Samstag, 20. April 2019

Einkommensteuer Kalte Progression kostet drei Milliarden Euro jährlich

Einkommensteuererklärung: Ein reiner Inflationsausgleich kann von der kalten Progression aufgefressen werden

Wenn aus einer Lohnerhöhung unter dem Strich ein Minus wird, ist häufig die sogenannte kalte Progression schuld. Diese prozentuale Steigerung in der Einkommensteuer kostet die Steuerzahler rund drei Milliarden Euro pro Jahr.

Berlin - Die sogenannte kalte Progression im Einkommensteuertarif bringt dem Fiskus auch in diesem und im kommenden Jahr wieder etliche Milliarden Euro ein. Im Schnitt sind es von 2011 bis 2014 pro Jahr knapp drei Milliarden Euro. Dies geht aus einer Antwort des Finanzministeriums an den Linke-Abgeordneten Axel Troost hervor.

Das Ministerium weist in der Antwort, über die zunächst die "Süddeutsche Zeitung" berichtet hatte, darauf hin, dass auch der Sachverständigenrat in seinem Jahresgutachten 2011/2012 von "heimlichen Steuererhöhungen" in ähnlicher Höhe ausgehe.

Das Ministerium erläutert in der Antwort: "Aufgrund der Progression im Einkommensteuertarif steigt bei Einkommenszuwächsen die zu zahlende Steuer prozentual stärker als das Einkommen an, das heißt, der Durchschnittssteuersatz steigt. Unter "kalter Progression" wird ein Anstieg des Durchschnittssteuersatzes verstanden, der bei einer Einkommenserhöhung zum Ausgleich der Inflation auftritt."

Die Zeitung rechnete vor, der Staat nehme einem Ehepaar mit zwei Kindern und einem Jahresbruttoeinkommen von 60.000 Euro zwischen 2011 und 2014 durch die "kalte Progression" etwa 488 Euro weg. Bei einem Familieneinkommen in doppelter Höhe seien es 1329 Euro. Einen Alleinstehenden mit 30.000 Euro Einkommen koste die "kalte Progression" in diesem Zeitraum rund 207 Euro.

Wirtschaft appelliert an Bundesregierung

Troost wies darauf hin, dass das Einkommensteuerkonzept der Linken einen durchgehend linearen Tarif vorsehe. "Dies schwächt die Wirkung der kalten Progression ab - der Tarif ist im von der kalten Progression derzeit besonders betroffenen Einkommensbereich weniger steil." Darüber hinaus sollen die Steuersätze regelmäßig angepasst werden, um die Inflation zu berücksichtigen. Einem solchen "Tarif auf Rädern" steht die schwarz-gelbe Bundesregierung ablehnend gegenüber.

Die deutsche Wirtschaft appellierte an die Bundesregierung, die heimlichen Steuererhöhungen zügig zu stoppen. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, forderte in der "Bild"-Zeitung, den Steuertarif künftig jährlich an die Inflation anzupassen. Er warnte CDU, SPD und Grüne zugleich vor Steuererhöhungen nach der Bundestagswahl im September.

FDP-Fraktionsvize Volker Wissing sagte, Union und FDP wollten "die Beschäftigten vor diesen heimlichen Steuererhöhungen schützen" und hätten ein Gesetz eingebracht, das den Anstieg ausgeglichen hätte. "SPD und Grüne haben diesen Entwurf im Bundesrat blockiert und tragen deshalb die politische Verantwortung für eine heimliche Steuererhöhung im Umfang von drei Milliarden Euro zu Lasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in unserem Land."

Seite 1 von 2

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung