robert Wondry, Sprecher der Wasserwacht, schilderte. Das Rote Kreuz setzte Boote ein, um die Menschen aus dem Hochwassergebiet zu holen.

In Niedersachsen bereiteten sich manche Orte auf eine gewaltige Elbe-Flut vor. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg löste am Dienstagabend vorausschauend Katastrophenalarm aus. Das bedeute, dass der Landkreis ab sofort für den Einsatz zuständig sei, sagte eine Sprecherin.

Helfer seien dazu aufgerufen, Sandsäcke zu füllen. Evakuierungen seien aber bislang nicht geplant. Der Alarm sei aufgrund der Prognosen zu den Pegelständen ausgerufen worden, hieß es. Bis Sonntag werden mancherorts Pegelstände von mehr als 8 Metern erwartet. Bislang sei die Elbe im fraglichen Gebiet aber noch nicht stark angestiegen.

Niedersachsen erwartet Pegelstände von acht Metern und mehr

Trotz steigender Pegelstände der Elbe war die Lage in Brandenburg noch unter Kontrolle. "Ganz so heftig ist es noch nicht", sagte ein Sprecher des Innenministeriums in der Nacht zum Mittwoch. Entlang der Elbe sei die höchste Warnstufe noch nicht erreicht - mit der für die nächsten Tage angekündigten Hochwasserwelle aber würden die Pegelstände deutlich steigen. Die kritisch eingeschätzten Flüsse Schwarze Elster und Spree hätten die Helfer im Griff, betonte der Sprecher.

In Sachsen und Thüringen beruhigte sich die Lage. Für den Landkreis Greiz in Ostthüringen wurde am Abend der Katastrophenalarm aufgehoben. In Eilenburg können am Mittwochmorgen voraussichtlich tausende Menschen wieder in ihre Häuser zurückkehren, wie ein Sprecher des Krisenstabs Nordsachsen sagte.

Das Deutsche Rote Kreuz warnte unterdessen eindringlich davor, in den Hochwassergebieten die Deiche zu betreten. "Es besteht Lebensgefahr!", heißt es in einer Mitteilung des DRK-Landesverbandes Dresden. "Auch wenn das Interesse an den Wassermassen sehr groß ist, sollten Schaulustige sich und andere nicht unnötig in Gefahr bringen", hieß es.

rei/dpa
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