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Fracking: Fluch oder Segen?

Foto: GDF Suez

Umstrittener Rohstoffschatz Schwarz-Gelb sucht Rezept gegen Fracking-Angst

Union und FDP haben ihren Fracking-Gesetzentwurf verschärft. Den Grünen geht er nicht weit genug, sie wollen im Wahlkampf die Gefahr für das Wasser durch die neuartige Gasförderung zum Thema machen. Die Bierbrauer haben sie schon auf ihrer Seite.

Berlin - Andreas Mattfeldt ist nicht der klassische Rebell. Aber in den vergangenen Wochen war der CDU-Bundestagsabgeordnete aus dem niedersächsischen Landkreis Verden so etwas wie der Koordinator eines internen Unions-Aufstandes. 80 Abgeordnete mit Wahlkreisen in möglichen künftigen Fracking-Gebieten hatten den Gesetzentwurf von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) für zu lasch befunden.

Die neue Technik zur Schiefergasförderung aus kilometertiefen Schichten birgt großen Chancen - aber eben auch mögliche Risiken für das Trinkwasser. Bisher gibt es keine klare Handhabe gegen solche Bohrungen - daher dringen Länder und Kommunen auf eine bundesweite Regelung.

Mit hohem Druck wird beim Fracking ein Wasser-Sand-Gemisch, das mit Chemikalien angereicht wird, in die Tiefe gepresst. Mit abgelenkten Bohrungen im Untergrund über große Distanzen wird das Gestein mit feinen Rissen aufgebrochen ("gefrackt"), damit das gebundene Gas entweichen kann. Das Umweltbundesamt (UBA) kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass von ausgewerteten Frack-Mischungen 6 als giftig, 6 als umweltgefährlich, 25 als gesundheitsschädlich, 14 als reizend, 12 als ätzend und 27 als ungefährlich einzustufen sind.

Landwirte besorgt

Der CDU-Politiker Mattfeldt nun hält die Fracking-Debatte für falsch akzentuiert, er nimmt die gesamte Erdgasförderung in den Blick. "Wir haben riesige Probleme mit der Entsorgung des Lagerstättenwassers, egal ob gefrackt oder nicht gefrackt wurde. Das Wasser ist hochgradig benzol- und quecksilberbelastet." Man wisse nicht, wohin damit. Derzeit werde es oft unterirdisch verpresst. In seiner Heimat sei das Erdreich in einer Region über Kilometer durch ausgetretene Flüssigkeit verseucht worden. "Das führt so weit, dass Landwirte Aufträge verloren haben. Da geht es richtig um Existenzen."

Beim Fracking müsse man unterscheiden: Bei dem sogenannten Tight-Gas in 3500 bis 5000 Meter Tiefe seien in Deutschland bereits rund 300 Fracking-Vorgänge genehmigt worden, betont Mattfeldt. Das sei umweltpolitisch unproblematisch gelaufen. Jetzt gehe es um das Fracking von Schiefergas, was künftig mal in 1000 bis 1300 Metern stattfinden solle. Angesichts der Probleme habe man entschieden, den Entwurf in Gänze so zu verschärfen, dass die gesamte Erdgasförderung "nur noch unter allerstrengsten Auflagen machbar und möglich ist".

Der Entwurf soll aller Voraussicht nach am 15. Mai vom Kabinett abgesegnet und über die Fraktionen von Union und FDP in den Bundestag eingebracht werden, damit das Fracking-Gesetz noch vor der Bundestagswahl zustande kommt. Der deutsche Gasbedarf könnte mit den vermuteten Vorkommen nach Schätzungen bis zu dreizehn Jahre gedeckt werden.

Brauereien sind besorgt

Altmaier betont, Fracking werde mit der Regelung erschwert. Trinkwasserschutzgebiete sind weiter tabu. Das sind 14 Prozent der Landesfläche. Auch wer einen Kilometer neben solchen Gebieten bohrt, darf nicht unter die Wassergebiete querbohren. Geplant ist zudem, dass alle Bohrungen - egal wo sie geplant sind - nur im Einvernehmen mit den Wasserbehörden beschlossen werden dürfen.

Auch ein Verpressen der Bohrflüssigkeit in Wasserschutzgebieten und Heilquellenschutzgebieten soll verboten werden. Verpflichtend sind strenge Umweltverträglichkeitsprüfungen. Insgesamt bekommen die Behörden in den Ländern also viel Einfluss, Bohrungen zu blockieren.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) glaubt, dass Union und FDP mit großer Hast das Thema regeln wollen, damit es nicht als Kampfthema im Wahlkampf ausgeschlachtet werden kann. "Die Debatte um die Verpressung von Kohlendioxid hat gezeigt, dass da ganze Landstriche, die sonst mehrheitlich CDU wählen, weggekippt sind."

Schleswig Holstein fordert Änderung des Bergrechts

Beim Fracking seien die Ängste aber noch größer. Habeck: "Das ist eine fiese Technik: Die pumpen Gift in den Untergrund, um Gas zu fördern." Schleswig-Holstein hat daher im Bundesrat gerade eine Änderung des Bergrechts gefordert, damit generell die Einleitung von umwelttoxischen Stoffen zur Gasgewinnung bundesweit verboten wird.

Auch deutsche Brauereien sind besorgt, dass Fracking die Reinheit des Bieres gefährden könnte. "Das vorgesehene Anwendungsverbot von Fracking auf Wasserschutz- und Quellschutzgebiete greift zu kurz", sagt der Hauptgeschäftsführer des Brauer-Bundes, Peter Hahn. "Denn zahlreiche Wasservorkommen liegen außerhalb solcher Schutzgebiete, denen Wasser sprichwörtlich von überall her zufließen kann." Die sichere Wasserversorgung sei aber für die Bierbrauer existenziell.

Besonders Minister Rösler schwärmt geradezu von der US-Revolution in Sachen Fracking, sind doch dort die Energiepreise gepurzelt. Und so könnte Deutschland unabhängiger von russischem Erdgas werden. Aber was ist der langfristige Preis? Und es stellt sich die Frage, ob das Herauspressen der letzten Gasreserven aus dem Untergrund nicht die mit Milliardensummen forcierte Energiewende konterkariert, die ja gerade den Abschied vom fossilen Energiezeitalter einläuten soll.

krk/dpa
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