Donnerstag, 21. November 2019

Soffin-Berater Krisenverursacher kassierten Millionen

Guter Rat ist teuer: Erst stürzten Banken die Märkte und die Menschen in die Krise, dann hielten einige von ihnen als Berater später noch die Hand auf.

Für Berater war die Finanzkrise ein lukratives Geschäft. 100 Millionen Euro Honorar zahlte der staatliche Bankenrettungsfonds an Honoraren. Dabei kassierten auch große Geldinstitute, die die Krise mit verursacht hatten.

Berlin - Die Stabilisierung deutscher Banken im Zuge der Finanzkrise hat Anwälten und Beratern Millioneneinnahmen beschert. Die Verwalter des staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin haben zwischen Oktober 2008 und Dezember 2012 fast 100 Millionen Euro für externe Beratungsaufträge ausgegeben. Das geht aus einer Übersicht des Finanzministeriums hervor.

Den Steuerzahlern seien keine Kosten entstanden, die Ausgaben für Beratungsleistungen seien an die Banken weitergeleitet worden, betonten die für den Soffin zuständige Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) und das Finanzministerium am Mittwoch.

89 Prozent der Kosten seien von gestützten Instituten und Abwicklungsanstalten getragen worden. Etwa 2,4 Prozent würden vom Restrukturierungsfonds beglichen, der von Banken finanziert wird. Der Rest werde abgedeckt durch eine Pauschale der Hilfsempfänger.

Teurer Rat von Deutscher Bank und Goldman Sachs

"Gelder aus dem Bundeshaushalt sind gar nicht geflossen", betonte Ministeriumssprecher Martin Kotthaus. Die meisten Kosten seien zudem beim Aufbau des Rettungsfonds angefallen. Externer Rat sei ausdrücklich vorgesehen worden angesichts der Risiken. Auf der Liste der beauftragten Dienstleister stehen neben renommiertem Kanzleien und Unternehmensberatern auch große Banken.

So berichtet das "Handelsblatt" unter Berunfung auf eine interne Liste des Ministeriums, dass Honorare an Häuser wie die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, Rothschild und Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen geflossen seien. Ebenfalls auf der Empfängerliste stünden Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater wie KPMG oder Roland Berger sowie Top-Anwaltskanzleien mit Namen Freshfields Bruckhaus Deringer, Hengeler Mueller und White & Case. Damit profitierten teilweise dieselben Akteure, die zur Krise des Bankensystems beitrugen, anschließend von ihrer Bewältigung, berichtet die Zeitung.

Der Soffin war im Herbst 2008 gegründet worden. Er hilft angeschlagenen Banken mit Garantien und Finanzspritzen. Die FMSA verwaltet auch den Restrukturierungsfonds, der mit der Bankenabgabe der deutschen Kreditwirtschaft finanziert wird. Unter dem Dach der FMSA sind zudem Abwicklungsanstalten angesiedelt, in die Institute zur Bilanzbereinigung Geschäfte ausgelagert haben. Der Linken-Politiker Klaus Ernst übte erneut scharfe Kritik und brachte in der "Welt" einen Untersuchungsausschuss ins Gespräch.

rei/dpa-afx

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung